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Seine 1 Kritik ansehen
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4 - Sehr gut
Die französische Schauspielerin und Sängerin Julie Delpy hat eine bemerkenswerte und abwechslungsreiche Karriere vorzuweisen. Sie spielte in Völker Schlöndorffs Literaturverfilmung „Homo Faber“, war der Blickfang in Krzysztof Kieslowskis „Drei Farben: Weiß“, drehte mit Roger Avary „Killing Zoe“ und konnte sich international als talentierter und facettenreicher Filmstar etablieren. Unvergessen bleibt ihr Auftritt in Richard Linklaters Wien-Romanze „Before Sunrise“ an der Seite von Ethan Hawke.
Der Autorenfilm „2 Tage Paris“, Julie Delpys erste größere Regiearbeit, konnte bei der internationalen Kritik überwiegend punkten und ist eine heitere Beziehungskomödie über ein Paar, das in der Stadt der Liebe an seine Grenzen stößt.
Marion (Julie Delpy) ist Französin, ihr Lebensgefährte Jack (Adam Goldberg) Amerikaner. Sie leben in New York, befinden sich auf der Rückreise von einem Aufenthalt in Venedig und besuchen bei dieser Gelegenheit Marions Eltern in Paris. Innerhalb von zwei Tagen prallen sämtliche kulturellen Unterschiede aufeinander, und das Paar manövriert sich unaufhaltsam in eine unangenehme und handfeste Krise.
„2 Tage Paris“ fühlt sich an wie eine moderne, europäische Neudeutung der in Amerika einst sehr populären Screwball comedy. Diese spezielle Variante der Komödie zeichnet sich durch einen respektlosen, freizügigen Humor mit allerlei sexuellen Anspielungen aus - einen schnellen, halsbrecherischen Rhythmus, starke Dialogorientiertheit, exzentrische Charaktere und ein überspitztes Spiel mit Genderklischees. Julie Delpy beweist ein ungemein sicheres Händchen für diese Versatzstücke, inszeniert bisweilen wunderbar leichte und verspielte Momente, deren Pointierung in Handlung und Wort witzreich, intelligent und elegant gelingt - sicherlich auch der Verdienst eines liebenswert und humorvoll entwickelten Drehbuches.
„2 Tage Paris“ ist darüber hinaus eine klassische Culture clash – Komödie. Persiflierend nutzt die Regisseurin gängige Klischees und bekannte Verurteile, bestätigt sie mitunter und zeigt, dass sie durchaus in der Lage ist, auch über sie zu lachen. Distanziert und augenzwinkernd erfüllt sie die Rolle der aufmerksamen und unparteiischen Beobachterin mit Bravour. Und selbst, wenn sie die intellektuelle und satirische Schärfe eines Vorbildes wie Woody Allen nie erreicht, überzeugt sie doch mit viel Charme, Biss und Einfühlungsvermögen.
Eine deutliche Stärke des Filmes ist auch das gesamte Darstellerensemble. Die Vertrautheit zwischen Adam Goldberg, Julie Delpy, Delpys Freunden und Eltern, die selbst Theaterschauspieler sind, ermöglichte eine jederzeit sichtbar und spürbar entspannte Atmosphäre, in die sich von Zeit zu Zeit kleinere Improvisationen mischen. Die daraus resultierende Dynamik ist erfüllt von Leben, Funken sprühendem Spaß an der Arbeit und den Rollen und einer angenehm familiären Stimmung. Ergänzt durch eine überaus flexible Kameraarbeit, die konsequent die Nähe zu den Protagonisten sucht.
„2 Tage Paris“ ist dennoch nicht frei von diversen Schwächen. Insbesondere die letzten Minuten des Filmes lassen die ursprüngliche Sicherheit in der Inszenierung und die feine Pointierung vermissen. Der Humor wirkt stellenweise bemüht und verkrampft und auch nicht mehr eindeutig komisch. Überflüssig und fast schon ärgerlich ist der wie aufgeklebt wirkende Auftritt eines blassen Daniel Brühl ohne jegliche Kamerapräsenz.
Drückt man allerdings ein Auge zu, so bleibt „2 Tage Paris“ eine temporeiche und durchaus clevere Alltagspersiflage, wie auch ein Liebesbrief an Delpys Heimatstadt Paris und ihr soziales Umfeld. Eine leichtflüssige Sommerkomödie, die gemessen an vielen zeitgenössischen Genrevertretern eindeutig herausragt: mal subtil - mal derb, geschmacklos und politisch unkorrekt. Hier haben die Figuren viele Ecken und Kanten, sind wunderbar ungeschliffen und liebenswert – und ausgeteilt wird in alle Richtungen.
Delpy selbst spielt nicht nur eine bezaubernde Hauptrolle, sondern zeichnet sich auch für die künstlerische Gesamtleitung, Drehbuch, Schnitt und die Musik verantwortlich. Eine große Herausforderung, an der die Künstlerin nicht scheitert. Das verdient Respekt.
7.5 von 10 Punkten
Hinzugefügt am 21.05.2007 um 13:09 Uhr
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