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    King Arthur
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    King Arthur
    Von Stefan Ludwig
    Seit Gladiator sind möglichst episch erzählte Historienfilme langsam wieder in Mode gekommen. Vor einigen Monaten brachte Wolfgang Petersen mit Troja einen zwiespältig aufgenommenen Unterhaltungsfilm in die Kinos und sorgte für diverse Diskussionen um die historische Genauigkeit seiner 14-Tage-Version des trojanischen Krieges. Nun liefert Antoine Fuqua (Tränen der Sonne, Training Day) mit "King Arthur" ein weiteres potenzielles Epos ab, das sich allerdings um die Legenden der zwölf Ritter der Tafelrunde nur am Rande bemüht. Das ist letztlich aber gar nicht ausschlaggebend dafür, dass der Film die meiste Zeit vor sich hinplätschert und den Zuschauer nicht zu fesseln vermag. Statt dessem stehen einem hohen Unterhaltungswert etwa platte Dialoge an der Grenze der Peinlichkeit oder darüber hinaus sowie eine belanglos gestaltete Geschichte und mehrere schlicht lächerliche Szenen im Wege.

    Die Ritter von König Arthur (Clive Owen) stehen nach fünfzehn Jahren bitterer und verlustreicher Kämpfe kurz vor der Freiheit. Als Kinder wurden einige von ihnen gefangen genommen und in den Dienst Roms gestellt. Über die Jahre haben sie sich mit der Rolle der unfreiwilligen Soldaten abgefunden, doch jetzt ist die Rückkehr in die Heimat nahe und damit der Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Doch an dem Tag, an dem sie eigentlich die Befreiungsdokumente überreicht bekommen sollten, erhalten sie noch einen letzten Auftrag: Sie sollen eine Familie aus dem hohen Norden retten, deren Sohn sehr wahrscheinlich eine wichtige Rolle im römischen Reich spielen wird. Nach einigem Murren entscheiden sie sich, dies als ihre letzte Aufgabe anzunehmen, obwohl die Mission sehr gefährlich erscheint. Es drohen ihnen die Kelten, ein Naturvolk, das in den Wäldern zu hausen pflegt und die mächtigen Sachsen, die sich bereits auf dem Vormarsch befinden und locker in der Lage sind, vom römischen Reich ein paar Landstriche abzuzweigen...

    Jerry Bruckheimer ist bekannt als Produzent von Mainstreamwerken für dessen Stab er schon manches Mal ein gutes Händchen bewiesen hat. Mit Fluch der Karibik gelang ihm vor nicht allzu langer Zeit nicht nur ein großer Kassenhit, sondern auch ein ausgezeichneter Popcornfilm. Hingegen zeichnet er sich auch mitverantwortlich für Pearl Harbor oder etwa den Minusfilm "Kangaroo Jack". Generell ist bei ihm somit Skepsis angesagt und die ist bei "King Arthur" nicht nur angebracht, sondern findet ihr Ziel in zahlreichen Schwachpunkten. Der größte liegt ganz klar bei der nicht ausreichenden Entwicklung der Charaktere. Ähnlich wie bei der Herr der Ringe - Trilogie gibt es eine ganze Gruppe von Hauptpersonen, doch sich mit einem Boromir oder Legolas zu identifizieren war wesentlich leichter, als mit Lancelot und besonders König Arthur selbst. Deren Schicksal ist dem Zuschauer nämlich relativ gleichgültig, das liegt besonders daran, dass die Motive oft überhaupt nicht verständlich werden. Mal wird für Gott gekämpft, mal für Rom, mal für England - Hauptsache die Kampfmotivation ist da, scheint der Tenor zu sein. Dass Artuhrs Glaube an Rom jedoch mit einem einzigen Satz eines Jungen plötzlich passé ist, erscheint unglaubwürdig. Clive Owen ist vielleicht kein Besetzungsfehler, holt aus seiner Rolle aber auch nicht wirklich viel raus. Sie ist äußerst ernst angelegt, kann das aber nicht halten und schlingert besonders gegen Ende teilweise ins Lächerliche.

    Der Rest der Besetzung kommt auch nicht sonderlich gut weg. Lancelot, verkörpert von Ioan Gruffudd, spielt langweilig und ist zweitweise kaum zu unterscheiden von Clive Owen, was die Verständlichkeit nicht gerade erhöht. Neben ihm stehen noch ein paar andere Ritter, deren Namen genauso unwichtig sind wie die Rollen. Als einer dieser stirbt, interessiert das einfach niemanden, weil der Charakter weder entwickelt noch ordentlich eingeführt wurde. Mindestens eine Szene der Sympathieerweckung hätte dem vorausgehen müssen. Keira Knightley - auf dem Kinoplakat im absoluten Mittelpunkt, im Film eine Nebenrolle mit spätem Auftreten - sieht zwar erneut hervorragend aus, kann aber schauspielerisch nicht glänzen und erwischt einige der richtig schlechten Szenen. Bei den Auftritten von Til Schweiger wird der deutsche Zuschauer geneigt sein, sich zu schämen, dass Hollywood ausgerechnet einen derart Mittelprächtigen "importiert". Schweiger nimmt seine Rolle des Junior-Sachsenanführers zu ernst und spielt überzogen. In deutschen Komödien mag er ganz nett aufgehoben zu sein, doch als Barbar ist er überhaupt nicht geeignet. Sein Film-Vater dagegen, Stellan Skarsgård, ist derjenige, der schauspielerisch am meisten überzeugt. Als Anfüher der Sachsen spielt er zwar sehr minimalistisch, dank stimmigem Kostüm und der einfachen Spielweise gelingt es ihm noch am ehesten, die Sympathie der Zuschauer auf sich zu ziehen - das aber völlig unbeabsichtigt.

    Nebel oder Feuer im Hintergrund einer Großaufnahme der Charaktere. Das bleibt vom Film am ehesten in Erinnerung, denn Kulissen werden nur spärlich eingesetzt und der ständige Kriegsnebel trübt das Bild nicht nur hinblicklich Sichtfeld, sondern auch in seiner Schönheit. Atmosphäre lässt sich mit diesem kaum erzeugen. Die Kämpfe sind stets in grauen Rauch eingehüllt und hinsichtlich Strategie dank den Kämpfen einer kleinen Elitegruppe gegen eine große Übermacht eigentlich interessant gestaltet. Die Choreographie ist dagegen unübersichtlich und versucht offensichtlich eine "FSK ab 12"-Freigabe zu erreichen. Deshalb ist nicht ein Treffer oder Blut zu sehen, was steril und unrealistisch wirkt. Völlig unlogisch ist übrigens der Verlauf des finalen Kampfes ausgefallen, bei dem die Sachsen eine List schon erwarten, diese testen und dann doch einfach reinlaufen. Im Mittelfeld des Film sind viele Szenen zu finden, die größeres erwarten und hoffen lassen und den Film auf eine Durchschnitts-Position heben können. Außerdem ist die Regie von Antoine Fuqua zu großen Teilen auf sehr solidem Niveau, hier macht ihm allerdings das Drehbuch mit merkwürdigen Dialogen einen Strich durch die Rechnung. Die Musik ist vom deutschstammigen Hans Zimmer komponiert, in einigen Szenen jedoch zu aufdringlich. Der Haken ist oft die schlechte Szene, die die Musik zu retten versucht, was allerdings zum scheitern verurteilt ist. An anderen Stellen sitzt der Soundtrack allerdings wie angegossen.

    Die neueste Produktion von Jerry Bruckheimer pendelt sich irgendwo im Mittelfeld ein. Der musikalisch sehr gute Soundtrack kann diverse nicht funktionierende und schlechte Szenen nicht retten. Regisseur Antoine Fuqua gelingt es nicht, mit der Vielzahl der Charaktere umzugehen und beim Zuschauer Emotionen für diese zu entwickeln. Die geschichtlichen Hintergründe werden unsorgfältig behandelt - was in einem Unterhaltungsfilm nicht weiter schlimm wäre. Doch auch die Geschichte selbst ist nur selten achtsam erzählt und die Motivation der Kämpfer kaum nachvollziehbar. Zudem werden Schemata mit derartiger Präzision durchgeführt, dass sich der ein oder andere wundern wird, warum ihm so etwas heutzutage noch zugemutet wird. Denn besonders die Vorhersehbarkeit macht "King Arthur" einfach zu einem weiteren Erzeugnis aus Hollywood, dem es einfach an eigenem Charakter fehlt, um tatsächlich sehenswert zu sein.

    Link-Tipp: CD-Kritik „Soundtrack: King Arthur“
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