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Batman Begins
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,5
hervorragend
Batman Begins
Von René Malgo
Seit Joel Schumachers „Batman & Robin“, dem bislang letzten „Batman“-Kinofilm, sind acht Jahre vergangen. Gras ist gewachsen, über die bunte Welt des damals poppigen Recken, der weit davon entfernt war, ein schwarzer Ritter zu sein. Nun kehrt der dunkle Rächer wieder zurück und besinnt sich seiner Wurzeln: Comics der düsteren Gattung (Lese-Tipp: „Batman: Year One“ und „The Long Halloween“). Schon vorab darf gesagt werden, dass Christopher Nolans Mission „Batman Begins“ geglückt ist. Oder um es anders auszudrücken: Wie der legendäre Phönix ist er auferstanden - aus der Asche der zu hohlem Nichts pulverisierten Schumi-Interpretationen.

Auch Jahre nach dem gewaltsamen Tod seiner Eltern hat der Millionen-Erbe Bruce Wayne (Christian Bale) dieses tragische Erlebnis noch immer nicht verarbeitet. Er wandert auf der Suche nach Antworten durch die Welt und landet schließlich im Tempel von Ra’s Al Ghul (Ken Watanabe) in Tibet. Dort wird er von seinem zwielichtigen Lehrmeister Henri Ducard (Liam Neeson) zu einem Krieger der League Of Shadow ausgebildet. Am Ende seiner Ausbildung weigert sich Bruce, den blutigen Pfad der Schattenkrieger zu beschreiten und flieht. Wieder in Gotham angekommen, beschließt er, das Verbrechen auf seine Art zu bekämpfen. Mit Hilfe von High-Tech-Waffen aus der Rüstungsfirma seines Vaters und einer geheimen Höhle unter dem Wayne-Anwesen nimmt er die Identität einer Fledermaus an - und ist schon bald als Batman gefürchtet. Batman verbündet sich mit Jim Gordon (Gary Oldman), einem der wenigen aufrechten Cops von Gotham City, und zieht gegen den alles korrumpierenden Unterweltboss Carmine Falcone (Tom Wilkinson) und Super-Schurke Scarecrow (Cillian Murphy), der mit Angstgas Menschen vergiftet, in den Kampf.

Die Erwartungen an „Batman Begins“ waren hoch. Die vollmundige Ankündigung der Verantwortlichen: Der „Batman“-Saga sollte zu einem Neuanfang verholfen werden. Der Film ist nicht an diesem Erwartungsdruck zerbrochen. Eine Leistung, nahe der Meisterlichkeit. Hartgesottene Fans sowie Mainstream-Kinogänger sollten und wollten gleichermaßen zufrieden gestellt werden. Beide Zuschauergruppen werden bestens bedient. Wenn sich jemand beschwert, dann eher die Anhänger actionreicher, tempogeladener Kino-Unterhaltung. „Batman Begins“ ist dem psychologischen Charakterdrama oftmals näher als dem Blockbuster-Kracher. In Punkto Tiefe sticht „Batman Begins“ sogar Sam Raimis Genre-Primus „Spider-Man 1 & 2“ klar aus. Dafür müssen aber, je nach Sichtweise, Abstriche bei der Action gemacht werden. Krawumm-Fetischisten oder von Spider-Man 2 vorbelastete Zuschauer werden vielleicht enttäuscht sein. Rau, dreckig und hart sind die zumeist im Dunkeln geführten Kämpfe in „Batman Begins“. Schnelle Schnitte erhöhen die ohnehin schon vorhandene Unübersichtlichkeit und dem Zuschauer wird es so gehen, wie den Gegnern von Batman: Er/sie weiß nicht, wie ihm/ihr geschieht. Das mag den ein oder anderen abschrecken, unterstreicht aber als bewusst eingesetztes Stilmittel Kampfstil und Auftreten des Helden.

Über die optische Opulenz der Burton-Filme verfügt „Batman Begins“ nicht. Über die atmosphärische Dichte hingegen schon. Der ehemalige Independent-Regisseur Christopher Nolan (Memento) setzte gezielt auf Realismus. Was der Zuschauer sieht, wirkt nie übertrieben oder künstlich und lässt so auch weit her geholte Geschehnisse lebensnah wirken. Zu dieser Tonart passt denn auch das neue, zweckmäßige Batmobil, eine Mischung aus Lamborghini und Humvee, welches sich nahtlos und überzeugend in die Geschichte einfügt. Nolans stilsichere Regie zusammen mit der stimmigen Kameraführung seines langjährigen Begleiters Wally Pfisters, mit dem er auch bei „Memento“ und Insomnia - Schlaflos zusammengearbeitet hat, sowie die exzellenten Kulissen und Sets verhelfen der urbanen Halbwelt Gothams zu einem imposanten Leben und erzeugen eine packende Atmosphäre.

Ein leiser Kritikpunkt: Die Geschichte von „Batman Begins“ ist nicht gerade die Originellste. Die verschiedenen Comicvorlagen hätten durchaus mehr hergegeben. Trotzdem werden gerade Kenner der Comics auf ihre Kosten kommen, da mehrere Szenen direkt den gezeichneten Vorlagen entnommen wurden. Beispielsweise die Panoramasicht auf Gotham City, die im Computer aus Bildern von New York und Chicago erzeugt wurde. Oder der aus Frank Millers „Batman: The Dark Knight Returns“ entliehene Fall des jungen Bruce Wayne in die Höhle. Aus „Batman: Year One“ entliehen: Der eingekesselte Held entkommt einem angreifenden S.W.A.T.-Team mit Hilfe Heerscharen von Fledermäusen. „Batman Begins“ erlaubt sich, wie seine Vorgänger, auch Freiheiten, was den Transfer von Comics auf Leinwand angeht. Das ist nur legitim, da auch neue Ideen bereichernd sein können. Und in diesem Fall sind sie es jederzeit.

In den vier Vorgänger-Filmen von Tim Burton und Joel Schumacher blieb der dunkle Ritter hinter den schillernden Halunken immer etwas auf der Strecke. Diese zweite Geige spielt Batman nun definitiv nicht mehr. Von der ersten bis zur letzten Szene steht er im Zentrum des Geschehens. Seine Herausforderer werden zwangsläufig zu Nebenfiguren degradiert. Selbst der mit diabolischem Vergnügen aufspielende Liam Neeson als Henri Ducard. Eingehend beschäftigt sich die Geschichte mit der Psyche seines Helden und dessen Werdegang zum dunklen Ritter. Dieser Weg, den Bruce Wayne im Laufe des Films zurücklegt, bleibt immer plausibel und glaubhaft. Wie versprochen haben Christopher Nolan und Drehbuchautor David S. Goyer (Blade: Trinity, Ghost Rider) kein Detail ausgelassen. Hier wird wirklich erklärt, wie Bruce Wayne tatsächlich zu Batman geworden ist. Das führt zwar einerseits zur höchstmöglichen Realitätsnähe, entmystifiziert seinen Helden aber gleichzeitig. Das muss „Batman Begins“ aber nicht nachteilig ausgelegt werden. Christian Bale (The Machinist, Equilibrium, American Psycho) kann wieder erheblich zur Legendenbildung beitragen. Er deckt all die Facetten seines Charakters glaubhaft ab. Sei es als innerlich zerrissener, von Schuldgefühlen geplagter junger Mann, als oberflächlicher Playboy oder als gefürchteter Rächer Batman. Während sich der Zuschauer beim penetrant grinsenden George Clooney gefragt hat, wieso ein Gauner vor dieser Witzfigur im benippelten Faschingskostüm davonrennen soll, ist Christian Bales Batman von einem ganz anderen Kaliber. Er spielt den dunklen Rächer mit Leib und Seele und wirkt so auch auf das Publikum Respekt einflößend.

Ein kleines Highlight neben Christian Bale ist Gary Oldman (Léon - Der Profi, Harry Potter und der Gefangene von Askaban). Der ansonsten auf die Rolle des Bösewichts abonnierte Brite orientiert sich bei seiner Interpretation des aufrechten Polizisten Jim Gordon eng an der Vorlage „Batman: Year One“. So kennen und schätzen ihn die Fans der Comics. Auch der Rest des Ensembles überzeugt. Es bleibt zwar fraglich, wieso ausgerechnet Tom Wilkinson (Separate Lies, In The Bedroom) einen Mafiaboss mit dem sizilianisch klingenden Namen Carmine Falcone mimt, doch innerhalb des Films fällt dies nicht weiter negativ auf. Sehr gut besetzt ist auch die Rolle von Bruce’ Jugendliebe Rachel Dawes. Katie Holmes (First Daughter, Pieces Of April) gefällt als angehende Staatsanwältin und ist mehr als nur die Trophäe des Helden. Sie erweist sich vielmehr als starke Frau, als eine der wenigen moralisch integren Personen in Gotham City und trägt wesentlich dazu bei, dass Bruce Wayne seinen vernichtenden Hass auf die Verbrecher in eine positive Kraft umwandeln kann. Eine lobende Erwähnung verdienen sich auch Michael Caine (Der stille Amerikaner, The Statement) als Bruce Waynes fürsorglicher Butler Alfred, Morgan Freeman (Million Dollar Baby, Die Verurteilten) als Waffen-Experte Lucius Fox und Cillian Murphy (28 Days Later, Red Eye) als abgedrehter Psychiater.

Alles passt in „Batman Begins“ zusammen. Musikalisch fällt der Film, gerade im Vergleich zu Danny Elfmans unvergesslichem Soundtrack von Tim Burtons Batman ein bisschen ab und bietet eher solide, allerdings passende, aber keine herausragende Musikkost. Ansonsten aber kann nicht geklagt werden. Die zahlreichen Dialoge vermitteln Tiefgang, die knackigen One-Liner wirken nie deplaziert und Leerlauf kommt zwischen den actionfreien Passagen auch nie auf. Da hat sich Drehbuchautor David S. Goyer selbst übertroffen und macht Sünden der Vergangenheit vergessen. Allerdings darf davon ausgegangen werden, dass Regisseur Nolan auch seine Finger im Spiel und im Zweifel das letzte Wort hatte. Am Schluss wird noch eine kleinere Überraschung ausgepackt, die ziemlich eindeutig auf den nächsten Gegner hinweist. Eine Fortsetzung ist nur eine Frage der Zeit. Hauptdarsteller Christian Bale hat schließlich einen Vertrag über insgesamt drei „Batman“-Filme unterzeichnet. Und bei der Qualität von „Batman Begins“ bleibt nur noch zu wünschen, dass das nächste „Batman“-Projekt möglichst bald in See sticht. 
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