Mein Konto
    Resident Evil 2: Apocalypse
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Resident Evil 2: Apocalypse
    Von Deike Stagge

    Es begann mit einem Videospiel: 1996 erschien Capcoms „Resident Evil“ erstmals für die Playstation. Der Third-Person-Shooter entwickelte sich zum Verkaufsschlager und prägte das Genre des Survial-Horrors wie kaum ein anderes Spiel. Klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis der Film zum Spiel realisiert werden würde. 2002 verfilmte Paul Anderson schließlich „Resident Evil“, die Geschichte um die Katastrophe im unterirdischen Forschungslabor der mächtigen Umbrella Corporation mit Milla Jovovich und Michelle Rodriguez. Am Ende schafften es nur Alice (Milla Jovovich) und der durch einen Zombiebiss bereits infizierte Matt (Eric Mabius), aus den Klauen der Untoten zu entkommen. „Apocalypse“ schließt direkt an das Geschehen des ersten Teils an, aber keine Panik: Für diejenigen, die Teil eins nicht gesehen haben, erklärt Alice vorab in Kurzform alles Wichtige.

    Als Alice im Krankenhaus aufwacht, sind alle verschwunden. Die Straßen sind menschenleer und bieten ein Bild der Verwüstung: überall Blutspuren, kaputte Autos, eingeschlagene Fenster. Anscheinend sind die Zombies aus ihrem unterirdischen Gefängnis entkommen. Racoon City ist völlig zerstört, die meisten Menschen durch Bisse und anschließende Infektion selbst zu Zombies geworden. Die Stadtgrenze ist von der Umbrella Corporation abgesperrt, niemand darf raus. Frisch bewaffnet zieht Alice los, um der Ursache für die Katastrophe auf den Grund zu gehen. Zusammen mit anderen Flüchtlingen wie Ex-Cop Jill Valentine (Sienna Guillory) und Elitekämpfer Oliveira (Oded Fehr) erhält sie die Chance zur Flucht. Um Racoon Cizty verlassen zu können, muss sie die kleine Tochter von Professor Ashford retten, die in der Stadt verschollen ist.

    Mehr braucht man über die Handlung nicht zu wissen, denn das war sie eigentlich schon. Statt dialogischer Entwicklung beginnt eine gnadenlose Hetzjagd durch verschiedene Schauplätze in Racoon City. Neben der Masse an Zombies bereitet vor allem der genetisch mutierte Nemesis Alice und ihrer Gruppe Kopfschmerzen. Schon beim ersten Aufeinandertreffen nach einer halben Stunde fliegen dem Publikum brennende Autowracks und ganze Häuserwände um die Ohren. Der Anspruch an das Endgemetzel wird nach diesem Actionleckerbissen ungemein erhöht - aber leider später ziemlich enttäuscht. Ansehnlich ist hingegen wieder die Optik. Schon der erste Teil verfolgte sich aus dem Kinosessel wie ein Videospiel. Viel temporeiche Action, computerspielartige Kamerafahrten durch dunkle Gänge und plötzlich auftauchende Monster. Die Fortsetzung bleibt diesem Stil insgesamt treu, tauscht aber das letzte bisschen Geschichte gegen ein Plus an Action. Und damit keine Missverständnisse auftauchen: Die Dialoge machen den Eindruck, als wären sie allesamt selbst von einem Untoten niedergeschrieben worden. Von dieser Seite darf man bei „Apocalypse“ nichts erwarten.

    Von der Hauptfigur aber schon. War Alice in Teil eins noch die schüchterne Sicherheitsbeamtin ohne Gedächtnis, die langsam ihre Fähigkeiten entdeckt, kommt sie abgezockt und genetisch aufgepeppelt daher. Wenn sie in ihrer ersten großen Szene gleich drei sogenannte Licker (Endgegner aus Teil eins) in zwei Minuten kaltstellt, wird klar: Die Frau zieht andere Seiten auf. Mit Kleinvieh wird sich nicht lang aufgehalten. Das ist aber auch das Problem an „Apocalypse“. Alice wirkt eigentlich nie richtig in Gefahr, und das senkt die Spannung erheblich ab. Im ersten Film war die Bedrohung durch unheimliche Untote noch omnipräsent, sie lauerten hinter jeder Ecke. Jetzt haben die Zombies nur noch wenige gute Auftritte und spielen zum Ende hin gar keine Rolle mehr.

    Der Videospielcharakter wird vor allem durch die Kameraperspektive deutlich und sorgt zusätzlich für Nervenkitzel. Vor allem die Kirchenszene ist in ihrer Machart richtig mitreißend und man fragt sich ständig, von wo die Monster als nächstes angreifen. Wirkt der Anfang noch sehr gelungen, so baut der Film zum Ende hin stetig ab. Regisseur Alexander Witt wechselt mittendrin das Genre und macht die zweite Hälfte zum Actionfilm, in dem sich Alice mit ausgefeilten Martial-Arts-Skills gegen menschliche Umbrella-Soldaten wehren muss. Ein denkbar schlechter Einfall, denn so bleibt von der Zombie-Apokalypse kaum was übrig und die Spannung sinkt in den Keller, wenn sich die Überlebenden mit den bösen Umbrellas um den letzten flugtüchtigen Hubschrauber schlagen. Die für Horrorfilme typischen Schockmomente kommen nicht mehr vor. Ein dickes Minus für den Spaßfaktor.

    Eingefleischte Fans wird hingegen freuen, dass „Apocalypse“ mehr Originalcharaktere bringt. Jill Valentine, weiblicher Liebling der Gamergemeinde und Ersatz für Michelle Rodriguez Charakter, wird zur zweiten Hauptfigur und findet mit Sienna Guillory eine Schauspielerin, die nicht nur dem Vorbild unheimlich ähnlich sieht, sondern die toughe Polizisten auch überzeugend verkörpert. Genmonster Nemesis, dass viele Videofreaks vor ihrem Monitor verzweifeln ließ, darf ebenfalls den 25 Kilogramm schweren Raktenwerfer zücken. Auch die Dobermänner aus dem Original bekommen ihren Auftritt und werfen erneut die Frage auf, was nach der Infektion mit dem Rest der Tierwelt passiert ist. Laufen vielleicht irgendwo Zombiehamster durch Racoon City? Auch ohne diese Frage zu beantworten, hat die doppelte Frauenpower in den USA nach zwei Wochen fast schon die Einspielergebnisse des ersten Teils eingebracht. Daher überrascht es niemanden, dass das Team bereits die Arbeit für Teil drei begonnen hat.

    Möchtest Du weitere Kritiken ansehen?
    Das könnte dich auch interessieren
    Back to Top