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Im Dutzend billiger
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Im Dutzend billiger
Von Carsten Baumgardt
US-Star-Komiker Steve Martin, der in der Vergangenheit für seine satirische Schärfe („L.A. Story“) und auch ernste Qualitäten („Grand Canyon“) bekannt war, hat sich mit seinen letzten Filmen weitaus familienfreundlicher gezeigt. Seine großen Hits lagen schließlich schon eine Weile zurück. Bereits mit der Komödie „Haus über Kopf“ schlug er diesen Weg ein und landete in den USA einen riesigen Box-Office-Erfolg (Einspiel: 133 Mio Dollar). Gleiches gilt für Shawn Levys Familien-Komödie „Im Dutzend billiger“. Der Film spielte in Amerika bisher knapp 140 Mio Dollar ein, bietet dafür aber nur harmlosen, familienfreundlichen Humor ohne Angriffsfläche. Mit etwas mehr Mut zur Frechheit hätte aus dem Remake des gleichnamigen Hits aus dem Jahre 1950 ein prächtiger Unterhaltungsfilm werden können. So bleibt nur die Erkenntnis, dass Hollywood in der heutigen Zeit jedes Risiko scheut und immer auf der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner ist.

Tom Baker (Steve Martin) und Frau Kate (Bonnie Hunt) waren in Sachen Kinderproduktion mehr als aktiv. In 23 Ehejahren wuchs die Familie auf zwölf Kinder an. Das bringt nicht nur Freude, sondern auch organisatorische Probleme mit sich. Eigentlich sind alle glücklich in der Provinz des Mittelwestens der USA. Doch dann bekommt Familienoberhaupt Tom ein Jobangebot, das er nicht ausschlagen kann. Der American-Football-Coach soll das Star-Team der Chicago Stallions trainieren. Um seinem Traumjob nachgehen zu können, muss er mit seiner Sippe in die Großstadt umziehen. Die Kinder sind überhaupt nicht begeistert, ihre Freunde zurücklassen zu müssen und willigen nur widerwillig ein. Als sich Tom gerade eingearbeitet hat, bekommt Kate ebenfalls die Chance auf die große Karriere. Die Autorin, die gerade ein neues Buch herausgebracht hat, soll in New York auf Promotion-Tour gehen. Tom ist für zwei Wochen allein mit dem Dutzend Kinder und muss sich zudem im neuen Job bewähren. Das führt zwangsläufig zu Konflikten. Er hat zu wenig Zeit für sein Football-Team und die Kinder tanzen ihm auf der Nase herum...

Mit dem Original von Walter Lang hat Shawn Levys Remake nur noch die Ausgangsidee der 14-köpfigen Familie gemein. Die Story wurde von den Drehbuchautoren Sam Harper, Alec Sokolow und Joel Cohen rundum überarbeitet und der heutigen Zeit angepasst. Aber auch die Charaktere entsprechen nicht mehr der Vorlage. War der Familienvorstand 50er-Prägung noch um Autorität und Effizienz bemüht, wird Zugpferd Steve Martin als bemühter Herrscher über das Chaos gezeichnet, um dessen Slapstick-Qualitäten voll auszuspielen. Das ist sicherlich auch der richtige Ansatz, nur hätte den Figuren und Dialogen mehr Schärfe gut getan. Die Episoden um die Rasselbande sind arg harmlos geraten. Das ist zwar einigermaßen komisch, bietet aber wenig Substanz. Die geschürten Konflikte lösen sich nach und nach in Wohlgefallen auf. Steve Martin agiert gewohnt stoisch, hat einige nette Oneliner, darf sich aber nicht voll austoben, um das Familienpublikum nicht zu verschrecken. Bonnie Hunt („The Green Mile“, „Begegnung des Schicksals“) ist als Mutter für die gute Seele des Films zuständig, die Lacher müssen andere einfahren.

Das sollen neben Martin vor allem die Kinder- und Jugenddarsteller tun. Doch aus dem Ensemble des zwölfköpfigen Nachwuchses kann sich keiner entscheidend nach vorn spielen. Die zauberhafte Piper Perabo („Coyote Ugly“) bekommt als Älteste zu wenig Raum und darf nur gut aussehen, „Smallville“-Star Tom Welling und Tennie-Idol Hilary Duff („Popstar auf Umwegen“) bekommen ein paar kleine Episoden, können darin aber nicht unbedingt überzeugen. Fällt Welling als Grübler wenigstens nicht negativ auf, so wird der Betrachter den Gedanken nicht los, dass die 16-jährige Hilary Duff eine eher unterdurchschnittlich talentierte Schauspielerin ist - um es freundlich auszudrücken. Ihre Ausstrahlung tendiert gegen Null. Die restliche Kinderdarsteller-Schar ist für einige Lacher gut, reißt das Publikum aber keinesfalls von den Sitzen. Ein wenig Abwechslung bringt der Gastauftritt von Demi-Moore-Gespiele Ashton Kutcher („Voll verheiratet“), der sich als Piper Perabos Freund mit den gehässigen Attacken der lieben Kleinen herumschlagen muss.

Die Moral von der Geschicht' ist natürlich ebenso familienfreundlich wie der ganze Film. Das emotionale Chaos, das so eine Großfamilie auslöst, endet in der Erkenntnis, dass es zuhause doch am schönsten ist. Und da müssen Vater und Mutter halt zurückstecken. Das hat mit der Realität wenig zu tun, aber immerhin dürfen die Kinogänger mit einem angenehmen Heile-Welt-Gefühl nach Hause gehen. So reicht es für „Im Dutzend billiger“ zwar zu einem mittelprächtigen Film, der die Erwartungen des Komödienpublikums zwangsläufig nicht enttäuscht, aber mit ein bisschen mehr anarchischem, frecheren Witz hätte daraus sicherlich mehr werden können. Wer sich anderthalb Stunden von seichter Komik berieseln lassen will, sollte für „Im Dutzend billiger“ ein Kinoticket lösen. Alle anderen sollten um den Film lieber einen Bogen machen. Ein großer Vorwurf ist Regisseur Shawn Levy („Voll verheiratet“) dabei gar nicht einmal zu machen. Mehr als einen netten, harmlosen Unterhaltungsfilm wollte er garantiert gar nicht drehen... Dass dies vielen reicht, zeigt das Einspiel-Ergebnis aus den USA, auf die der Film vollkommen zugeschnitten ist. Schon Martins letzter US-Hit „Haus über Kopf“ zündete beim deutschen Publikum nicht und erreichte nur rund 480.000 Besucher. Ähnliches ist auch für „Im Dutzend billiger“ zu befürchten.
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