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Death Wish V: The Face of Death
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Death Wish V: The Face of Death
Von Robert Cherkowski
Von der „Death Wish"-Reihe sprechen heißt auch von ihrem Niedergang sprechen – nein, dieses Franchise hat niemandem Glück gebracht. Die Fortsetzungen des kantigen und kontrovers diskutierten Erstlings unter der Schirmherrschaft der berüchtigten Cannon-Studios haben so gut wie jeden Beteiligten ins kreative Abseits getrieben. Hauptdarsteller Charles Bronson, einst der bestbezahlte Mann Hollywoods, stieg zum Videotheken-Brutalo-Opa ab. Regie-Handwerker wie Michael Winner und J. Lee Thompson inszenierten sich mit ihren Beiträgen in den von Schmäh und Schimpf überschatteten Ruhestand. Und selbst die Cannon-Studios konnten mit derartigen Produktionen irgendwann keinen Profit mehr machen und gingen Bankrott. Wie ein böser Fluch lebte das Franchise noch für einen weiteren unglückseligen Film unter der Regie des vorher und nachher nur im TV- und Video-Metier tätigen Allan A. Goldstein fort – in „Death Wish 5 – Antlitz des Todes" richtet sich der titelgebende Todeswunsch nur noch gegen die Reihe selbst.

Wenn er nicht gerade fiese Gestalten umbringt muss Paul Kersey (Charles Bronson) ein Spitzenkerl sein. Schließlich hat er nun schon die vierte Frau an seiner Seite. Nachdem die erste von Straßenpunks zu Tode vergewaltigt wurde, die zweite das Weite suchte, als sie vom mörderischen Hobby ihres Mannes erfuhr und die dritte im Kugelhagel eines Drogenbarons endete hat Paul, der mittlerweile unter falschem Namen lebt, den Todeswünschen wieder einmal abgeschworen. Damit ist es jedoch bald Essig. Pauls neue Flamme Olivia (Lesley-Anne Down) hat nämlich einen fiesen Ex-Mann, den Mafioso Tommy (Michael Parks), der sich immer wieder in ihr Geschäft als Modedesignerin zu drängen versucht. Als sich Olivia beharrlich weigert, lässt er sie erst verstümmeln und später ermorden. Klar dass Paul das als Affront versteht und sich einmal mehr auf seine alten Tage und sein ruhendes Hobby besinnt...

Im Lauf der Reihe konnte man von Film zu Film beobachten, wie wenig Bock Bronson auf die Rolle hatte, die ihm in den 80ern zwar ein geregeltes Einkommen garantierte, seinen Ruf als Schauspieler jedoch regelrecht vernichtete. Im fünften Teil ist nun endgültig der Punkt erreicht, an dem sich der gelangweilte Oldtimer nur mehr durch die Szenen schleppt, im Autopilot doofe Sätze spricht und gelegentlich grimmig drein glotzt. Selbst wenn hier geliebte Menschen aus seinem Umfeld sterben, wirkt er bestenfalls so verärgert, als hätte er gerade den Bus verpasst – doch nie so traumatisiert, wie es zu Beginn der Reihe noch der Fall war. Bekannte Gesichter in Nebenrollen wie Miguel Sandoval oder Saul Rubinek als Cops scheinen sich ebenfalls eher zu langweilen. Das trifft auch auf die Verantwortlichen hinter Ausstattung, Kamera und Regie zu, die Arbeit auf niedrigem TV-Niveau abliefern. Passend dazu taucht Soap-Sternchen Lesley-Anne Down als Pauls Frau auf – selbst ihr scheint das jedoch ein wenig peinlich zu sein.

Da lobt man sich die Bösewichter, die hier zumindest noch Spaß am böse sein haben. Richtig eklig teufeln sich die mafiösen Bad Boys durch die Szenerie, lachen schleimig, reissen fiese Witze und zeichnen sich durch eine cartooneske Gemeinheit aus, die durchaus Spaß macht. Den Vogel schießt dabei der B-Movie-Recke und spätere „Kill Bill"-Alumni Michael Parks ab, der seinen Oberstrolch als oberflächlich-kultiviert daherkommenden, unter der aalglatten Fassade jedoch vor Sadismus nur so strotzendes Ekel par excellence gibt. Der Typ gehört in die Klinik! Besonders die Szene, in der er sich in einem Restaurant ein schmieriges Blickduell mit Bronson liefert, während in einem anderen Zimmer gerade dessen Frau von einem seiner Schergen (ebenfalls ziemlich gaga: Robert Joy) verstümmelt wird, bleibt im Gedächtnis. Dass diese Crew total durch ist und schnellstens aus dem Verkehr gezogen werden muss, versteht sich von selbst.

Und so kommt es dann auch. Mehr noch als in den bisherigen Folgen regiert im Serienfinale der blanke Sadismus. Einfach Leute abknallen, das reicht hier nicht mehr. Zwar brät Paul auch hier desöfteren einem Strolch ein Loch in den Pelz, doch lässt er sich mitunter auch ganz andere Methoden einfallen, um seine Widersacher vor ihren Schöpfer treten zu lassen. Da vergiftet er seine Feinde, um sie bei ihren letzten Todesröchlern noch mit Tiraden über ihre moralische Verderbtheit zu konfrontieren. Oder er baut ihnen mit Zubehör aus dem Spielwarenladen explosive Fallen. Auch Häcksler oder Säurebäder gehören zu seinem neuen Repertoire und lassen den ergrauten Vigilanten fast wie einen Horrorslasher wirken. Damit entlarvt sich der Film als spießbürgerliche Gewaltfantasie über einen alternden weißen Brutalo, der es dem Abschaum mal so richtig zeigt. Irgendwann war dann zum Glück auch den Filmemachern klar, dass es so nicht weitergehen sollte: Ein geplanter sechster Teil wurde nach dem Misserfolg abgeblasen.

Fazit: Wenn „Death Wish 5" ist über weite Strecken schlichtweg dumm und langweilig, durchweg aber abstoßend sadistisch – ein unwürdiger Abschluss einer höchst streitbaren Reihe. Einen Extra-Stern gibt's nur für die grotesken Bösewichter, die hier tatsächlich Spaß machen.
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