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    Robots
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Robots
    Von Carsten Baumgardt

    Chris Wedge gelang mit seinem Kinodebüt gleich ein sensationeller Erfolg. Für die 20th Century Fox schuf der Amerikaner das mitreißend sympathische und außerordentlich erfolgreiche Animations-Abenteuer „Ice Age“. Der Erwartungsdruck für sein nächstes Big-Budget-Projekt „Robots“ stieg demnach mit den Ansprüchen. Aber was sollte schon schief gehen? Die Animationsabteilung der Fox ist Marktführer Pixar dicht auf den Fersen und Wedge hat bewiesen, dass er ein Massenpublikum bewegen kann. Doch erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt. Die Animationskomödie „Robots“ ist zwar technisch auf der Höhe der Zeit, aber inhaltlich eine einzige Enttäuschung. Die Story ist öde und belanglos und das Schlimmste: „Robots“ mangelt es einfach an Witz.

    Der kleine Roboterjunge Rodney Copperbottom (Stimme: Philipp Moog, Ewan McGregor) ist ein intelligenter Kerl. Wohl behütet wächst er in einem verschlafenen Kaff in bescheidenen Verhältnissen auf. Seine Mutter ist Hausfrau und sein Vater Tellerwäscher in einem Lokal. Rodney, der ein Talent als Erfinder besitzt, will in Robot City sein Glück finden und beim Großkonzern Big Weld sein Idol, den gleichnamigen größten Erfinder aller Zeiten treffen. Allerdings wird Rodney schnell enttäuscht. Der idealistische Big Weld (Wolfgang Völz, Mel Brooks) hat im eigenen Unternehmen nichts mehr zu sagen und ist von dem tyrannischen Ratchet (Oliver Kalkofe, Greg Kinnear) abgelöst worden. Der will dem Robotervolk nur noch teure Upgrades und keine Ersatzteile mehr verkaufen. Angetrieben durch seine Mutter Madame Gasket (Hans Werner Olm, Jim Broadbent), die Königin der Schrottpresse, will er seinen finsteren Plan durchsetzen und alle Roboter, die sich keine Upgrades leisten können, zu Altmetall verarbeiten. Doch er hat die Rechnung ohne Rodney gemacht. Gemeinsam mit seinem Kumpel Fender (Michael „Bully“ Herbig, Robin Williams) und der gutherzigen Cappy (Sarah Connor, Halle Berry) zettelt er eine Revolution gegen den mächtigen Konzern an...

    Der riesige Erfolg von „Ice Age“ ebnet seinem Nachfolger den Weg und öffnet alle Tore. Die Marketing-Maschine der Fox läuft auf Hochtouren und dass das Machwerk ein Box-Office-Hit wird, steht völlig außer Frage. Das heißt aber nicht gleichzeitig, dass „Robots“ ein guter Film ist. Ganz im Gegenteil. Die kleinen Zuschauer werden sich zwar gut unterhalten fühlen und ihren Spaß haben, aber das begleitende Erwachsenenpublikum wird von Chris Wedge diesmal nicht berührt, sondern gelangweilt. Die Geschichte erweist sich als einer der großen Schwachpunkte. Das Genre ist geprägt von schlichten Stories, dagegen ist auch gar nichts einzuwenden, aber ganz so witzlos, vorhersehbar, seicht und über-idealistisch muss es dann doch nicht sein. Die Drehbuchautoren Lowell Ganz („Ed TV“, „Vier lieben dich“) und Babaloo Mandel („Ein Vater zuviel“, „Forget Paris“, „City Slickers“) versuchen einfach, die Welt der Menschen in die der Roboter zu übertragen und daraus den Humor zu beziehen. Morgens gibt es ein Tässchen Öl statt Kaffee, statt der Gelenke knartschen die Schrauben etc. Das wirkt wenig originell und langweilt auf die Dauer.

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    Die Simplifizierung von Gut und Böse ist ebenfalls viel zu krass und ideenlos geraten und der zentrale Vater-Sohn-Konflikt zu klischeetriefend. Nebenbei entwirft Wedge, bewusst oder unbewusst, seine Idealwelt als kommunistisches Gesellschaftsmodell. Und das in einem amerikanischen Film - eigentlich der größte und beste Lacher. Das alles wäre zu verkraften, wenn „Robots“ wie „Ice Age“ liebenswerte, charmante Charaktere aufbieten könnte. Hier haben die Macher ein grundlegendes Problem grob unterschätzt. Der Niedlichkeitsfaktor, der in „Ice Age“ unschlagbar war, fällt bei „Robots“ nahezu komplett weg. Das Autorenduo versucht zwar, seine Helden sympathisch wirken zu lassen, aber das klappt nicht in dem Maße, wie es sich alle gewünscht hatten. Rodney ist ein naiver Junge, sein Sidekick Fender eine Nervensäge (was die überdrehte Synchronisation von Michael „Bully“ Herbig noch unterstreicht), seine Freundin Cappy eigentlich völlig überflüssig (ebenso wie die Synchronisation von Sarah Connor) und die Bösewichte Ratchet und Madame Gasket sind zu überzogen, um zu überzeugen. Konkret: Der Zuschauer findet wenig Anknüpfungspunkte. Trotz aller Bemühungen, das Gegenteil zu beweisen, sind die Figuren nur sprechende Blechbüchsen.

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    Was „Robots“ auf der nächsten Ebene nach unten zieht, ist das Fehlen von inspiriertem Witz. Das Konzept der Vermenschlichung greift nicht, weil die Umsetzung viel zu brav, bieder und altbacken wirkt. Dass Wedge und seine Autoren dann auch noch mit Fäkalhumor aufwarten und ihre Protagonisten um die Wette furzen lassen, mag für die Kleinen eine Riesenummer sein, bei den Großen aber nur Stirnrunzeln verursachen. Ein Armutszeugnis. Wie mittlerweile üblich werden die Erwachsenen mit eingestreuten Zitaten aus der Filmgeschichte unterhalten. Die Britney-Spears-Parodie ist sogar gelungen, wie auch einige andere sanfte Seitenhiebe. Bei der Anspielung auf „Star Wars“ schiebt die Fox gleich mal ihren nächsten Blockbuster an.

    Unterhaltsam wird „Robots“ immer dann, wenn die Geschichte in den Hintergrund rückt und Wedge seine Helden auf rasante Verfolgungsjagden durch das futuristische, hübsch entworfene Robot City schickt. Das ist optisch brillant und kurzweilig. Die Szenerie ist noch detailreicher als bei „Ice Age“, die Technik entwickelt sich schließlich weiter, was deutlich zu sehen ist. Der Film besticht zudem durch eine große Raumtiefe, welche die Roboterstadt sehr plastisch erscheinen lässt. Ein echter Augenöffner, der leider wieder beendet ist, wenn die Robos den blechernen Mund aufmachen.

    Dem kommerziellen Erfolg von „Robots“ wird die durchschnittliche Qualität des Films nicht im Wege stehen. Kinder werden sich amüsieren und die Schwächen nicht wahrnehmen. Die Erwachsenen seien jedoch gewarnt. Wer einen zweiten „Ice Age“ erwartet, sollte lieber bis zum 6. April 2006 warten. Dann gehen Manfred, Sid und Diego in die nächste Runde... Und sie werden garantiert für bessere Unterhaltung sorgen als Chris Wedge mit seinen Blechkameraden.

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