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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,5
hervorragend
Iron Man
Von Christoph Petersen
Seitdem Comic-Verfilmungen ihren weltumspannenden Siegeszug angetreten haben und Superhelden das Geschehen an den Kinokassen maßgeblich mitbestimmen, hat sich der Fundus des ehemaligen „Nerd-Labels“ Marvel zu einer wahren Goldgrube für Hollywood-Produzenten entwickelt. Nach und nach wird das über 5.000 Figuren umfassende Universum der Marvel Entertainment, Inc. ausgeschlachtet und die einzelnen Franchises werden gewinnbringend auf die Leinwand geworfen: Acht Mal in Folge sind Filme, die auf Marvel-Charakteren basieren, auf Platz 1 der US-Box-Office-Charts eingestiegen, insgesamt spielten diese Werke seit 1998 weltweit mehr als 4,9 Milliarden Dollar ein. Nun haben die Manager bei Marvel endlich kapiert, dass sie für die Verfilmungen ihrer Comics nicht mehr zwingend auf starke Partner angewiesen sind – immerhin konnten bisher Fox (X-Men), Sony (Spider-Man) und Constantin (Fantastic Four) den Großteil des Profits absahnen. So gab Marvel 2007 grünes Licht für zehn eigenfinanzierte Eventmovies: Den Anfang machen in diesem Jahr „Iron Man“ und The Incredible Hulk, Captain America, Thor und Ant-Man werden in absehbarer Zeit folgen. Soweit der obligatorische Businesstalk – doch welche Auswirkungen hat dieses Marvel-Solo für den gemeinen Kinobesucher? Legt man der Beurteilung allein Jon Favreaus „Iron Man“ zu Grunde, fällt die Antwort auf diese Frage nicht sonderlich schwer: nur gute!

Multimilliardär Tony Stark (Robert Downey Jr.) ist ein genialer Geist, der sein Vermögen mit der Entwicklung der modernsten und schlagkräftigsten Waffensysteme gemacht hat. Stark ist aber auch ein egozentrischer Playboy, dessen Privatjet mit strippenden Stewardessen bestückt ist und der seine lästig gewordenen One-Night-Stands von seiner ergebenen Assistentin Virginia „Pepper“ Potts (Gwyneth Paltrow) mehr oder weniger höflich hinausbefördern lässt. Als er in Afghanistan ein neuartiges Raketensystem vorstellt, wird Stark von Rebellen entführt. In einer Höhle soll er für die Terroristen eine seiner Raketen nachbauen. Doch Stark denkt gar nicht daran, den Feind mit seiner Technologie zu versorgen. Stattdessen bastelt er an einer eisernen High-Tech-Rüstung, mit deren Hilfe er seinem Gefängnis entkommt und mehr schlecht als recht in die Lüfte geht. Obwohl er es ohne bedeutende Blessuren zurück auf amerikanischen Boden schafft, meldet sich nun sein Gewissen zu Wort. Starks neue Erfahrungen haben ihn gelehrt, dass sein bisheriger Lebensweg der falsche war. Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz verkündet der geläuterte Firmenmogul, dass sein Unternehmen die Produktion von Waffen sofort einstellen wird. Der Aktienkurs von Stark Enterprises fällt ins Bodenlose. Sein zwielichtiger Geschäftspartner Obadiah Stane (Jeff Bridges) setzt alles daran, Stark möglichst schnell für unzurechnungsfähig erklären zu lassen, um ihn so aus dem Konzern ausschließen zu können…

Es ist kein Zufall, dass die Superhelden-Rollen in den diesjährigen Comic-Verfilmungen „Iron Man“ und „Hulk“ mit Robert Downey Jr. und Edward Norton an zwei Schauspieler gegangen sind, die weniger für ihre Zugkraft an den Kinokassen als für ihre Fähigkeiten als Charaktermimen bekannt sind. Marvel ist sich eben bewusst, dass die Figuren hinter den Maskierungen mindestens genauso wichtig sind wie aufwändige Spezialeffekt-Szenarien. Mit der Besetzung von Downey Jr. (The Singing Detective, Kiss, Kiss, Bang, Bang, Zodiac, Tropic Thunder) ist man aber ein besonders großes Risiko eingegangen, über das die Produzenten zunächst gar nicht glücklich waren – immerhin hat der Star ihrer 186-Millionen-Dollar-Mammutproduktion eine bewegte Vergangenheit inklusive Gesetzeskonflikten, Alkoholexzessen und Drogenorgien hinter sich. Doch dieses Wagnis, das wohl nur aufgrund Marvels Alleingang ohne Studiobeteiligungen überhaupt möglich war, zahlt sich mehr als aus: Dank der über alle Maßen egozentrischen Darstellung von Downey ist „Iron Man“ nun ganz offiziell der verdammt noch mal coolste Motherfucker im gesamten Superhelden-Universum – vergleichbar höchstens noch mit den torkelnden Auftritten von Johnny Depp als Piratenkapitän Jack Sparrow in den Fluch der Karibik-Abenteuern.

Die ersten gut zwanzig Minuten des Films, in denen Tony Starks abgehobenes Playboy-Leben skizziert wird, sind eine einzige grandiose Robert-Downey-Ein-Mann-Schau: Mit störrischer Gelassenheit nippt er auch noch bei der Fahrt durch afghanisches Krisengebiet an seinem Cognac und erklärt den Geländewagen Humvee kurzerhand zu seinem „Fun-vee“. Ganz nebenbei behandelt er Frauen wie Dreck und hält zynische Abhandlungen über den Nutzen von Waffen: „Man sagt ja, die besten Waffen seien die, die man nicht einsetzen muss. Ich aber sage, die besten Waffen sind jene, die man nur einmal einsetzen muss!“ Als misanthropisches Arschloch, das so verdammt arrogant ist, dass man es als Zuschauer einfach sofort in sein Herz schließen muss, ist Downey Jr. natürlich voll in seinem Element – er liefert einen zynischen, staubtrockenen Humor, der begeistert. Und auch nach Tony Starks Bekehrung gibt es immer noch genügend Augenblicke, in denen Downeys überheblicher Charme durchschimmert.

Auch die Nebenrollen sind mit zwei Oscar-Nominierten und einer Oscar-Preisträgerin großartig besetzt: Jeff Bridges (Der König der Fischer, The Big Lebowski, Seabiscuit) gibt mit Glatze und Vollbart einen wunderbar undurchsichtigen, heimtückischen Bösewicht, der sich auf dem hochglänzenden Finanzparkett genauso sicher bewegt wie zwischen bis an die Zähne bewaffneten Terroristen. Gwyneth Paltrow (Sieben, Kaltes Blut, Krass, Oscar für Shakespeare In Love) sieht ja eigentlich immer gut aus, aber so süß wie als kecke, schlagfertige Assistentin Pepper war die 35-Jährige in ihrer Karriere noch nie. Lediglich die Figur des Army-Waffenspezialisten Jim Rhodes bleibt im ersten „Iron Man“-Anlauf noch ein wenig blass. Doch auch hier kann man sicher sein, dass Terrence Howard (Hustle And Flow, Hunting Party, Die Fremde in dir) in den wahrscheinlichen Fortsetzungen – Downey Jr. hat bereits für drei Teile unterschrieben – noch einmal richtig Gas geben wird.

Der regieführende Schauspieler Jon Favreau („Made“, Buddy – Der Weihnachtself, Zathura) tut jedoch nicht nur gut daran, die Charakterzeichnung stärker als bei anderen Megaprojekten in den Vordergrund zu stellen, auch die Actionszenen können überzeugen: Diese sind zwar vergleichsweise spärlich gesät, aber dafür hochgradig abwechslungsreich – Iron Man legt sich im Verlauf des Films mit so unterschiedlichen Gegnern wie Rebellen, US-Kampfjets und dem Kampfroboter Iron Monger an. Dabei fällt besonders positiv auf, dass die Kämpfe stets übersichtlich bleiben – so gibt es zwar keine ausufernden Effektschlachten wie bei Michael Bays Transformers, dafür weisen die Fights aber allesamt eine gut durchdachte Dramaturgie auf, die schlussendlich bedeutend mehr Spaß und Spannung beisteuert als die 142. Explosion. Auch der Schauplatz Afghanistan wird gewinnbringend eingesetzt – der Widerspruch von alltäglich anmutenden Schreckensbildern, wie wir sie andauernd in den Nachrichten sehen, und Iron Man, der die Terroristen in Bud-Spencer-Manier vermöbelt, hat einen ganz speziellen Reiz. Dass die Computereffekte selbstredend auf dem neuesten Stand sind, muss man bei einem Film dieser Größenordnung wohl kaum mehr extra herausstellen.

Fazit: Die Macher sind mit der Besetzung des nur in Insiderkreisen Starruhm genießenden Robert Downey Jr. ein finanzielles Risiko eingegangen, das sich aber künstlerisch mehr als auszahlt. Downeys grandiose One-Man-Show allein ist den Kinoeintritt schon locker wert. Aber es kommen auch noch eine Menge anderer Qualitäten hinzu, die „Iron Man“ schließlich zur besten Comic-Verfilmung seit langem machen. So wird die Blockbuster-Sommersaison mit einem Kracher eröffnet, der wohl mit die größten Chancen hat, aus dem Eventkino-Wettstreit 2008 als Sieger hervorzugehen – Speed Racer, Indiana Jones und das Königreich der Kristallschädel und Batman – The Dark Knight sollten sich auf jeden Fall warm anziehen.

Interview: Gwyneth Paltrow über Oscars und „Iron Man“
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