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    Coach Carter
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Coach Carter
    Von Deike Stagge
    Das Jahr 2005 steht voll und ganz im Zeichen der Biopics. Wurden uns bisher mit den Lebensläufen von Howard Hughes („Aviator“) oder Bobby Darin („Beyond The Sea“) bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens vorgesetzt, widmet sich Thomas Carters Sportler-Drama „Coach Carter“ einem zumindest in Deutschland wohl gänzlich unbekanntem Basketballtrainer, der mit unkonventionellen Methoden sein Team zu Höchstleistung und Selbstrespekt anregte.

    Um einem alten Freund einen Gefallen zu tun, übernimmt Coach Carter (Samuel L. Jackson) das Training der Basketballmannschaft einer High School im örtlichen Ghetto. Die völlig undisziplinierten Jungen stellen ihn vor seine größte Herausforderung. Mit knallharten Regeln, die keinen Widerspruch dulden, Verträgen, in denen die Spieler ihre Leistung auch in schulischen Bereichen zusichern müssen und an Bootcamp erinnerndes Ausdauertraining verschafft er sich nicht nur den nötigen Respekt, sondern führt die Mannschaft auch zu ersten Siegen. Komplikationen treten auf, als sein Sohn Damien (Robert Ri’chard) unbedingt wieder von seinem Vater trainiert werden will und ohne Zustimmung seines alten Herren die Schule wechselt. Doch auch die anderen Teammitglieder haben mit ihren Dämonen zu kämpfen: Timo Cruz (Rick Gonzalez) verdient sich sein Zubrot mit kriminellen Machenschaften und Kenyon Stone (Rob Brown) steht vor einer ungewollten Vaterschaft. Darüber hinaus haben alle Spieler mit ihren schulischen Leistungen große Probleme. Als Coach Carter davon erfährt, ist er entsetzt, denn er sieht Basketball nur als Mittel für die Jungs, um ein College-Stipendium zu bekommen und aus ihrem gefährlichen Alltag auszusteigen. Gegen den Widerstand der Schulleiterin Garrison (Denise Dowse) und den Eltern der Jungen entscheidet Coach Carter das Unglaubliche: Er setzt das gesamte, bis dahin unbesiegte Team wegen der schlechten Schulleistungen auf die Ersatzbank und sagt alle Trainingseinheiten ab. Der einzige Weg zurück in die Mannschaft führt nun durch das Klassenzimmer.

    „Coach Carter“ basiert auf der Lebensgeschichte eines Jugend-Basketballtrainers, der durch die spektakuläre Sperrung seiner Mannschaft in den Vereinigten Staaten zu einigem Presseruhm kam und dadurch auf die Chancenbenachteiligung von Ghettokindern aufmerksam machen konnte. Samuel L. Jackson ist die richtige Besetzung für den Coach: eiserne Mimik und der knallharte Blick, der schon in „Shaft“ dem Zuschauer sofort klarmachte, wer hier der Boss ist. Das funktioniert auch in der Sporthalle. Seine Figur trägt den Film. Die eher unbekannte Riege der Jungdarsteller wirkt neben ihm etwas farblos, macht aber in den wichtigen Momenten doch alles richtig.

    Man wünscht sich aber beim Zuschauen, Regisseur Thomas Carter („Save The Last Dance“) hätte sich etwas weniger auf das Basketballspiel konzentriert und die Charaktere stattdessen deutlicher eingeführt. Denn wenn zum dritten Mal nacheinander das entscheidende Spiel der Kids in der allerletzten Sekunde durch einen einzigen Korb entschieden wird, ist jegliches Mitfiebern dahin. Die so gezielt aufgebaute und bis zur letzten Sekunde mit allen dramaturgischen Tricks künstlich am Leben erhaltene Spannung entlarvt sich selbst und weckt im Publikum eher ein müdes Lächeln, denn dass ein Basketballspiel von einem ge- oder misslungenem Korb entschieden wird, ist die absolute Ausnahme. Da hätte es vielleicht gut getan, noch ein paar Sequenzen mehr abseits des Platzes spielen zu lassen und die Spannung in anderen Wendungen zu suchen.

    Was ebenfalls ein bisschen nervtötend anmutet, sind die zahlreichen und viel zu übertriebenen Slow Motions, die in „Coach Carter“ zum Einsatz kommen. Gnadenlos wird da jeder Korbleger kaugummiartig in die Länge gezogen, bis von Spielfluß und Sportvergnügen nichts mehr übrig sind. Im Laufe des Films wird dieser Effekt noch beispielsweise auf den Einmarsch des Teams in die Halle ausgedehnt und nimmt fast schon „Herr der Ringe“-Ausmaße an. Stilistisch ist der Film eine Mischung aus „Dangerous Minds“ und „Gegen jede Regel“. Nur leider etwas schlechter umgesetzt. Im Kern steht dann aber doch die goldene Botschaft: Gute schulische Bildung ist der Schlüssel für ein erfolgreiches Leben. Wer Spaß an seichter Unterhaltung hat und es mit den Basketballregeln nicht allzu genau nimmt, wird sich auch mit „Coach Carter“ arrangieren können.
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