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    Ong-Bak
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Ong-Bak
    Von Stefan Ludwig
    Die fernöstliche Kampfkunst hat längst den Weg in zahlreiche Hollywood-Produktionen gefunden. Martial Arts beherrscht die Kampfszenen der Matrix-Trilogie und wurde auf humorvoller Ebene durch Vertreter wie Jackie Chan salonfähig gemacht. Bereits „Shrek“ sah dies als Anlass für eine Parodie auf die teils übermenschlichen Kampffähigkeiten, die meist nur durch Kabelkonstruktionen filmbar wurden. Mit „Ong-Bak“ kommt nun ein Streifen aus Thailand, der sich vor allem darauf beschränkt, erstklassige Actionszenen zu liefern. Die Geschichte ließ Regisseur und Co-Drehbuchautor Prachya Pinkaew weitgehend unbeachtet und degradierte sie bestenfalls zum Beiwerk. Dennoch entstand ein funktionierender Actionfilm, der einfach Spaß macht.

    Ong-Bak ist eine Statue in einem thailändischen Stamm. Als ein junger Geschäftsmann aus Bangkok anreist, um ein wertvolles Amulett zu erstehen und von dessen Eigentümer abgewiesen wird, stiehlt er den Kopf von Ong-Bak, um nicht mit leeren Händen zurückzukehren. Für die Dorfbewohner ist das ein unschätzbarer Verlust und die Dürreperiode scheint nun erst recht keinen Abbruch zu nehmen. Ihr agilster und bester Kämpfer Boonting meldet sich freiwillig, um die Statue unter Einsatz seines Lebens zurückzuholen...

    Beim Dreh galten zwei Voraussetzungen: Erstens sollten keine Computereffekte benutzt werden und zweitens waren „Hilfs-Kabel“ für die Schwerkraft vergessen lassende Sprünge verboten. Das Ergebnis ist beeindruckend und lässt fast schon an dem Fehlen der Kabel zweifeln. Doch tatsächlich sieht alles äußerst realistisch aus, was dem Film nur gut tut. Die Qualität der Actioneinlagen ist bei „Ong-Bak“ auch entscheidend, da die Geschichte ganz offensichtlich nur geschrieben wurde, weil sie für einen Film notwendig ist. Allerdings wäre etwas weniger Ernst in einigen Storysequenzen hilfreich gewesen, um nicht so zu tun, als sei die Story von Belang.

    Teilweise entsteht der Eindruck, Kämpfe wurden nur herbeigeführt, um gezeigt zu werden. Für die Weiterführung der Handlung sind sie jedenfalls nutzlos. Hinzu kommen die kaum vorhandenen Leistungen der Darsteller. Es gelingt zwar den Hauptprotagonisten, ihre selbstverständlich eindimensionalen Rollen halbwegs glaubhaft zu spielen – Lob hierfür ist allerdings nicht nötig. In den Nebenrollen regiert oft übermäßiger Ernst und zuviel Dramatik, hier wäre weniger mehr gewesen.

    Sehr innovativ erscheinen ständige Wiederholungen in den Kämpfen oder Verfolgungsjagden. Und zwar werden besonders spektakuläre Sprünge, Schläge oder Tritte aus einem etwas anderen Kamerawinkel direkt wiederholt. Das gibt dem Wunsch des Zuschauers nach, das eben gesehene, sofort noch mal zu sehen und funktioniert somit sehr gut. Zum Ende hin erscheint die Brutalität der Szenen immer härter - was hier zuviel des Guten ist, muss jeder selbst entscheiden. Wer sich für die Kampfszenen begeistern kann, den wird das ohnehin nicht stören, denn auch wenn es hart zur Sache geht, bleibt der Ekligkeitsfaktor relativ niedrig.

    „Ong-Bak“ ist Action und Unterhaltung, nicht mehr und nicht weniger. Wegen des geringen Budgets kommt viel B-Movie-Charme auf, störend ist das jedoch nicht - im Gegenteil. Die meist farbarm gestalteten Szenen wirken wie ein scharfer Kontrast zu dem vor Farben überbordenden „Hero“. Wem die Minimal-Story nichts ausmacht und die Schauspieler in einem reinen Actionstreifen nicht so wichtig sind, dem sei „Ong-Bak“ ans Herz gelegt. Die gebotenen Kämpfe sind das Eintrittgeld in jedem Fall wert und machen viel wieder wett.
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