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    Der letzte Trapper
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Der letzte Trapper
    Von Carsten Baumgardt

    Naturdokumentationen sind nicht zuletzt seit Luc Jaquets Die Reise der Pinguine hip. Auch Werke wie „Mikrokosmos“, Deep Blue oder Nomaden der Lüfte zogen ein vergleichsweise großes Publikum an. Doch mit den Erfolgen dieser Filme wird Nicolas Vaniers halbdokumentarisches Kinodebüt „Der letzte Trapper“ in Deutschland nichts zu tun haben. Nein, die auf Zelluloid gebannte Schilderung der Lebensumstände des Trappers Norman Winther ist keineswegs ein schlechter Film. Ganz im Gegenteil. Schönere, atemberaubendere Bilder kann Kino nicht bieten. Nur: „Der letzte Trapper“ ist in etwa so hip und cool wie „Amy und die Wildgänse“.

    Nicolas Vanier ist kein Filmemacher im herkömmlichen Sinne. In erster Linie ist er bedingungsloser Naturliebhaber und Abenteurer, der in Erzählungen, Romanen und Reisebeschreibungen von seinen Exkursionen berichtet. Mit dem Trapper Norman Winther kam der Franzose am Rande einer 8.600 Kilometer langen Schlittenhundereise von Alaska nach Quebec in Kontakt. Vanier ist nicht daran gelegen, einen marktgestylten Film auf die Leinwand zu bringen. Er ist romantischer Idealist, der einzig seine Botschaft transportieren will. Und so ist „Der letzte Trapper“ eine unfassbar schön gefilmte Ode an die Natur und die Menschen, die mit ihr in perfektem Einklang leben. Da ist es leicht zu verzeihen, dass Vanier sich nicht unbedingt als alles überragender Regisseur hervortut und einige Schwächen einbaut. Der Film folgt nur sehr lose einer Dramaturgie, die mit der Konstruktion der Beziehung von Winther und seiner indianischen Frau Nebraska zu den Hunden sogar ein wenig überzogen wird. Jedem dürfte klar sein, dass sich Normans anfängliche Ablehnung gegen die neue Hündin Apache später wandelt. An dieser Stelle wäre mehr dramaturgische Zurückhaltung angebracht gewesen, da dieser Handlungsstrang ein bisschen aufgesetzt wirkt.

    Die Entscheidung, die Geschichte halbdokumentarisch anzulegen, ist vom Ansatz her in Ordnung, aber im Detail eben nicht ausnahmslos überzeugend. Die Ereignisse des Films beruhen allesamt auf wahren Begebenheiten aus dem Leben von Norman Winther, sind aber teils nachgestellt. Besonders, wenn die Kamera nah dran ist an Winther und Nebraska, wirkt das Geschehen mitunter etwas hölzern und dem Trapper ist manchmal sichtlich unwohl bei dieser intimen Zurschaustellung seiner selbst. Überhaupt trennt sich hier schon die Zuschauerspreu vom Besucherweizen. Wer es entsetzlich langweilig findet, einem 50-jährigen Mann dabei zuzusehen, wie er durch die Wälder streift, den reißenden Yukon im Kanu bezwingt, zu Pferd und Hundeschlitten sein Revier durchpirscht, um zu jagen, Fallen zu stellen... oder ein Blockhaus baut, Einsiedlerfreunde besucht und über das karge aber glückliche Leben in den nördlichen Rocky Mountains Kanadas am Rande des Polarkreises in knappen Sätzen philosophiert, ist bei „Der letzte Trapper“ garantiert im falschen Film. Eine Vorliebe für diese Art von ruhigen, naturverbundenen Filmen ist Voraussetzung, um an „Der letzte Trapper“ seine Freude zu haben.

    Die anderthalbjährigen Dreharbeiten forderten von Menschen und Material das Äußerste. Welche Kamera der Welt funktioniert schon bei Temperaturen von über minus 50 Grad Celsius? Zuvor hatte noch niemand in dieser Kälte mit einer 35-Millimeter-Kamera gedreht.

    Ausgiebige Tests in Kühlkammern ermöglichten dem Team dennoch den Einsatz der Technik, die in den entscheidenden Augenblicken dann tatsächlich tadellos ihren Dienst verrichtete. Erschwerend hinzu kam die Tatsache, dass viele Einstellungen durch die hinterlassenen Spuren im Schnee immer nur ein einziges Mal gedreht werden konnten. Doch die Mühe hat sich mehr als gelohnt. Kameramann Thierry Machado Nomaden der Lüfte, „Mikrokosmos“) bannt nicht nur die majestätisch raue Landschaft in einzigartige Bilder, auch die Lichtsetzung ist wunderschön gelungen.

    Inhaltlich hat „Der letzte Trapper“ einen aus traditionellen Disney-Filmen bekannten Grundton. Ein wenig Naivität und Verklärung schadet Vaniers Werk jedoch nicht. Das ursprüngliche Leben im Einklang mit der Natur - so das Leitmotiv - zelebriert Norman Winther aus tiefer Überzeugung derer er sich nicht schämen muss. Obwohl der Trapper seinen Lebensbedarf durch den Pelzverkauf von gejagten Tieren bestreitet, ist dies kein Widerspruch, die Natur zu lieben. Winther nimmt sich nur das, was er zum einfachen Leben benötigt und reguliert nach eigener Aussage im positiven Sinne gewisse Tierpopulationen, damit das Gleichgewicht gehalten werden kann. Diese Ansicht ist zwar nicht unumstritten, aber die Tatsache, dass der Film durch die Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) ausdrücklich unterstützt wird, kommt der Argumentation Winthers zugute.

    Auch wenn der Titel „Der letzte Trapper“ bei genauer Betrachtung nicht ganz korrekt ist, denn der Letzte seiner vom Aussterben bedrohten Art ist Norman Winther nicht, sondern nur einer der Letzten. Die Franzosen haben sich daran jedenfalls nicht gestört und machten den Naturfilm zu einem echten Hit. 2,1 Millionen Menschen strömten in unserem Nachbarland in die Kinos. Ein solcher Erfolg ist in Deutschland allerdings nicht abzusehen, auch wenn die hymnische Ode an die Natur es verdient hätte. Dennoch haben sich die Chancen auf möglichst viele Besucher verbessert. Dies ist ausgerechnet der Fachpresse zu verdanken. Nach den ersten Pressevorführungen des Films war das Echo der Journalisten auf die Synchronisation so verheerend niederschmetternd, dass sich der Verleih 3L dazu entschlossen hat, eine komplett neue Version ins Kino zu schicken. Das Nachsitzen hat sich gelohnt. Jetzt spricht Profi Thomas Fritsch (Der Wixxer, deutsche Synchronstimme von Russell Crowe) den Trapper (zumeist aus dem Off) und an der Umsetzung ist nichts auszusetzen.

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