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...und dann kam Polly
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
...und dann kam Polly
Von Jürgen Armbruster
Ben Stiller und Jennifer Aniston. Zwei Namen, die viel versprechen. Stiller ist seitdem seine Karriere 1975 in „Saturday Night Live“ richtig ins Rollen kam eines der Comedy-Schwergewichte auf dem amerikanischen Kontinent. Auch Aniston kann mittlerweile auf eine recht erfolgreiche Karriere zurück blicken, die mit den Gewinnen des „Golden Globes“ und des „Emmy Awards“ für ihre Paraderolle der Rachel Green in der Erfolgsserie „Friends“ ihren bisherigen Höhepunkt fand. Was ist von einem Film zu erwarten, in dem beide gemeinsam unter der Regie von „Meine Braut, ihr Vater und ich“-Autor John Hamburg vor der Kamera stehen? Zumindest eine nett gemachte Komödie sollte unter diesen Vorraussetzungen im Rahmen des möglichen sein. Doch weit gefehlt. Was dem Zuschauer mit „...und dann kam Polly“ zugemutet wird, ist einer jener Filme, die die Welt nicht braucht.

Reuben Feffer (Ben Stiller) ist glücklich. Sehr glücklich. Nicht nur beruflich läuft bei dem Risikoanalysten eines großen Versicherungsunternehmens alles bestens. Auch privat hat der frisch mit Lisa (Debra Messing) – der Liebe seines Lebens – Vermählte sein Leben fest im Griff. Doch schon in den Flitterwochen findet die Idylle ein jähes Ende. Wenige Tage nach der Hochzeit ertappt Reuben Lisa in flagranti mit ihrem Tauchlehrer Claude (Hab Azaria). Am Boden zerstört kehrt er vollkommen desillusioniert in seine Heimat zurück, wo sein bester Freund, der erfolglose und größenwahnsinnige Schauspieler Sandy Lyle (Philip Seymour Hoffman), versucht ihn wieder aufzubauen. Auf einer Ausstellung trifft Reuben durch Zufall seine ehemalige Schulfreundin Polly Prince (Jennifer Aniston), die als Angestellte des Catering-Service arbeitet. Obwohl die lebenslustige Polly das krasse Gegenteil ihm selbst ist, verliebt sich Reuben in sie. Doch dann kehrt Lisa zurück...

Die Geschichte, die John Hamburg um seine zwei Star-Darsteller geschrieben hat, ist dermaßen schwachsinnig, dass man als Beobachter eigentlich permanent nur den Kopf schütteln kann. Dass eine als liebende Gattin eingeführt Frau ihren Mann bereits in den Flitterwochen betrügt, lässt sich eventuell noch akzeptieren. So etwas soll schließlich vorkommen. Dass der betrogene, mittlerweile frisch verliebte Mann dann allerdings als die Frau zurückkehren möchte, dies auch nur ansatzweise erwägt, ist vollkommener Schwachsinn und dermaßen unglaubwürdig, was noch verzeihbar wäre, wenn es auf eine peinliche Art und Weise für Komik sorgen würde. Doch das tut es nicht. Hamburg präsentiert seinen Plot auf eine bierernste Art und Weise, als würde er sagen, dass dies jedem passieren kann.

Zugegeben: Von einer Komödie eine halbwegs intelligente Rahmenhandlung zu erwarten mag mit den erhöhten Ansprüchen des Autors dieser Zeilen zusammen hängen. Es mag tatsächlich Leute geben, die auf das Drumherum pfeifen und sich prächtig dabei amüsieren, wenn der Protagonist von einer Peinlichkeit in die nächste stolpert. Doch auch in diesem Punkt herrscht bei „...und dann kam Polly“ Flaute. Beispiele gefällig? Ben Stiller sitzt auf dem stillen Örtchen und das Toilettenpapier ist aufgebraucht. Ben Stiller isst marokkanisches Essen und schwitzt wie ein Marathon-Läufer nach den ersten dreißig Kilometern. Ben Stiller bekommt Blähungen. Ben Stiller klatscht beim Basketball in Zeitlupe gegen ein 150-Kilo-Koloss... Was einem in „...und dann kam Polly“ über weite Strecken zugemutet wird, ist Fäkalhumor aus der alleruntersten Schublade.

Nach gelungenen Gags sucht man mit der Lupe. Zwei, drei Stück lassen sich tatsächlich finden und bewahren den Film vor der totalen Bauchlandung, doch für einen 90-Minuten-Streifen ist dies reichlich wenig. Zeit für eine kleine Ursachenforschung. Was ist alles schief gelaufen? Wo verschenkt der "...und dann kam Polly" sein Potenzial? Je intensiver man sich mit diesen Fragen beschäftigt, umso klarer wird die Antwort: Dieser Film verfügt über kein Potenzial! Die Charaktere des Reuben Feffer und der Polly Prince sind dermaßen simpel gestrickt, dass sie nicht in der Lage sind, den Film mit Leben zu füllen. Irgendwann kam offensichtlich auch John Hamburg zu dieser Erkenntnis. Wie ist es anderes zu erklären, dass er dermaßen verrückte Charaktere seinen zwei Hauptdarstellern zur Seite stellte? Polly darf sich so ein fast blindes Frettchen mit dem Namen Rodolfo als Haustier halten, das (wie sollte es auch anders sein?) in jeder Einstellung in vollem Tempo gegen irgendetwas rennt. Lustig? Na ja... Doch auch ansonsten ist das Kuriositätenkabinett reichhaltig. Das Repertoire in „...und dann kam Polly“ reicht vom schwulen Salsa-Tänzer (Jsu Garcia) über den exzentrischen Milliardär (Bryan Brown) bis hin zum heruntergekommenen Kinderstar (der eingangs erwähnte Philip Seymour Hoffman, dessen Filmcharakter Sandy Lyle in seinem ganzen Leben einen einzigen brauchbaren Film zu Stande brachte). Die Handlung bringt keiner dieser Charaktere wirklich voran. Sie sind halt da, sollen lustig sein und sind de facto über weite Strecken einfach nur nervig.

Was Regisseur und Drehbuchautor John Hamburg hier ablieferte, ist eine kreative Bankrotterklärung. Ein Schüler würde mit einer glatten sechs abgestraft. Bei soviel geballter Unfähigkeit tun einem die beteiligten Darsteller fast schon leid. Doch zumindest in so fern ist „...und dann kam Polly“ recht amüsant, denn Schadenfreude ist schließlich die beste Freude. Ob nun Ben Stiller oder Jennifer Aniston, Philip Seymour Hoffman oder Alec Baldwin. Jeder aus dieser Reihe wusste im Vorfeld, auf was er sich hier einlässt. Retten konnte den Film keiner. Manche wie Stiller oder Baldwin versuchen dies nicht einmal. Sie scheinen erkannt zu haben, dass dies vergebene Liebesmühe gewesen wäre. „...und dann kam Polly“ ist ein Film zum Vergessen und vollkommen überflüssig...
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