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Couchgeflüster - Die erste therapeutische Liebeskomödie
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Couchgeflüster - Die erste therapeutische Liebeskomödie
Von Jürgen Armbruster
Das Genre der romantischen Komödie ist seit je her eine eher biedere Angelegenheit. In kaum einem anderen Genre ist derart klar, was das Publikum sehen möchte und was der Regisseur ihm somit zu geben hat. Keine gute Vorraussetzung für Innovationen und frische Ideen. Was den Filmen dann oftmals den kreativen Todesstoß versetzt, ist der übertriebene Hang zur politischen Korrektheit. Ja niemanden auf den Schlips treten – ja nicht das potentielle Publikum verschrecken. Dadurch sind Filme wie Die Familie Stone, The Wedding Date oder Frau mit Hund sucht Mann mit Herz zwar nett anzusehen, aber im Grunde vollkommen belanglos. Ben Youngers herrlich chaotische Rom Com „Couchgeflüster“ ist erfrischend anders. Zwar kommt auch sie um einige Genre-Konventionen nicht herum, aber um Dinge wie politische Korrektheit schert sie sich einen Dreck, was gerade im prüden Amerika nicht überall auf Anklang stieß.

Die attraktive New Yorkerin Rafi Gardet (Uma Thurman) ist 37 Jahre alt, frisch geschieden und (wie jede anständige New Yorkerin) Stammgast bei ihrer Therapeutin Lisa Metzger (Meryl Streep). An der Scheidung hat sie schwer zu knabbern und die biologische Uhr tickt auch unaufhörlich. Ihr sehnlichster Wunsch: ein Baby. Als Rafi während einer Sitzung von den Avancen eines wesentlich jüngeren Mannes berichtet, rät Lisa ihr, sich auf diese Affäre einzulassen. Schließlich solle sie die Scheidung nicht vom Ausleben der eigenen Sexualität abhalten. Was Lisa zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht weiß: Rafis ominöser Mr. X ist niemand Geringeres als ihr eigener, 23-jähriger Sohn David (Bryan Greenberg)…

Keep it simple. Diesem Motto scheint sich Regisseur und Drehbuchautor Ben Younger bei „Prime“ (so der wesentliche sinnigere Originaltitel von „Couchgeflüster“) voll verschrieben zu haben. Das Grundkonstrukt liest sich natürlich reichlich simpel und Bedarf auch keiner weiteren Kommentierung. Die Geschichte ist auch nicht die Stärke des Films. Im Gegenteil. Teilweise ist diese gar ziemlich hohl. Schon allein die Annahme, dass Therapeutin und Patientin über mehrere Sitzungen hinweg nicht über den Namen des Geliebten reden, ist absurd. Auch das Handeln der einzelnen Personen ergibt nicht immer einen Sinn und darf durchaus in Frage gestellt werden. Insbesondere die religiöse Komponente hätte sich Younger besser gespart. Dass die größte Sorge der jüdisch-orthodoxen Großmutter bei der Affäre ihres Enkels mit einer 15 Jahre älteren Frau deren methodistischer Glauben ist, ist vollkommen lächerlich.

Bei „Couchgeflüster“ fallen diese Mängel allerdings kaum ins Gewicht. Viel wichtiger ist, dass Younger selbst keinen all zu großen Wert auf seine mit Schwächen behaftete Geschichte legt und diese einzig dazu nutzt, ein Feuerwerk der Situationskomik abzubrennen. Und dass dieses so hervorragend funktioniert, ist zu allererst der Verdienst seines glänzend aufgelegten Ensembles. So ist insbesondere das je nach Situation mal vollkommen überdrehte, dann wieder zurückhaltend minimalistische Spiel von Meryl Streep (Der Manchurian Kandidat, Adaption, The Hours) großes Unterhaltungskino. Natürlich ist Streep in ihrer Rolle im Grunde vollkommen unterfordert. Aber die Kollegen vom Fachmagazin Hollywood Reporter haben die Sache bereits ganz gut auf den Punkt gebracht: „Meryl Streep sollte öfter in Komödien mitspielen, alleine schon aus dem Grund, weil sie so gut darin ist.“

Mit Uma Thurman (Pulp Fiction, Kill Bill Vol.1, Kill Bill Vol.2, Be Cool) ist Ben Younger ein weiterer Besetzungscoup geglückt. Die Ex-Gattin von Ethan Hawke und Tarantino-Muse ist eine der heißesten Mittdreißigerinnen der Traumfabrik und erfüllt somit die wichtigste Vorraussetzung für die Rolle der Rafi: Sie sieht gnadenlos gut aus. Dass sie darüber hinaus eine überdurchschnittlich gute Darstellerin ist, war der Sache sicherlich nicht hinderlich. „Couchgeflüster“ läuft immer dann zur Höchstform auf, wenn Thurman und Streep gemeinsam die Szene beherrschen. Newcomer Bryan Greenberg (Voll gepunktet) fällt da logischerweise etwas ab, was aber natürlich keine Schande ist. Fakt ist aber, dass er teils etwas blass wirkt, wenn sich Thurman und Streep munter gegenseitig die Bälle zuspielen. Allerdings kann er sich trotzdem noch beachtlich aus der Affäre zu ziehen. Und das weibliche Publikum wird dem smarten Landei aus den Tiefen Nebraskas ohnehin verfallen.

„Couchgeflüster“ ist ein waschechtes Feel-Good-Movie. Erlaubt ist, was Spaß macht. Einige Szenen wie die Therapiesitzung, in der Lisa so langsam schwant, mit dem ihre Patientin da so durchs Bett hüpft, sind herausragend komisch. Außerdem steckt im Film – bei aller Komik – ein gehöriger Schuss Wahrheit. Merke: Wer seinem jungen Freund eine Spielekonsole zum Geburtstag schenkt, wird mit nächtlichem Sexentzug nicht unter zwei Wochen belohnt. Ben Younger gelingt es tatsächlich, in einem festgefahrenen Genre für frischen Wind zu sorgen. Zwar kommt auch er – insbesondere zum Ende hin – nicht um einige Klischees herum, aber trotzdem ist „Couchgeflüster“ eben kein business as usual. Und das ist wohl das größte Kompliment, das man einer romantischen Komödie machen kann.
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