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    Der Rosenkrieg
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Der Rosenkrieg
    Von Deike Stagge
    Viele Schauspieler nehmen gern mal den Regiestuhl mit einem eigenen Projekt in Beschlag. Von Danny DeVito kam im Jahr 1989 „Der Rosenkrieg“, eine herrliche schwarze Komödie über die Folgen eines bitteren Krieges unter Eheleuten - weder sein erstes noch sein letztes Regieprojekt, aber mit Sicherheit sein bekanntestes.

    Geschäftsmann Oliver Rose (Michael Douglas) und seine Frau Barbara (Kathleen Turner) erleben ihre eigene Version der Midlife Crisis. Von einer glücklichen Ehe schwenken sie langsam ab, als Barbara sich überlegt, wie ihr Leben ohne Oliver hätte verlaufen können. Als die Scheidung im Raum steht, weigern sich beide, das luxuriöse Eigenheim für den anderen aufzugeben. Während Barbara den Scheidungsanwalt Gavin D’Amato (Danny DeVito) beauftragt, zieht Oliver eine markante Trennlinie durch das gemeinsame Haus. Da sich die Streithähne immer noch ständig über den Weg laufen müssen, nehmen ihre Aversionen gegeneinander immer ausufernde Formen an.

    Auf welche Weisen kann man die Person, die man Wochen zuvor noch abgöttisch liebte, am krassesten drangsalieren? Diese Frage findet in „Der Rosenkrieg“ eine ganz hervorragend zynische Abhandlung. Hier wird sich gegenseitig die Garderobe ruiniert, auf den Fisch gepinkelt, das Haustier massakriert und wortwörtlich in die Weichteile getreten. Das Wohnzimmer wird zur vordersten Front, die Auffahrt zum Haus zum umkämpften Grenzposten. Die Aktionen der Roses gegeneinander laufen immer weiter aus dem Ruder, weil niemand sich eine Schmach gefallen lassen kann und die beiden Sturköpfe eine Art perfiden Gefallens an den gegenseitigen Demütigungen entwickeln. Diese zentrale Idee bestimmt den Film, es geht vorrangig um die scheinbar unvermeidliche Fortsetzung der Gemeinheiten und ehelichen Grabenkämpfe. Dementsprechend stehen auch die nur Oliver und Barbara im Mittelpunkt der Inszenierung, alles andere (inklusive Danny DeVitos eigenem Auftritt als Barbaras Anwalt) ist entweder garnierendes Beiwerk oder Mittel zum Zweck einer Racheaktion.

    Kathleen Turner („Undercover Blues“, Peggy Sue hat geheiratet“, The Virgin Suicides) entpuppt sich als in jeder Hinsicht würdige Gegnerin für Michael Douglas und bringt den Rosenkrieg erst so richtig in Fahrt. Douglas musste sich schon in „Eine verhängnisvolle Affäre“ gegen eine unheimlich penetrante Glenn Close wehren und trat nach „Der Rosenkrieg“ in den 90er Jahren in Basic Instinct gegen Sharon Stone sowie in „Enthüllung“ gegen Demi Moore an. Sein Gesicht ist mit dem Kampf der Geschlechter in jeder Machart untrennbar verbunden. Auch wenn es im Kontext des Films etwas makaber erscheint, die Chemie der Hauptdarsteller stimmt - bzw. ihre Antipathie. Die biestige Performance der beiden Gegner ist der Grund, dass es im Rosenkrieg auch für den Zuschauer heiß hergeht. Aber welcher Schauspieler möchte nicht mal eine Rolle spielen, in der er die gesamten dunkelsten Gedanken gegenüber dem anderen Geschlecht mal voll rauslassen kann? Douglas und Turner tun dies mit Inbrunst - und der Funke springt über.

    So hat es dann ein Regisseur auch relativ einfach. Mit diesen zwei Mimen im Gepäck konnte für Danny DeVito, der später auch bei den Komödien „Tötet Smoochy“ mit Edward Norton in der Hauptrolle und Der Appartement-Schreck Regie führte, nicht mehr viel schief laufen, da das Drehbuch sich vollends auf die Ausgestaltung des Haushaltskleinkriegs konzentriert und die Schauspieler diese Aufforderung zur Eskalation der häuslichen Gewalt gern annahmen. Die Regiearbeit bleibt eher unauffällig, ohne dass der Film Schaden dadurch nimmt. Leider lässt aber die Bissigkeit des Humors zum Ende des Films etwas nach und gleitet teilweise in Plattitüden ab.

    „Der Rosenkrieg“ ist mit Sicherheit eine zeitlose Komödie, deren ungemein böser Humor vielleicht nicht bei jedem Zuschauer ankommt. Trotzdem (oder gerade deswegen) macht er großen Spaß, auch wenn nicht jeder Witz richtig zündet. Aus heutiger Sicht sollte man aber eventuell den gleichen Warnsatz einfügen wie bei den „Jackass“-Filmen: zur Nachahmung nicht empfohlen.
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