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    Wallace und Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,5
    hervorragend
    Wallace und Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen
    Von Lars Lachmann
    „What‘s up, dog?“ – Die Kaninchen sind los im neuesten Abenteuer der beiden lustigen Plastilinhelden Wallace & Gromit! Nach dem großen weltweiten Erfolg der drei Kurzfilme („Alles Käse“, „Die Techno-Hose“, „Unter Schafen“) um den Käse liebenden Erfinder Wallace und seinen treuen Hund Gromit präsentiert uns Nick Park, der Vater des beliebten Knetfigurenduos, zum ersten Mal einen Streifen in voller Spielfilmlänge. Wie schon bei der vorigen Produktion Chicken Run gab es auch diesmal eine Zusammenarbeit von Aardman Animations mit der Firma DreamWorks (Shrek, Madagascar). Den gigantischen Ausmaßen dieses Projekts, für dessen Fertigstellung Park und sein Team nicht weniger als fünf Jahre benötigten, entspricht auch die titelgebende Figur des neuen Monsterwerks: Denn Wallace & Gromit sind diesmal „Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“.

    Im Dorf ist die Kaninchenplage ausgebrochen – und das ausgerechnet kurz vor dem großen Gemüsewettbewerb, der jedes Jahr auf dem Grundstück der Gräfin Tottington abgehalten wird und auf welchem das schönste Exemplar aus den Gärten der Dorfbewohner traditionell mit der Goldenen Mohrrübe ausgezeichnet wird. Für Abhilfe sorgt niemand anderes als unser pfiffiges Team Wallace & Gromit, welches seit neuestem das Schädlingsbekämpfungs-Unternehmen „Anti-Pesto“ betreibt, um ihren Nachbarn eine sichere Gemüseernte zu garantieren. Schutzvorrichtungen für das eigene Gewächshaus gehören ebenso ins Programm wie ein ausgefeiltes Kaninchen-Warnsystem, welches im Notfall unsere beiden Helden sofort alarmiert und an Ort und Stelle führt, um die frechen Nager in Gewahrsam zu nehmen. Schließlich erreicht die beiden gar ein Anruf der Gräfin Tottington selbst, deren Grundstück mittlerweile zu einem Tummelplatz für die pelzigen Tierchen geworden ist. Dort angelangt, ist Wallace sogleich vom Anblick der schönen Gräfin bezaubert und begibt sich um so motivierter ans Werk. Ein Glück für ihn, dass die tierliebe Dame seine Methode, die Kaninchen einzufangen und sicher zu verwahren, wesentlich lieber ist als die seines Nebenbuhlers, Lord Victor Quartermaine, der die Schädlinge lieber mittels seiner Flinte und mit Hilfe seiner aggressiven Dogge zur Stecke bringen will. So weit, so gut. Doch eines Nachts macht der Dorfpastor die unfreiwillige Bekanntschaft eines riesigen, pelzigen, Gemüse verschlingenden Monsters, welches unsere beiden Freunde vor eine ungleich schwierigere Aufgabe stellt...

    Wallace & Gromit genießen mit ihren bisherigen drei Kurzfilmen bei vielen Fans bereits Kultstatus – umso größer war die Herausforderung für das Team um Nick Park und Steve Box, einen unterhaltenden Film in voller Länge zu präsentieren und gleichzeitig an den hohen Standard der vorigen Erfolge anzuknüpfen. Insofern hatten es die Filmemacher beim vorigen Langfilmprojekt Chicken Run (2000) noch etwas leichter, da es sich hierbei um völlig neue Figuren handelte. An „Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“ wurde hingegen von vornherein der Anspruch gestellt, dass zum einen die Erwartungen der Fans erfüllt und zum anderen gleichzeitig ein neues Publikum mit der Geschichte angesprochen werden sollte, welches die vorigen Abenteuer noch nicht kennt. Inwiefern knüpft der neue Film also an das Flair der alten Kurzfilme an, und was hat sich im Gegensatz zu diesen verändert?

    Zunächst einmal ist auch der neue Langfilm wie gehabt von vorn bis hinten mit kleinen, liebevollen Details gespickt. Das beginnt schon beim Vorspann, während dem die Kamera zur bekannten Begleitmusik von Julian Nott über eine Bildergalerie von Wallace und Gromit fährt. Dass dabei auch gerne mal aktuelle Trends aufgegriffen werden, sieht der aufmerksame Zuschauer anhand eines Bildes, in welchem Gromit ein Dokument der Hundeakademie „Dogwarts“ entgegennimmt. Überhaupt finden sich diesmal zahlreiche Referenzen auf andere Filme: Während „Die Techno-Hose“ mit seiner Story teilweise spielerisch an den Film Noir anknüpfte und „Unter Schafen“ einige deutliche Referenzen auf Science-Fiction-Blockbuster wie The Terminator enthielt, überrascht uns der neue Film in erster Linie – wie der Titel schon vermuten lässt – mit zahlreichen Anspielungen auf die großen Klassiker des Horror-Kinos wie „Frankenstein“, King Kong und natürlich Filmen, in denen es um Werwölfe geht. Abgesehen davon findet sich sogar eine kleine Referenz auf Fritz Langs „Metropolis“.

    Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei den Opfern des Riesenkaninchens jedoch nicht um Menschen, sondern – wie sollte es anders sein – um Gemüse handelt, verfügt der Film zwar über den gleichen Spannungsbogen wie seine schaurigen Vorbilder und ist dabei dennoch auch für Kinder geeignet. Des weiteren bieten die Dialoge wiederum eine Vielzahl von witzig-intelligenten Wortspielereien, die zumindest in der englischen Originalfassung hervorragend funktionieren, deren Übersetzung in einer deutschen Synchronfassung jedoch keine leichte Aufgabe sein dürfte. An zwei, drei Stellen gehen diese auch schon einmal in eine mehrdeutige Richtung, an denen sie eher das erwachsene Publikum zum Lachen bringen werden.

    Mit Ausnahme des letzten Wallace & Gromit Kurzfilms „Unter Schafen“ sind unsere Helden bislang kaum anderen menschlichen Figuren begegnet. In dieser Hinsicht bietet der neue Animationsstreifen ein deutliches Novum, denn für diesen hat das Team insgesamt Modelle für 40 neue Charaktere geschaffen, wobei den Figuren der Gräfin Tottington sowie Lord Victor noch die größte Bedeutung zukommt. Von der Machart des Films her verließ sich das Team von Aardman Animations überwiegend auf die klassische, aufwendige Stop-Motion-Technik, bei welcher neben einer speziellen Variante von Plastilin und Farbe ebenso mit eigens für diese Art der Produktion entwickeltem „Animotor“ ausgestattete Kameras verschiedener Brennweiten zum Einsatz kamen. Die in Zusammenarbeit mit DreamWorks eingesetzten CGI-Effekte beschränkten sich lediglich auf Phänomene wie z. B. Nebel, verschiedene Lichterscheinungen oder das Fell des Riesenkaninchens, welche mit der Stop-Motion-Technik allein nicht realisierbar gewesen wären, und verleihen dem Ganzen somit einen zusätzlichen, unaufdringlichen Feinschliff.

    Mit „Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“ ist dem Team um Nick Park und Steve Box ein Meisterwerk des Animationsfilms gelungen, welches sich exzellent in die Reihe der bisherigen Kurzfilme einfügt und zudem noch um einiges lustiger und ideenreicher ist als der Box-Office-Hit Chicken Run. Vielmehr wird der Zuschauer konstant so kurzweilig unterhalten, so dass es kaum auffällt, dass das Produkt diesmal volle Spielfilmlänge hat. Zusätzliche atmosphärische Dichte erhält das Geschehen durch den wunderbaren Score von Julian Nott und Hans Zimmer. Der einzige Kritikpunkt, über welchen sich diskutieren ließe, ist eine vielleicht etwas zu simple und glatte Behebung eines zentralen Problems gegen Ende der Handlung. In jedem Fall ist Groß und Klein mit diesem Trickfilm ein immenser Kinospaß garantiert!
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