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    Shrek der Dritte
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Shrek der Dritte
    Von Carsten Baumgardt
    Die Hollywood-Majors finanzieren mit ihren großen, bombastischen Blockbustern vornehmlich ihren Amüsierbetrieb, um sich reihenweise Filme erlauben zu können, welche die Erwartungen an der Kinokasse nicht erfüllen. Doch planbar ist so ein Mega-Event tragischerweise nicht, was jedes Studio schon oft schmerzhaft erfahren musste. Ist jedoch erst einmal eine Marke geschaffen, wird dieses Franchise bis auf den letzten Heller und Pfennig ausgebeutet. Das geschieht mal mehr, mal weniger elegant. Bisher hielt sich DreamWorks Animations mit seiner Shrek-Reihe absolut schadlos. Shrek 2, das Sequel der Animationskomödie, unterhielt nahezu auf demselben hohen Niveau, wie das Gagfeuerwerk des Originals. Doch im dritten Anlauf, passend als „Shrek der Dritte“ bezeichnet, hat es auch den grimmigen grünen Oger erwischt. Teil 3 ist nur noch ein ideenarmer, lauer Abklatsch, der keinerlei Entwicklung mehr aufweist und sich mit den Sympathiewerten der Figuren mühevoll über Wasser hält.

    Shrek (Mike Myers) und Fiona (Cameron Diaz) sind im Stress. Als offizielle Thronfolger des Königspaares Lillian (Julie Andrews) und Harold (John Cleese) von „Far Far Away“ müssen sie sich dem höfischen Zwang stellen... und repräsentieren, was Shrek mehr als schwer fällt und ihn unzweifelhaft als Tolpatsch entlarvt. Die Vorstellung, neuer König zu werden, ist der reine Horror für den Oger. Zudem steckt König Harold immer noch im Körper eines Frosches fest, was das Regieren auch nicht leichter macht und ihm körperlich schwer zusetzt. Shrek greift zum Notfallplan. Prinz Artie (Justin Timberlake) ist seine letzte Hoffnung, um am Kelch des Throns vorbeizukommen. Gemeinsam mit seinen Weggefährten, dem Esel (Eddie Murphy) und dem gestiefelten Kater (Antonio Banderas), macht sich Shrek auf, Artie ausfindig zu machen und ihn auf sein Glück vorzubereiten. Das Problem: Der neue König in spe ist ein kompletter Loser, der nichts auf die Reihe bekommt. Im Königreich „Far Far Away“ droht indes Gefahr. Der heimtückische Prinz Charming (Rupert Everett) heckt einen finsteren Plan aus, um sich die Krone unter den Nagel zu reißen. Er stellt eine Armee der Enttäuschten zusammen und geht zum Frontalangriff über...

    Für die Produktion des dritten „Shrek“-Teils gibt es ungefähr 1,4 Milliarden Argumente. Soviel Dollar spielten „Shrek“ (485 Millionen Dollar) und „Shrek 2“ (921 Millionen Dollar) weltweit ein. Kein noch so moralisches Studio der Welt würde hier zurückziehen. Warum auch? Das Kinovolk verlangt nach mehr – das soll es bekommen. Und zwar nicht zu knapp. Laut DreamWorks-Chef Jeffrey Katzenberg sind bereits zwei weitere Prequels geplant, erst danach soll Schluss sein. Doch bereits mit der Ankündigung, der Vorgeschichte des grünen Ogers zwei Filme zu gönnen, schrillen die Alarmglocken. Das heißt im Klartext, dass die Story selbst für die ökonomisch extrem erfinderischen Studios ausgelutscht ist. Womit wir schon beim großen Problem von „Shrek der Dritte“ sind. Alles, was die ersten beiden Teilen an Originalität auszeichnete, ist einfach nicht vorhanden. Die Story schleppt sich fade ohne viele Höhepunkte vorher und lebt lediglich von der Präsenz der Ur-Charaktere, die mit ihren Charmewerten das Publikum bei der Stange halten. Die neuen Figuren, inklusive Prinz Artie, bleiben allesamt blass. Eine Weiterentwicklung der bekannten Protagonisten findet ebenfalls nicht statt, sie sonnen sich faul im Ruhm der Vergangenheit.

    Die Unerfahrenheit von Regisseur Chris Miller, Storyentwickler von Teil 1, der bei seinem Leinwanddebüt von Raman Hui (Animateur von „Shrek“) unterstützt wird, schlägt sich zusätzlich negativ nieder. Bei einem Budget von 160 Millionen Dollar bleiben selbstverständlich auf technischer Seite keine CGI-Wünsche offen, doch „Shrek“ lebte nie in erster Linie von formaler Brillanz, sondern von der frechen Anti-Disney-Story und den frischen Charakteren. Dieser parodistische Ansatz ist weiterhin präsent, aber die Highlights sind rar gesät. Neben einigen rasanten Animationsactionszenen zeigt zum Beispiel die Sequenz mit dem Froschchor, der zu „Live And Let Die“ intoniert, wie es atmosphärisch trittsicher gegangen wäre. Die Hiebe gegen die aktuelle Popkultur halten das Niveau noch am ehesten. Doch es schleichen sich zwischendrin immer wieder Leerlauf und ein Anflug von Langeweile ein, bis es im großen Finale standesgemäß turbulent wird.

    Weiterhin erfrischend ist der offene Affront gegen die weltberühmten Märchen aus dem Haus der Maus. Das geht schon damit los, dass in den Gesangsphasen keine herzzerreißenden, schmalztriefenden Musical-Schmachtfetzen geschmettert werden, sondern schmissige Rocksongs, die dem Feel-Good-Prinzip bestens assistieren. Dennoch ist sogar eine leise Annährung an den Stil des verhassten Branchengegners zu spüren. Die Unverfrorenheit der ersten beiden Filme weicht auf und wird zwischendrin durch Milde ersetzt. Der Demaskierung der Legenden um Captain Hook, Merlin, Schneewittchen, Bambi und Co. fehlt der letzte Biss – ebenso wie dem Oger selbst, der gutmütiger und glatter geworden ist. Seine unschlagbaren Sidekicks Esel und Kater sorgen zwar immer noch für die besten Lacher, müssen aber auch einen Schritt zurücktreten in der Storyhierarchie und sich mit effektiver Resteverwertung zufrieden geben. Die Charaktere sind schlichtweg allesamt ausgespielt, Kraft und Energie lassen spürbar nach. Die Magie ist verschwunden.

    „Shrek der Dritte“ ist keinesfalls unguckbar und über einen Großteil der Laufzeit verhalten amüsant, nur fällt das Donnern des Slapstick-Gewitters deutlich leiser aus. Der unvermeidbare Entwicklungsprozess vom supersympathischen Überraschungshit zum rundum verplanten Industrieprodukt ist nicht mehr zu stoppen. Die Fans wird das kaum stören, ein Kassenerfolg steht bei einem derartigen Status, den „Shrek“ mittlerweile inne hat, sowieso außer Frage. Der neutrale, unvoreingenommene Betrachter könnte jedoch mit Teil 3 sehr wohl Probleme bekommen, denn die Frische und der Elan sind weg. „Shrek“ hat sich als Marke verselbstständigt und ist in Sphären gelangt, wo es komplett egal ist, wie gut oder schlecht der Film ist – trotzdem wollen und werden ihn die Leute sehen. Doch der Oger ist gezähmt, geht an der Studioleine brav Gassi. Schade eigentlich...
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