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Spider-Man 3
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Spider-Man 3
Von Christoph Petersen
Mit Spitzenbudgets von 139 bzw. 200 Millionen und einem weltweiten Einspielergebnis von mehr als 1,6 Milliarden Dollar gehören der Marvel-Blockbuster Spider-Man aus dem Jahr 2002 und dessen Fortsetzung Spider-Man 2 (2004) neben Peter Jacksons Herr der Ringe – Trilogie und den „Harry Potter"-Filmen zum Gewaltigsten, was Hollywood in den vergangenen Jahren an Kino-Megaereignissen aufzufahren wusste. Doch „Spider-Man 3" setzt dem Ganzen nun sogar noch eins drauf. Auf der finanziellen Seite bietet die Produktion mit einem geschätzten Budget von 250 bis 300 Millionen Dollar das (ohne Inflation) höchste aller Zeiten auf, bezieht man den Wertverlust mit ein, kommt er immerhin noch auf Platz drei der teuersten je gemachten Filme. Und auch was die Effekte angeht, setzt er mit dem hochkomplex animierten Sandman neue Maßstäbe. Doch birgt diese schiere Größe natürlich auch stets die Gefahr, dass vor lauter Quantität die Qualität irgendwann auf der Strecke bleibt. Aber keine Sorge! Regisseur Sam Raimi umschifft einmal mehr jegliche Klippe spielend und trifft mit „Spider-Man 3", auch wenn dieser nicht ganz an den überragenden zweiten Teil heranreicht, wieder genau die Mischung aus purer Gigantomanie, inszenatorischer Finesse und unterhaltsamen Blockbuster-Kino, die das Spider-Man-Franchise zum erfolgreichsten der immer noch anhaltenden Welle von groß produzierten Comic-Verfilmungen werden ließ.

Eigentlich will Peter Parker alias Spider-Man (Tobey Maguire) doch nur seiner geliebten Mary Jane (Kirsten Dunst) einen Heiratsantrag machen, doch irgendwie kommt immer wieder etwas dazwischen. Zunächst startet sein ehemals bester Freund Harry Osborn (James Franco), der mittlerweile das Erbe seines Vaters angetreten hat und zum Neuen Kobold mutiert ist, einen hinterhältigen Angriff. Dann taucht der entflohene Sträfling Flint Marko (Thomas Haden Church), der sich nach einem Unfall in einer physikalischen Testanlage in den wasserscheuen Sandman verwandelt hat, in New York auf und richtet bei der Suche nach Geld für die Behandlung seiner todkranken Tochter jede Menge Chaos an. Und schließlich wird Spider-Man auch noch von einem geheimnisvoll-schwarzen außerirdischen Parasiten befallen, der zwar seine Kräfte verstärkt und ihn sich gut fühlen lässt, der aber auch Wut und Rachegelüste in ihm schürt...

Aus dem süßen Teenie-Helden Spidey, der für seinen Schwarm Mary Jane in der Schul-Cafeteria die Äpfel auffängt, ist mittlerweile ein richtiger Spider-MAN geworden. In Spider-Man standen der Biss der Spinne und die dadurch einsetzenden Superkräfte, mit denen Parker erst einmal umzugehen lernen musste, stellvertretend für die Zeit der Pubertät. In Spider-Man 2 musste Peter dann seinen Platz in der Gesellschaft finden, sich zwischen seiner großen Verantwortung und eigenen Interessen eine Nische suchen – der Eintritt ins Erwachsenenalter à la Superheld. Diese Schritte sind nun gemacht, Umgang und Einsatz der Spinnenkräfte haben sich so ziemlich eingespielt, sind zur Routine geworden. Damit bleibt Peter nach all den hektischen Jahren endlich die Zeit, über sich selbst und sein Leben nachzudenken. Und was er dabei entdeckt, ist nicht nur Gutes: Geltungssinn, Eifersucht und vor allem der unbändige Durst nach Rache drängen ans Tageslicht. Und da Spider-Man mit diesen Charakter-Makeln nicht immer umzugehen weiß, sich teilweise wie ein arrogantes Arschloch, ja, sogar wie ein kalter Killer aufspielt, wird aus dem strahlenden Helden eine extrem ambivalente Figur – endlich! Bleibt also nur die Frage, welche Lebensphase sich ein eventueller vierter Teil des Franchise vorknöpfen würde: Spider-Man mit Eheproblemen? Oder Peter Parker in der Midlife-Crisis?

Da die Bösewichter in den „Spider-Man"-Filmen stets auch Peter Parkers innere Entwicklung widerspiegeln, sind auch diese folgerichtig in „Spider-Man 3" reifer angelegt. Harry Osborn, der den Tod seines Vaters rächen will, steht für Peters Rachegelüste nach der Ermordung seines Onkels, Eddie Brock (Topher Grace), der Fotos von Spidey fälscht, um so schneller Karriere zu machen, repräsentiert Spider-Mans Geltungssucht und Egoismus. Aber auch wenn diese beiden Charaktere interessant und vielschichtig angelegt sind, ist den Autoren ihr Meisterstück doch mit der Figur des Flint Marko gelungen. Zugleich eiskalter Killer und sorgender Vater, der nur Verbrechen begeht, um seiner todkranken Tochter zu helfen. Ein unglaublich ambivalenter Schurke, von dem man bis zu einer der letzten Szenen nicht weiß, was man nun eigentlich von ihm halten soll. Ganze drei Widersacher in einem Teil – das verspricht Abwechslung und Vielfalt pur. Doch besteht so natürlich auch immer die Gefahr, dass sich der Film dabei gehörig verzettelt. Glücklicherweise gelingt es Sam Raimi stets, den Überblick zu behalten, die zahlreichen Handlungsstränge geschickt ineinander zu verschachteln, zum bombastischen Finale sogar stimmig zusammenzuführen. Allerdings erreicht „Spider-Man 3" mit seiner breit gefächerten, fast epischen Story so nie ganz die dramaturgische und emotionale Dichte, die Spider-Man 2 so großartig gemacht hat.

Die Actionsequenzen fallen einmal mehr zahl- und abwechslungsreich aus. Für die Schwindel erregenden Highspeed-Luftschlachten in New Yorks Häuserschluchten, die im Vergleich zu den Vorgängern noch einen Zacken Tempo mehr draufhaben, sind der Eröffnungskampf mit dem Neuen Goblin und die späteren Scharmützel mit Venom zuständig. Die Aufeinandertreffen mit dem Sandman hingegen sind eher was fürs Auge. Zum einen bietet die wandlungsfähige Sandstruktur des Bösewichts unbegrenzte Möglichkeiten, die die Macher auch großzügig ausnutzen – vom Sandsturm, der sich auf einen Geldtransporter niederstürzt, bis zum riesigen Sandmonster, das mit seinen gigantischen Fäusten um sich schlägt, ist alles dabei. Zum anderen sind die Effekte schlicht phänomenal. Schwärmten die Produzenten von „Stuart Little" vor acht Jahren noch davon, dass alle zwei Millionen Haare der kleinen Maus einzeln animiert wurden, möchte man gar nicht darüber nachdenken, wie viele kleine Sandkörner in „Spider-Man 3" in so mancher Szene durchs Bild surren. Aufgelockert wird das Ganze wie immer durch einen angenehm selbstironischen Humor. So schüttet sich Spider-Man nach seiner ersten Schlacht mit dem Sandman erstmal einen ganzen Haufen piksigen Sand aus den engen Stiefeln. Und der Auftritt vom Sam-Raimi-Wegbegleiter und Horrorikone Bruce Campbell (Tanz der Teufel) als französischer Chefkellner ist einfach nur noch zum Brüllen komisch.

Was die schon bekannten Darsteller angeht, können Tobey Maguire (Wonder Boys, Seabiscuit), Kirsten Dunst (Wimbledon, Marie Antoinette) und James Franco (Flyboys) nahtlos an ihre vorigen Auftritte anknüpfen. Als kleines Extra gibt Maguire eine extravagante Tanzeinlage und Dunst zwei Gesangsnummern zum Besten. Aber auch die Neuen machen eine gute Figur. Obwohl sich der für Sideways oscarnominierte Thomas Haden Church über ein Jahr lang im Kraftraum für die erforderliche Muskelmasse abgerackert hat, bringt er hinter der nun gestählten Fassade doch noch genug Emotionen unter, um Flint Markos ambivalenten Charakter voll zu entfalten. Und seine – zumindest in der Originalfassung – unglaublich tiefe Stimme, die Church auch schon Sprechrollen in Animationsfilmen wie etwa Ab durch die Hecke eingebracht hat, ist für einen Bösewicht geradezu prädestiniert. Newcomer Topher Grace, der mit Reine Chefsache den endgültigen Durchbruch zumindest in den USA geschafft hat und der für die Dreharbeiten zu „Spider-Man 3" extra vorzeitig aus seiner erfolgreichen Sitcom „Die wilden Siebziger" ausstieg, gibt den aufstrebenden Fotojournalisten Eddie Brock wunderbar schleimig und schmierig – definitiv kein Sympathieträger, aber dennoch eine tolle Figur. So bleibt einzig Bryce Dallas Howard (The Village, Manderlay) als die hübsche blonde Gwen Stacy, die in den Comics übrigens Peter Parkers erste große Liebe ist, noch etwas blass, aber vielleicht ist ihr großer Auftritt auch erst für den nächsten Teil geplant.

Im Gegensatz zu „Spider-Man 3", der schon vor dem Release des zweiten Teils ein fest terminiertes Startdatum vorzuweisen hatte, steht Spideys potentieller vierter Auftritt also zumindest jetzt noch in den Sternen. So traurig ist das allerdings gar nicht. Und das nicht etwa, weil „Spider-Man 3" nicht überzeugt hätte – das tut er nämlich -, sondern weil er aufgrund seiner Qualität und der sorgsam zu Ende geführten Handlungsstränge der perfekte Abschluss einer durchweg begeisternden Trilogie wäre.
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