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House of Wax
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
House of Wax
Von Alina Bacher
Dass Wachs wirklich höllische Schmerzen bereiten kann, ist den meisten Frauen nicht fremd. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis auch Hollywoods psychopathische Serienkiller das wohl schmerzhafteste Haarentfernungsmittel der Welt als Folterinstrument entdeckten. Netter Nebeneffekt des Einwachsens: Man kann seine Leichen gleich als Exponate ausstellen. Manch eingefleischter Cineast wird jetzt aufschreien, denn so neu ist die Idee nicht. Gab es doch bereits einen Horrorklassiker aus dem Jahr 1953 mit demselben klangvollen Titel (dt.: „Das Kabinett des Professor Bondi“). Außer diesem hat das Remake „House Of Wax“ allerdings nicht viel mit dem Original gemeinsam. Außer natürlich Wachs. Viel Wachs.

Wer Teenie-Slasher-Filme wie „Texas Chainsaw Massacre“ und „Freitag, der 13.“ kennt, dem wird auch die Handlung von „House Of Wax“ bekannt sein. Der Form halber allerdings hier der Inhalt in Kürze: Sechs befreundete College-Studenten machen sich auf dem Weg zum wichtigsten College-Football-Spiel des Jahres. Um schneller an ihr Ziel zu gelangen, nehmen sie eine vermeintliche Abkürzung. Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellt. Als sie ihre Zelte in einem entlegenen Waldstück zur Rast aufschlagen, ereignen sich mysteriöse Geschehnisse, die das bevorstehende Unheil bereits ankündigen: Ein psychopathischer Trucker und eine Grube voller Tierkadaver. Spätestens jetzt ist den sechs klar, dass diese Gegend nicht ganz normal ist. Am nächsten Morgen entdecken sie, dass sich jemand an ihrem Wagen zu schaffen gemacht hat. Um schnellstens weiterfahren zu können, nehmen die Jugendlichen das Angebot eines Einheimischen an, der sie in den nächstgelegenen Ort, eine Kleinstadt namens Ambrose, fahren will. Doch statt dem erhofften Keilriemen finden sie dort ein Wachsmuseum, das „House Of Wax“, in dem die Figuren etwas zu realistisch aussehen. Ihre einzige Hoffnung, der einheimische Tankstellenbesitzer Bo, entpuppt sich als makaberer Plastinator, der zusammen mit seinem entstellten Bruder Vincent die örtliche Figurensammlung nur zu gerne um sechs College-Studenten erweitern möchte. Eine mörderische Hetzjagd beginnt …

Vielleicht hätte jemand dem Produzenten Joel Silver darauf hinweisen können, dass zwei Serienkiller nicht unbedingt doppelter Spaß bedeuten. Zugegeben: Wer wirklich blutige, ekelhafte und grausame Todesszenen mag, der ist mit „House Of Wax“ gut bedient, aber die Spannung bleibt beim heiteren Einwachsen leider auf der Strecke. 113 Minuten heißt es, vergeblich hoffen auf ein wenig Mitzittern, denn unsere sechs potentiellen Wachsfiguren lassen wirklich keine Dummheit aus, um ihrem Killer auch ja in die Arme zu laufen. Wann lernen Horrorfilm-Opfer endlich, dass es keinen Sinn macht, in den Keller zu flüchten. dass ihre Killer grundsätzlich nach einem lebensgefährlichen Angriff nicht tot sind und dass man nie, wirklich nie mysteriösen Fremden vertrauen sollte. Doch leider Gottes gehen die sechs Teenies in „House Of Wax“ noch etwas weiter. Mit soviel Dummheit drängt sich die Frage auf, wie zum Teufel es die sechs aufs College geschafft haben.

Schauspielerisch müssen die Ansprüche etwas zurück geschraubt werden, denn „House Of Wax“ ist nun mal ein Slasher-Film und kein oscarreifes Historiendrama. Zu ihrer Verteidigung muss gesagt werden, dass Paris Hilton wirklich besser als erwartet ist. Zumindest darf sie sich (bis auf ein paar rote Dessous) die Kleider vom Leib reißen und hier und da ein paar Standardsätze von sich geben. Was wohl die meisten Zuschauer ins Kino locken wird, ist ihr grausamer Leinwandtod, der bereits im Voraus zu Marketing-Zwecken ausgeschlachtet wurde. Eigentlich könnte „House Of Wax“ gleich den Titel „Den Film, den man nur sieht, weil Paris ein Rohr durchs Hirn gerammt wird“ tragen. Die einzige Person, die auf der Besetzungsliste ins Auge springt, ist neben der blonden Hotelerbin die junge Kanadierin Elisha Cuthbert. Bekannt ist sie vor allem als Kiefer Sutherlands Tochter aus der Erfolgsserie „24“. Als Carly ist sie die Einzige im Film, der man abnimmt, dass sie wenigstens bis zehn zählen kann. Besonders eine Szene, in der sie unter Höllenqualen ihre mit Sekundenkleber verkleisterten Lippen auseinander reißen muss, befördert sie auf den Thron der Scream-Queen des 21. Jahrhunderts. Auf Seite der Bösen versucht sich Brian Van Holt in einer netten Doppelrolle. Zumindest weiß er, wie man keine Mine verzieht. Fraglich ist, ob das als Serienkiller von Vorteil ist. Doch abermals die Warnung: Es ist eben nur ein anspruchsloser Slasher-Film, seichte Unterhaltung für harte Mägen.

Die Story wirkt die erste Hälfte des Films lahm und der Versuch, den sechs Charakteren etwas Tiefe zu verleihen, scheitert kläglich. Da die meisten von ihnen zum Schluss sowieso nicht mehr am Leben sein werden, hätte Regie-Debütant Jaume Collet-Serra die unzähligen Minuten an „charakterbildenden“ Diskussionen auch mit netten Landschaftsaufnahmen füllen können. Der Effekt wäre derselbe gewesen - nämlich gähnende Langeweile. Nach den ersten, unsagbar lang wirkenden Minuten, und der Ankunft in der Waldstadt Ambrose, geht es aber dann wirklich zur Sache. Ein Ekelschauder jagt den nächsten, die Opfer werden in Rekordzeit niedergemetzelt. Viel Blut, abgetrennte Fingerkuppen und die Erkenntnis, dass lebendig eingewachst zu werden bei weitem nicht so schmerzhaft ist, wie das ganze klebrige Zeug wieder vom Körper zu ziehen. Für Slasher-Fans ein wahrer Leckerbissen. Zum Schluss wird es dann doch wieder weniger unterhaltsam, denn zuviel CGI tut selbst einem Horrorfilm nicht gut. Außerdem ist es schlichtweg übertrieben, ein Wachsmuseum ganz aus schnell schmelzendem Wachs zu bauen. Jeder kann sich ausmalen, was zum Schluss passieren wird. Nichtsdestotrotz versucht sich Regisseur Jaume Collet-Serra an einem kleinen Plottwist, der eine Fortsetzung leider Gottes nicht ganz ausschließen lässt.

Wirklich lobenswert ist der Soundtrack. Auch wenn er dem Film nicht die bereits am Anfang verloren gegangene Spannung zurückgeben kann, ist er doch mit einer der besten Horrorsoundtracks der vergangenen Jahre. Deftones, The Prodigy und Schockrocker Marilyn Mansons sind nur ein paar wenige, die dem Film etwas an Atmosphäre zurückgeben. Grundsätzlich darf der Reißer einfach nicht zu ernst genommen werden. Wer mit der Erwartung, einen anspruchslosen Slasher-Film zu sehen, ins Kino geht, der wird sicherlich seinen Spaß haben. Dafür hat Produzent Joel Silver schon gesorgt. Es gibt einfach alles, was das Slasher-Herz höher schlagen lässt. Wen kümmert es denn noch, ob die Handlung realistisch ist, wenn ein abgetrennter Kopf über die Leinwand rollt? Es gibt durchaus langweiligere Horrorfilme, die nicht einmal als bloßer Teenie-Horror überzeugen können.

Der aufmerksame Leser wird sich jetzt wohl fragen, warum „House Of Wax“ trotz den vielen Kritikpunkte ganze vier Punkte verdient hat. Obwohl der Film als schauerlicher Horrorfilm kläglich versagt, ist er wahnsinnig unterhaltsam. Außerdem versteht sich „House Of Wax“ selbst als eine Art Fortsetzung der typischen 80er-Slasher-Filme – und das ist durchaus gelungen. Wer auf Filme mit viel Blut steht, der wird an „House Of Wax“ seinen Gefallen finden. Wer eine Paris Hilton in roter Unterwäsche und mit einem Rohr im Kopf sehen will, der wird „House Of Wax“ vergöttern. Doch wer einen Angst einflößenden Horrorfilm erwartet, der sollte bei „House Of Wax“ lieber zuhause bleiben oder den Weg in die Videothek antreten.
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