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    Im Land der Raketenwürmer
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Im Land der Raketenwürmer
    Von René Malgo

    Spaß muss manchmal sein. Das dachten sich wohl auch die Drehbuchautoren S.S. Wilson, Brent Maddock sowie Regisseur Ron Underwood und realisierten „Im Land der Raketenwürmer“, besser bekannt unter dem Originaltitel „Tremors“. Herausgekommen ist ein höchst unterhaltsames Trash-Fest in der Tradition alter Monsterfilme.

    Aufruhr in dem kleinen Örtchen Perfection. Riesenwürmer bedrohen das Städtchen. Durch eine Verkettung blöder Zufälle und dank der riesigen Schlangen stecken die Bewohner ohne Anschluss nach außen in ihrem Tal fest. Sie müssen es mit den Raketenwürmern aufnehmen. Vier sind es. Sie sind schnell, greifen von unter der Erde an und reagieren auf jedes Geräusch. Ein ungleicher Kampf beginnt.

    Großer Unsinn intelligent erzählt. Geht das? Ja. „Tremors“ beweist, wie fabelhaft so etwas funktionieren kann. Die Geschichte ist so abwegig, dass sie innerhalb ihres eigenen Universums schon wieder Sinn macht. Und außerdem, wer interessiert sich schon für Logik und pocht auf Nachvollziehbarkeit, wenn er Freude an etwas hat? Diese hat das Publikum an und mit „Tremors“ bis zum Schluss. Der Film nimmt sich nicht zu ernst, versucht aber auch nicht, mit Selbstironie eigene Schwächen zu überdecken. Bei objektiver Betrachtung mögen einige solcher Schwächen, seien sie dramaturgischer oder logischer Art, ausgemacht werden, bei subjektiver Herangehensweise ist das aber beileibe nicht nötig. Wer schaut nicht mal gern einen Film, der die unfreiwillige Komik trashigen Horrors geradezu forciert und sich dessen sogar bewusst ist? Insoweit klappt „Tremors“ als eine sehr gut gelungene Hommage an die alten Horror- und Monsterschinken, welche die Banalität der Story mit intelligenten Dialogen und Charakteren begegnet.

    Denn „Tremors“ ist gar nicht mal so schlecht, oder dumm. Gerade die Charakterisierung der verschiedenen schrägen Vögel und die Ausarbeitung der auswegslosen oder absonderlichen Situationen zeugen von Kreativität und beweisen, dass die Macher ihre Schnapsidee gut durchdacht haben. Es ist eine Wonne, Figuren wie Valentine McKee (Kevin Bacon), Earl Bassett (Fred Ward), Rhonda LeBeck (Finn Carter), Burt Gummer (Michael Gross) oder Heather Gummer (Reba McEntire) zuzusehen. Weil alle eine Überspitzung gängiger Klischees und durch kennzeichnende Eigenheiten an Profil gewinnen, wirken die Protagonisten in der leichten Komödie „Tremors“ vielschichtiger als in so manchem vermeintlich tiefgründigem Charakterdrama. Kevin Bacon und Fred Ward sind die liebenswerten Taugenichtse, clever und ein wunderbares Buddygespann. Finn Carter mimt die intelligente, etwas kauzige und doch hübsche Seismologiestudentin während Michael Gross und Rebe McEntire als paranoides Ehepaar in köstlicher Art und Weise eine Persiflage waffenvernarrter Amis zum Besten geben. Außerdem stellen sie im Kampf mit einem Riesenwurm eindrucksvoll unter Beweis, welch gute Seite solch ein Waffenfetischismus haben kann.

    Die Effekte sind nicht wirklich schlecht, aber trashig genug gehalten, um beim Anblick der Raketenwürmer eher zu schmunzeln als zu gruseln. Dass das so beabsichtigt ist, kann durchaus unterstellt werden. Trotzdem sind die Viecher ziemlich fies und es erfüllt den Betrachter immer wieder aufs Neue mit Freude, wenn so ein Ungeheuer ins Gras beißt. In bester Splatter-Manier fliegen ihre gar nicht mal so unappetitlich ausschauenden Innereien durch die Gegend, begleitet vom orangefarbenen Blut, das ausschaut wie dickflüssiger Orangensaft. „Tremors“ hat auch seine brutalen und spannenden Szenen, gleitet aber nie in Dimensionen des richtigen Horrors oder Splatters ab.

    Von Anfang an dürfte dem Betrachter bekannt sein, wie die Geschichte ausgeht. Daraus strickt „Tremors“ auch kein großes Geheimnis, sondern ist vielmehr daran interessiert, irrwitzige Situationen mit einer guten Prise Humor zu zeigen und das Genre gleichermaßen zu karikieren wie ihm Tribut zu zollen. Deshalb kann auch über inszenatorische Schwächen und einer eher dünnen Dramaturgie hinweg gesehen werden, da sie innerhalb der parodistischen und leicht schrulligen Atmosphäre des Films einfach passen und gehören.

    Für „Tremors“ gilt, Gehirn vor Genuss auf Stand-By schalten, sich zurücklehnen und genießen. Unterhaltung muss nicht immer tiefgründig und innovativ sein, manchmal reicht auch schon ein sehr sympathischer, kurzweiliger Auftritt in der Flimmerkiste oder auf der großen Leinwand für eine sündhafte hohe Wertung. „Tremors“ ist so ein Werk. Man muss ihn einfach mögen. So etwas wird dann gerne Kult genannt. „Tremors“ ist Kult.

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