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    Spanglish
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Spanglish
    Von Claudia Holz
    Als die Mexikanerin Flor Moreno (Paz Vega) mit ihrer Tochter Cristina (Shelbie Bruce) in die USA reist und dort als Hausmädchen bei einer eher ungewöhnlichen Familie zu arbeiten beginnt, ist die Tatsache, dass sie kein Wort Englisch sprechen kann, zunächst nur ein kleines Problem. Die Familie besteht aus dem Vater John Clasky (Adam Sandler), einem erfolgreichen Küchenchef, seiner im Selbstfindungsprozess gefangenen Ehefrau Deborah (Tea Leoni), den beiden Kindern und Deborahs Mutter (Cloris Leachman) und damit beginnt für die junge Ausländerin ein Kulturschock der besonderen Art.

    Obwohl sie die Sprache nicht versteht, tut sie ihr Bestes, um der Familie zu helfen und aufgrund ihrer ausgeprägten sozialen Kompetenz versteht sie oft mehr, als die Familie annimmt. Als die Claskys schließlich in Urlaub fahren, muss Flor ihre Tochter Cristina mitnehmen. Deborah hat an der Kleinen sofort einen Narren gefressen und erzieht sie, gegen den Willen von Flor, wie jedes amerikanische Kind und merkt in ihrem Wahn nicht, wie sehr sie damit Flors Autorität Cristina gegenüber untergräbt. Außerdem fühlt sich die eigene Tochter Bernice (Sarah Steele) zurückgewiesen. Nebenbei gerät John in eine tiefe berufliche Krise, die er nur mit Hilfe seiner Kinder und auch mit Hilfe von Flor bewältigen kann. Nach und nach beginnt Flor die Sprache zu lernen und Cristina muss nicht weiter als Übersetzerin herhalten. Zwischen Familien- und Ehekrisen müssen schließlich alle Beteiligten lernen, dass Familie das Wichtigste im Leben ist. Doch die Schwierigkeit besteht wohl darin, herauszufinden, wer zu dieser Familie gehört...

    James L. Brooks („Besser geht´s nicht”) beweist zumindest in seinen Castingentscheidungen Weitsicht und Kreativität, was sich leider von dem zerfledderten Drehbuch nicht sagen lässt. Es werden viel zu viele Themen angerissen und irgendwann ist nicht mehr klar, worum es in der romantischen Dramödie „Spanglish“ nun eigentlich geht. Während nämlich die übergewichtige Tochter auf ihre durchtrainierte Mutter trifft, sich der Vater in das Hausmädchen verguckt, die Tochter des Hausmädchens ihre erste Identitätskrise durchläuft und gegen die eigene Mutter rebelliert, das Hausmädchen selber mit der Sprachbarriere konfrontiert wird, der Vater seine Karriereplanung den Bach runtergehen sieht, die Großmutter sich tagtäglich betrinkt, um ihre eigene gescheiterte Karriere zu verarbeiten, betrügt die überkandidelte Mutter den Vater, der sich selbst gleichzeitig in das Hausmädchen verguckt ... ach ja, da waren wir ja bereits. Ganz schön viel Stoff für immerhin stolze 131 Minuten Film. Als Seifenoper oder Familienserie hätte „Spanglish” bestimmt schnell sein Publikum gefunden, doch als Film verliert sich bald der rote Faden und die Romanze zwischen John und Flor im zweiten Akt wirkt dann leider nur konstruiert und ehrlich gesagt auch nicht besonders originell oder überraschend.

    Schon klar, dass „Spanglish" nicht der tollste Film aller Zeiten ist, dennoch gibt es mindestens zwei hervorragende Gründe, sich diesen Streifen anzuschauen. Erstens Tea Leoni, die, wäre „Spanglish" tatsächlich ein Serienkonzept, als Spin-Off locker und charmant eine wöchentliche halbe Stunde füllen könnte und zweitens Cloris Leachman als einstiger Musikstar und Großmutter, die viel zu gerne, oft und tief ins Glas schaut. Überhaupt sind die Leistungen der Schauspieler wohl das erinnerungswürdigste Highlight in „Spanglish" und an Charakteren mangelt es nun wirklich nicht. Wenn wir ehrlich sind, funktioniert der Film ausschließlich über die extremen Figuren, die durch die Bank weg toll besetzt sind. Was Paz Vega da ohne einen Ton Englisch (bzw. Deutsch - solltet ihr euch die synchronisierte Fassung geben) spielt, ist bezaubernd und präsent und nicht nur auf ihr bildhübsches Gesicht zurückzuführen.

    Einzig Adam Sandler hinkt ein bisschen hinterher. Er schafft es nicht, sich freizuschwimmen und bleibt in seinem viel zu brav und nett angelegten Familienvater gefangen. Schade, denn dass Sandler extrem sein kann, hat er oft genug bewiesen (siehe „Eine Hochzeit zum Verlieben” oder „Big Daddy“) und „Spanglish“ hätte dieses Talent bestimmt nicht geschadet. Doch an Nicholsons Melvin Udall aus „Besser geht´s nicht“ - der Film den Regisseur James L. Brooks vor „Spanglish” zuletzt gedreht hat - kommt der gute Adam leider nicht ran. Bedauerlicherweise scheint es so, als hätte Sandler immer noch die lakonischen Regieanweisungen von Paul Thomas Anderson für „Punch-Drunk Love“ im Ohr und somit stehlen ihm alle anderen Beteiligten, inklusive der Kinderdarsteller, die Show - und zwar mit links. Doch nicht verzagen, denn bis zum vorhersehbaren Ende bleibt der ein oder andere Schmunzler fest im Gesicht hängen und die übrigen Schauspieler allein haben immerhin so viel Pepp, um die Überlänge erträglich zu machen.
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