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    Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten
    Von Martin Soyka
    Anfang der 80er Jahre war im Zuge der Indiana-Jones-Euphorie ein Filmgenre wieder in Erinnerung gebracht worden, das lange Zeit in der Versenkung verschwunden war: der Abenteuerfilm. Viele hängten sich an den phänomenalen Erfolg der Spielberg/Lucas/Ford-Vehikel, aber keiner der Nachahmer kam annähernd so charmant herüber wie „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“, der den Karrieren der Beteiligten, insbesondere des Regisseurs Robert Zemeckis, enormen Auftrieb brachte.

    Schneuz! Gerade hat Bestseller-Autorin und Couch-Potato Joan Wilder (Kathleen Turner) ihren neuesten Wildwest-Tränenzieher beendet, erreicht sie ein Anruf ihrer in Kolumbien weilenden Schwester (Mary Ellen Trainor). Diese ist entführt worden (u. a. von Danny De Vito) und bittet Joan inständig, ihr eine Schatzkarte zu bringen, die sie ihr nach New York City per Post geschickt hatte. Joan ist der Ernst der Lage zunächst nicht ganz klar, jedoch macht sich die chronisch Reisekranke im Daunenmantel und mit hohen Schuhen auf den Weg in den Süden. Sprachprobleme und ein kleines Nachhelfen des Schurken Zolo (Manuel Ojeda) führen dazu, dass Joan den falschen Bus besteigt. Es kommt, wie es kommen muss: Der Bus bleibt liegen und plötzlich steht sie dem Pistolen-schwingenden Bösewicht allein gegenüber. Aber die Rettung naht. Aus dem Nichts erscheint der Glücksritter Jack (Michael Douglas), der die Situation mittels einer Pump-Gun zu klären versteht. Mit Geld und guten Worten bringt Joan den Habenichts dazu, ihr den Weg durch den Dschungel zum Bestimmungsort zu weisen. Aber Jack hat längst den Braten in Form der Schatzkarte gerochen. Wird er zu seinem Wort stehen oder ebenfalls hinter dem Kleinod her sein, zu dem die Karte führt?

    Na gut, verglichen mit den Indiana-Jones-Klassikern kann dieser Film nicht mithalten. Das Budget war kleiner, die Schauspieler nicht ganz so hochkarätig und die Handlung nicht durchdacht genug. Eigentlich geht es um ein schönes Nichts, das alle haben wollen, Hitchcocks MacGuffin also. Woher kommt der Diamant? Warum ist die Schatzkarte scheinbar alt, das Behältnis des Steins nicht? Wieso liegt der Stein unweit einer größeren Stadt in einer Höhle, ist aber noch nicht entdeckt worden? Weil das Drehbuch es so will, fragen wir also nicht danach.

    Trotzdem amüsiert der Film auch in der Gegenwart wirklich gut. Der noch ungeliftete Michael Douglas ist die Idealbesetzung des Glücksritters und Träumers Jack T. Colton, während die noch rank und schlanke Kathleen Turner sich als perfektes Naivchen präsentiert, die Mann doch gern beschützt. Gut besetzt sind auch die Schurken des Stücks. Der eindimensional-brutale Zolo ist dabei die undankbarste Rolle, aber Manuel Ojeda macht mit seiner düsteren Präsenz das Beste daraus. Komödiantisches Highlight sind die Schmalspurschurken Ralph und Ira, die von Danny DeVito und Zack Norman mit herrlich schmierigem Charme gespielt werden. So richtig schurkig kommen die beiden auch gar nicht rüber, dafür kabbeln sie sich viel zu schön.

    Überhaupt sollte man weniger von einem Abenteuer-Film, als von einer Abenteuer-Komödie sprechen, denn es geht deutlich humoriger zu als im Vorbild. Welchem Mann geht nicht das Herz auf, wenn Michael Douglas mit der Machete aus hochhackigen italienischen Schuhen kurzerhand „praktische“ macht? Wenn es kalt wird und als Brennstoff lediglich Cannabis-Produkte zur Hand sind, wird aus dem Lagerfeuer einfach eine Party („Ich schmeiß noch mal ein Kilo drauf“). Und wenn Michael Douglas den Tag verfluchend sich fragt, warum er nicht Schönheitschirurg mit all den dazugehörigen Annehmlichkeiten geworden ist, dann ist das einfach lustig und amüsant.

    Aber der Film hat auch Schwächen. Insbesondere die musikalische Untermalung ist deutlich merkbar den 80ern entsprungen. Und auch die Flucht aus dem Dorf der Drogenhändler mittels des „Little Mules“ trifft heute nicht mehr den Humor des Zuschauers, hier ist der Zeitgeist einfach fortgeschritten. Trotzdem ist der Film zu Recht ein Hit geworden. Dabei war der Streifen eigentlich eine bessere Fingerübung. Robert Zemeckis drehte nur ein Jahr später den ewigen Klassiker Zurück in die Zukunft und stieg mit seinen Folgeprojekten (Forrest Gump, Cast Away - Verschollen) in den Olymp der großen Hollywood-Regisseure auf. Auch Michael Douglas startete seine Schauspieler-Karriere mit diesem Film neu und konnte später u. a. mit Basic Instinct seinen heute immer noch anhaltenden Erfolg ausbauen. Danny DeVito wurde zum ersten Mal jenseits der Mattscheibe („Taxi“) als kinotauglich wahrgenommen und wurde als Schauspieler und Regisseur (Der Rosenkrieg – ebenfalls mit Douglas und Turner) gern gesehener Dauergast auf der Leinwand. Nur Kathleen Turners Karriere erwies sich nicht wirklich als dauerhaft und dümpelt seit Anfang der 90er Jahre auf Sparflamme.
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