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Sind wir schon da
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
0,5
katastrophal
Sind wir schon da
Von Jürgen Armbruster
„Sind wir schon da?“. Das ist die Frage, die einem Brian Levant mit seiner gleichnamigen Klamauk-Groteske stellt. Die Frage ist nur, wo wir denn nun sein sollen? Falls damit der Bodensatz der Kinounterhaltung, die Untergrenze des guten Geschmacks, der Gipfel der Debilität gemeint ist, dann – herzlichen Glückwunsch, Herr Levant – haben wir unser Ziel wirklich schon erreicht.

Nick Persons (Ice Cube) ist ein Sunnyboy, wie er im Buche steht. Gearbeitet wird – wenn überhaupt – nur im eigenen Laden für Sportartikelaccessoires. Dort werden nur die richtig teuren Artikel wie seltene Baseball-Sammlerkarten und ähnlicher Ramsch für Leute ohne Hobbys verkauft. Für so einen Besitzer eines Edel-Spielzeugshandels für Erwachsene gibt es natürlich keine größeren Feindbilder als Kinder. Die Gören müssen mit ihren kleinen, fettigen Fingern alles betatschen, um es zu Begreifen. Ein Unding für unseren Nick. Frauen, die haben ihm es da schon viel eher angetan. Doch dummerweise verguckt sich unser Held ausgerechnet in die hübsche, allein erziehende Suzanne (Nia Long)… und die gibt’s nur im Dreierpack mit ihren Kindern Lindsey (Aleisha Allen) und Kevin (Philip Bolden).

Doch ein pfiffiger Kerl wie Nick lässt sich von so etwas zunächst einmal nicht abschrecken. Wozu hat die moderne Gesellschaft schließlich so wundervolle Berufe wie den allseits beliebten Babysitter erfunden? Ein dauerhafter Zustand ist dies allerdings nicht. Das denkt sich vor allem Suzanne und fragt sich, ob eine Beziehung mit Nick wirklich eine Zukunft haben kann. Nick muss nun also beweisen, dass er es ernst meint. Als Suzanne beruflich ins 350 Meilen entfernte Oregon muss – wir befinden uns übrigens in Portland – kommt Nicks große Chance. Einfach die beiden Bälger durch die Gegend kutschieren, dann wird Suzanne sicherlich bereitwillig die Matratze mit ihm teilen. Was könnte schwerer sein? Nun ja, bei dieser vermeintlich einfachen Rechnung hat unser guter Nick eine Variable nicht mit einkalkuliert: die Kiddies Lindsey und Kevin. Denn diese haben es sich zur Aufgabe gemacht, jeden neuen Lover von Mami möglichst schnell zu vergraulen. Denn Daddy kommt bestimmt bald wieder zurück. Was passiert, ist klar. Schnell entwickelt sich die kleine Sonntagsfahrt für Nick zur Horrortour…

Bei Betrachtung von Brian Levants bisherigem Werdegangs, sind zwei mögliche Reaktionen denkbar. Entweder ist man ein kleines Kind und hüpft freudig erregt im Kreis durchs elterliche Wohnzimmer oder man gehört zur Gattung der Erwachsenen und es stellen sich einem die Nackenhaare auf. Levant zeichnet sich in seinem bisherigen Leben für Meilensteine der Filmgeschichte wie „Ein Hund namens Beethoven“, „Die Flintstones“ und „Snowdogs“ verantwortlich. Wunderdinge waren von Levant sicherlich nicht zu erwarten. Aber zumindest halbwegs erträgliche Familienunterhaltung hätte es schon sein dürfen. Doch das, was dem Zuschauer hier zumutet wird, ist vom Niveau her noch knapp unter dem berüchtigten „Dschungel-Camp“ anzusiedeln. Eigentlich sollte umgehend Amnesty International informiert werden. Gegen die Genfer Konventionen verstößt „Sind wir schon da?“ auf alle Fälle.

Das an Schwachsinn kaum zu übertreffende, unterirdisch peinliche Drehbuch haben die beiden unerfahrenen Autoren Steven Gary Banks und Claudia Grazioso in gemeinschaftlicher Co-Produktion verbrochen. Kein Wunder. Dem Verstand einer einzigen Person kann so viel dummes Zeug überhaupt nicht entsprungen sein. Was um alles in der Welt denkt sich ein halbwegs vernunftbegabter Mensch beispielsweise, wenn er auf die Idee kommt, dass man eine dieser an sich bereits nervigen Auto-Wackel-Figuren reden lassen könnte? Das ständige Gequassel dieser noch dazu grottig animierten Figur geht einem schon nach der ersten Szene gehörig gegen den Strich. Doch es kommt noch schlimmer! Absolutes „Highlight“ ist ganz eindeutig Nicks Boxkampf gegen ein wild gewordenes Reh. Herr, schmeiß Hirn!

Das letzte Fünkchen an Komik wird durch den grauenhaften Hauptdarsteller Ice Cube („Barber Shop“, „Hart am Limit“) im Keim erstickt. Ice Cube, Skandal-Rapper und Möchtegern-Schauspieler, erweist sich im Lauf des Films als wahrer Gesichtsakrobat. Er beherrscht den guten Blick, den bösen Blick und den „Ich habe Hunger“-Blick. Letzterer kann universell Anwendung finden und ist in leichter Variation auch als der „Die Kinder haben mir weh getan“-Blick einsetzbar. Im offiziellen Presseheft wird vollmundig Ice Cubes Improvisationstalent gelobt. Selten war eine Phrase hohler. Und doch findet sich immer wieder jemand, der den ollen Herrn Cube wieder für einen Film besetzt. Demnächst folgt „xXx2: The Next Level“. Wenn das mal gut geht.

Das Konzept von „Sind wir schon da?“ sah wohl vor, den allein zuhause gelassenen Kevin im Doppelpack auf einen absolut schrägen Roadtrip zu schicken. Dieses Vorhaben ging so richtig in die viel zu weit geschnittenen Hosen des Hauptdarstellers. Eigentlich schreit der Film förmlich danach, direkt in den Videotheken veröffentlich zu werden. Hier stimmt wirklich gar nichts. Bitte zuhause bleiben und die Wand anstarren oder selbst in den Wald gehen, um sich mit einem Reh zu prügeln. Und wem dies noch nicht spannend genug ist, darf zusätzlich gerne auch nach einem Hirsch Ausschau halten...
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