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Für immer Shrek
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Für immer Shrek
Von Florian Schulz
Zwar hatten "Toy Story", "Das große Krabbeln" und "Antz" in den Neunzigern die Bühne bereits geebnet, aber erst "Shrek" beseitigte 2001 die letzten Zweifel an der Zukunftsträchtigkeit des computergenerierten Animationsfilms. Schließlich überzeugte die Geschichte rund um den knurrigen Oger nicht nur auf visueller Ebene mit einer verblüffenden Detailschärfe, sondern bot zugleich etwas, das dem computeranimierten Trickfilm bis dato noch überwiegend abging: eine gehörige Portion Charme und jede Menge Ironie! Nun, beinahe zehn Jahre später, stehen die Vorzeichen anders. Zwar durfte der Oger im Dreijahrestakt auf die Leinwand zurück, die originelleren Geschichten erzählt inzwischen aber DreamWorks‘ Konkurrent Pixar ("Ratatouille", "Oben". Nach dem vierten Teil ist das Animationsstudio deshalb nun auch bereit, die Serie einzustampfen, zumal mit "Drachenzähmen leicht gemacht" ein vielversprechender Erbe bereitsteht. Die Frage stellt sich also umso dringender: Kann das Entwicklerteam unter der Regie von Mike Mitchell ihrem grünen Helden mit „Für immer Shrek" einen würdigen Abgang spendieren? Das erste Pressecho war verhalten und dennoch muss man konstatieren, dass DreamWorks das Beste aus der Lage gemacht hat: Der abschließende Teil der Reihe funktioniert zwar in erster Linie als Figurenrevue und versucht gar nicht erst, die Geschichte großartig weiterzuspinnen, als charmante Bestandsaufnahme mit Nostalgiefaktor kann Shreks viertes Abenteuer aber durchweg überzeugen.

Was für andere eine Wunschvorstellung ist, gerät für Shrek zum blanken Horror: Eine liebreizende, aber mitunter furchtbar anstrengende Familie im Nacken, führt der abenteuererprobte Oger ein Leben im Rampenlicht und signiert tagein tagaus Mistgabeln, Schaufeln und andere Utensilien des bäuerlichen Lebens. Wehmütig denkt der einstige Griesgram an die Tage zurück, als er die Massen noch in blanke Panik versetzen durfte. Als auch die Geburtstagsparty seiner Zöglinge zum puren Stress ausartet, verlässt Shrek diese Hals über Kopf und läuft dabei dem dubiosen Geschäftsmann Rumpelstilzchen über den Weg. Was Shrek nicht ahnt: Dieser hat noch eine Rechnung mit ihm offen. Und so denkt sich der desillusionierte Oger nicht viel dabei, als er vertraglich einen Tag seiner Kindheit gegen einen Tag aus seiner Vergangenheit hertauscht. Auf den ersten Blick scheint es, als würde sich sein Wunsch vertragskonform erfüllen. Doch bald schon muss Shrek bestürzt feststellen, dass er gehörig hinters Licht geführt wurde...

Im Grunde war die Domestizierung des grünen Sympathieträgers bereits mit der Errettung seiner Fiona besiegelt – der unbeugsame Oger durch das starke Band der wahren Liebe gezähmt. Das Sequel "Shrek 2" konnte die Klasse des Originals dann auch nicht mehr ganz erreichen, punktete aber erneut mit gelungenen Seitenhieben und skurrilen Charakteren: Der gestiefelte Kater mauserte sich dank entwaffnender Mimik gar umgehend zum Publikumsliebling und darf 2011 mit eigenem Spin-Off "Puss in Boots" zurück auf die Leinwand. Die übrigen Charaktere waren mit dem zweiten Teil aber in allen Facetten auserzählt. "Shrek der Dritte" präsentierte den Oger dann auch reichlich orientierungslos – ein roter Faden fehlte, der adoleszent-bockige Arthus nervte und die Popzitate verkamen mehr und mehr zum Selbstzweck. Keine besonders guten Voraussetzungen für eine weitere Fortsetzung und dennoch kündigte das Animationsstudio an, sein Zugpferd weiter schröpfen zu wollen. Von den zwei angekündigten Fortsetzungen wurde zwar nurmehr eine verwirklicht, die Skepsis vermochte das aber kaum zu schmälern.

Ein Hauch von Frische soll dem Franchise durch einen einfachen Erzählkniff eingeimpft werden: Anstatt die familiären Querelen des ungewöhnlichen Paares in linearer Abfolge weiter zu erzählen, verpasst man den Figuren nun gleich komplett neue Biografien. Das Motiv ist dabei wieder dem klassischen Märchenfundus entlehnt: Be careful what you wish for! Anstatt aber überlieferungskonform drei Wünsche gedankenlos zu versemmeln, katapuliert es den zweifelnden Familienvater aufgrund des eilig mit Rumpelstilzchen abgeschlossenen Kontrakts in eine alternative Zeitlinie. Das ist zwar wenig innovativ, gibt den Schreibern aber wieder etwas kreativen Spielraum zurück. Im Prinzip funktioniert diese Neujustierung, denn letztlich fühlt sich „Für immer Shrek" tatsächlich wie ein runder Abschluss der Serie an. Indem die gewohnte Welt um den Oger erodiert, stellt sich nicht nur für Shrek automatisch die Frage, was diese Welt eigentlich zu seiner Welt gemacht hatte. Zusammen mit dem Zuschauer geht der Oger im Folgenden auf eine Reise zu den Anfängen der Geschichte: Das Drehbuch jongliert dabei immer wieder mit Motiven aus dem ersten Teil, weshalb man diesen unbedingt vorher gesehen haben sollte.

Leider dauert es seine Zeit, bis „Für immer Shrek" seinen Rhythmus gefunden hat. Zwar kann man den zähen Einstieg im Rahmen der Geburtstagsparty, die von nervigem Slapstick bis hin zum verbalen Flachwitz alles auffährt, was die Serie bisweilen so raffiniert umschifft hatte, auch selbstironisch lesen – dennoch hätte der Film einen charmanteren Auftakt verdient gehabt. Der nächste Dämpfer wartet in Form des neuen Antagonisten, denn Rumpelstilzchen entpuppt sich als schales Abziehbild seiner literarischen Vorlage. Der boshafte Knirps verkommt zu einem windigen Mephisto, der neben seiner phantasmagorischen Ader und unbändigen Rachegelüsten nicht viel zu bieten hat und die brüllkomische Ambivalenz eines Prince Charming umso mehr vermissen lässt. Liebevoll gezeichnete Nebenfiguren sind ebenso Mangelware, auch wenn der Rattenfänger von Hameln mit seiner Multifunktionsflöte einige Lacher abstaubt. Sieht man über diese Mängel hinweg, wartet Shreks viertes Abenteuer aber mit pointiertem Dialogwitz und skurriler Situationskomik auf, wobei das Zweiergespann aus Esel und Oger erneut die Liste gelungener Gags anführt.

Bernhard Hoeckers überkandidelte Interpretation des Rumpelstilzchens kann bisweilen auf den Keks gehen, so dass man den hysterischen Knirps am liebsten ungespitzt in den Boden rammen würde. Im Allgemeinen ist die Synchronisation aber gewohnt hervorragend: Esther Schweins als Shreks (Nicht-)Gattin Fiona, Sascha Hehn als Shrek und Benno Fürmann als Kater lassen die hochklassigen Originalsprecher kaum vermissen und auch Dennis Schmidt-Foß, der bereits im dritten Teil für den 2007 verstorbenen Randolf Kronenberg einsprang, versucht sich glücklicherweise gar nicht erst an stimmlichen Eskapaden und verleiht Esel sein gewohnt markantes Organ. Leider fehlen dem poppigen Soundtrack auch dieses Mal echte Hits der Marke „Hallelujah", die kongeniale Cohen-Interpretation von Rufus Wainwright aus dem ersten Teil. Der klassische Score aus der Feder von Harry Gregson-Williams ist allerdings erneut über jeden Zweifel erhaben: Vor allem das großartige Hauptmotiv „Fairytale" gehört nach wie vor zu den Besten in der jüngeren Geschichte des Animationsfilms.

Fazit: Keiner hätte wohl ernsthaft erwartet, dass DreamWorks mit dem vierten und letzten Shrek-Abenteuer tatsächlich noch einmal an die Klasse der ersten beiden Teil anschließen könnte. So ist es auch kaum überraschend, dass die CGI-Schmiede mit „Für immer Shrek" „nur" gutes Animationskino abliefert. Die Figurenzeichnung ist wieder organischer, die Gags sitzen überwiegend und der Film macht Spaß. Wer dem Oger also bisher gerne über die Schulter geschaut hat, kann die Kinokarte für seine Abschiedsvorstellung bedenkenlos lösen, zumal für das Genre des Animationsfilms inzwischen 3D-Entwarnung gegeben werden kann: Auch in der dritten Dimension sieht das Abenteuer, wie auch schon "Drachenzähmen leicht gemacht", ganz hervorragend aus.
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