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    Wassup Rockers
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Wassup Rockers
    Von Christian Horn
    Der amerikanische Skandalfilmer Larry Clark kann es nicht lassen: Immer wieder versucht der Regisseur von Kids und Ken Park das Publikum mit Geschichten über Jugendliche zu schocken, die fluchen, ficken und saufen. In dem Jugend-Drama „Wassup Rockers“ dient ihm eine skatende Gruppe Latinos aus dem Ghetto als Vehikel, um von dem Untergang der Moral in der heutigen Jugendkultur und der tiefen Kluft zwischen arm und reich in den USA zu berichten.

    Jonathan (Jonathan Velasquez), Kiko (Francisco Pedrasa), Milton alias „Spermball“ (Milton Velasquez), Porky (Yunior Usualdo Panameno), Eddie (Eddie Velasquez), Louie (Luis Rojas-Salgado) und Carlos (Carlos Velasco) haben den Zwang zur Anpassung in ihrem Viertel, das von feindlich gesinnten Schwarzen regiert wird, satt und unternehmen einen Trip in die luxuriösen Villenviertel von Beverly Hills, um dort Skateboard zu fahren. Schon auf dem Weg dahin werden sie zum ersten Mal von der Polizei angehalten, später kommt es zu einer rassistischen Polizeikontrolle, die zur Verhaftung einer der Jungs führt. Ein spontanes Date mit zwei hübschen Beverly-Hills-Girls wird von den Freunden der Mädchen unterbrochen, die unsere Protagonisten kurzerhand aus dem Haus prügeln. Außerdem wird Jonathan, der smarteste Junge der Gruppe, von einem schwulen Fotografen angemacht, Milton von einem Hund gebissen und später von einer deutlich älteren Frau sexuell gereizt – ein Larry-Clark-Schocker, der schon aus „Ken Park“ bekannt ist.

    Larry Clarks angestrengter Wille zum Skandalösen und seine verzweifelten Versuche, an den Erfolg von „Kids“ anzuknüpfen, sind auf die Dauer nicht nur ermüdend, sondern regelrecht ärgerlich. Und da er in „Wassup Rockers“ auch noch versucht, eine gesellschaftskritische Komponente zu unterbreiten, wirkt der ganze Film von vorne bis hinten verkrampft und unausgegoren. Abgesehen von zwei, drei schönen Kinomomenten hat der neue Clark nicht viel zu bieten. Es gelingt dem Zuschauer an keiner Stelle, eine Beziehung zu den handelnden Personen aufzubauen, auch wenn der Film ihnen immer wieder Raum gibt, sich in Gesprächen zu artikulieren. Da diese aber derart aufgesetzt wirken, was vor allem an dem verunglückten Drehbuch und den oberflächlichen Dialogen liegt, versanden sie alle noch bevor sie zu Ende sind. Wenn von einem 14-jährigen Mädchen erzählt wird, das schon an die 20 Männer hatte, einer der Jungs versucht sich im Waschbecken zu ertränken und ein anderer von der Polizei festgenommen wird, berührt das aufgrund der Konstruiertheit des Geschehens keineswegs. Dasselbe gilt für ein Unglück gegen Ende, das als dramatischer Höhepunkt dienen soll, aber in der lustlosen Aneinanderreihung von Ereignissen völlig nebensächlich wird. Auch der semi-dokumentarische Stil kann da nichts mehr reißen. Einziger Pluspunkt des Jugend-Dramas ist seine stimmige Ska-Musik, die immer eingespielt wird, wenn die Jungs Skateboard fahren – was etwa alle zehn Minuten der Fall ist und daher irgendwann recht nervig wird. Die aufgesetzte Clark-typische „Jugendsprache“, welche sich aus „Fick dich“, „scheiß drauf“, „mir doch scheißegal“ und „Wichser“ zusammensetzt, tut das Übrige und wird zu einem weiteren Puzzleteil, das „Wassup Rockers“ als verkrampften Pseudo-Schocker entlarvt (hier sei auch die miserable Synchronisation erwähnt, die der deutschen Fassung den Rest gibt).

    Die Idee, Jugendliche aus dem Ghetto durch ein kontrastierendes Beverly-Hills-Setting schlendern zu lassen, mag nicht wirklich schlecht sein, wird aber in der vorliegenden Ausgestaltung bereits im Keim erstickt. Das Drehbuch entfaltet eine dramaturgische Dynamik, die gegen Null tendiert und bietet lediglich kleine Episoden, die einen größeren Zusammenhang nur vermuten lassen und hauptsächlich dazu dienen, die Protagonisten immer wieder in sexuelle oder gewalttätige Szenarien zu bugsieren. Und da die Sexszenen bei „Wassup Rockers“ übrigens allesamt ausgeblendet sind, wird dem Film auch noch die letzte Attraktion genommen (vermutlich wollte Clark sich dieses Mal Anschuldigungen ersparen, die darauf abzielen, dass er Sexszenen mit Minderjährigen filmt und im medialen Echo zu „Ken Park“ ausdauernd artikuliert wurden).

    Einzig die ästhetisch solide Umsetzung (passende Musik, agile Kamera) bewahrt den Film vom absoluten Abgrund. Da die ein oder andere schöne Kameraeinstellung und ein gelungener Schnitt allerdings nicht ausreichen, um einen guten Film zu machen, bleibt zum Schluss ein negativer Gesamteindruck. „Wassup Rockers“ will ein aufrüttelnder Film sein, der das Ziel hat gesellschaftliche Missverhältnisse aufzudecken, letztlich aber absolut nichts sagend ist – eindeutig ein echter Larry Clark.
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