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    Street Kings
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Street Kings
    Von Christoph Petersen
    David Ayer und James Ellroy – dieses Duo ist der natürliche Feind jedes Gesetzeshüters. Während Regisseur Ayer seinen Durchbruch dem Skript zu dem düsteren Denzel-Washington-Thriller Training Day verdankt, hat James Ellroy mit seinen Romanen The Black Dahlia und White Jazz Krimigeschichte geschrieben. All diese Werke haben gemeinsam, dass Polizisten, Staatsanwälte und Politiker in ihnen gar nicht gut wegkommen. Und so verwundert es kaum, dass sich das erste gemeinsame Projekt der beiden nun als dunkelschwarzer Thriller entpuppt, in dem es keine sauberen, sondern nur dreckige und noch dreckigere Cops gibt. „Street Kings“ ist ein finsteres Action-Drama, das Los Angeles´ Straßen als Vorhof zur Hölle porträtiert: Selbst wenn der Antiheld sich mit aller Kraft gegen die zynischen Machtspielchen seiner Kollegen stemmt, wird es auch für ihn nie ein Entkommen aus dieser durch und durch korrupten Gesellschaft geben.

    Für Detective Tom Ludlow (Keanu Reeves) heiligt der Zweck die Mittel, in seiner Einheit gilt er als Mann fürs Grobe – wie einst Clint Eastwood als Dirty Harry bringt auch Ludlow die Bösewichte nur selten vor Gericht, sondern pustet ihnen stattdessen lieber gleich an Ort und Stelle das Hirn aus dem Schädel. Doch dieses radikale Vorgehen bringt dem Raubein nicht nur Freunde ein. Während sein väterlicher Vorgesetzter Captain Wander (Forest Whitaker) ihm und seinen fragwürdigen Methoden seit Jahren den Rücken stärkt, steht Ex-Kollege Washington (Terry Crews) der abgekarteten Selbstjustiz mehr als kritisch gegenüber. Als Ludlow in das Visier des internen Ermittlers James Biggs (Hugh Laurie) gerät, scheint der Verdacht naheliegend, dass Washington ihn angeschwärzt hat. Doch gerade als Ludlow seinen früheren Kumpel in einem Supermarkt zur Rede stellen will, wird dieser von zwei schwer bewaffneten Gangmitgliedern geradezu hingerichtet. Natürlich fällt der erste Verdacht auf Ludlow selbst, doch wieder setzen die polizeiinternen Schutzmechanismen ein, die ihn schon seit so langer Zeit vor Schlimmerem bewahren. Aber diesmal lässt Ludlow nicht locker - mit Hilfe des jungen Kollegen Paul Diskant (Chris Evans) ermittelt er ohne das Wissen seiner Vorgesetzten weiter, um die Mörder doch noch zu schnappen. Dabei stoßen die beiden auf ein dichtes Netz aus Korruption und Verrat. Plötzlich steht das Duo nicht mehr nur den bösen Buben, sondern auch jeder Menge Leuten aus den eigenen Reihen gegenüber…

    Sicherlich erfindet „Street Kings“ das Rad nicht neu, steht im Gegenteil sogar ganz eindeutig in der Tradition solcher Cop-Thriller wie L.A. Confidential oder „Internal Affairs“ – die Wendungen sind so eher konsequent als überraschend. Doch Ayer, der hier nach Harsh Times erst zum zweiten Mal auf dem Regiestuhl Platz nimmt, versteht es, das Korruptions-Wirrwarr mit unbändiger Kraft und Wut auf die Leinwand zu schmeißen. Schon die Anfangssequenz macht deutlich, woher der ruppige Wind weht: Ludlow stürmt im Alleingang die Villa einer südkoreanischen Kinderpornobande und knallt jedes einzelne der „perversen Schlitzaugen“ nieder. Ein extrem düsterer Einstieg, der abgründige Thriller-Unterhaltung verspricht. Doch Ayer hält dieses Versprechen nicht nur, er reißt den Zuschauer im Lauf der Handlung sogar noch viel tiefer in den Sumpf aus Verrat und Gewalt hinein. Der zynische Höhepunkt wird erst mit der letzten Szene erreicht, die zwar oberflächlich wie ein Happy-End anmutet, in Wahrheit aber doch nur noch einmal bitterböse auf den Punkt bringt, dass es aus dieser verdorbenen Welt kein entrinnen mehr gibt – egal, wie sehr man sich auch für das scheinbar Gute einsetzt.

    Möchte man den Produzenten unbedingt etwas vorhalten, dann die Besetzung von Keanu Reeves (Speed, Im Auftrag des Teufels, Matrix, Constantine, Das Haus am See). Auch wenn er gleich in der ersten Szene alibimäßig kotzend über der Kloschüssel hängt, wirkt er für einen abgefuckten, alkoholkranken Cop insgesamt einfach zu aufgeräumt. Doch diese zu verschmerzende Scharte wetzt der übrige Cast locker wieder aus: Oscar-Preisträger Forest Whitaker (Der letzte König von Schottland, 8 Blickwinkel) kommt als Polizeiboss mit Allmachtsphantasien voll aus sich raus, Hugh Laurie (Stuart Little) zieht seine grandios-misanthropische „Dr. House“-Nummer nun auch auf der großen Leinwand ab und Chris Evans (Fantastic Four, Sunshine) entwickelt sich immer mehr vom Schnuckelchen zum ernsthaften Charaktermimen. Die kleineren Nebenrollen sind mit Cedric the Entertainer ( Codename: The Cleaner), Naomie Harris (Miami Vice) und John Corbett (My Big Fat Greek Wedding, „Sex And The City”) ebenso hervorragend besetzt.

    Fazit: Ellroy und Ayer bleiben sich treu – sie haben aus „Street Kings“ einen düsteren, zynischen und ultrabrutalen Thriller gemacht, der der pessimistischen Weltsicht der beiden Macher in jeder Sekunde gerecht wird.
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