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    Spiel auf Bewährung
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Spiel auf Bewährung
    Von Christoph Petersen
    Wenn im amerikanischen Mainstream-Kino schon mal soziale Probleme angegangen werden, wählen die Produzenten hierzu mit Vorliebe das Genre des „Based On A True Story“-Sportfilms. So beschäftigte sich Boaz Yakins Football-Streifen „Gegen jede Regel“, der stärkste Film dieser Art in den vergangenen Jahren, zum Beispiel mit den Themen Rassismus und Integration. Ganz ähnlich ist auch James Gartners etwas schwächerer Spiel auf Sieg gelagert, nur dass hier das Schwarz-Weiße-Team mit Basketbällen um sich schmiss. Moderner, aber auch der am wenigsten überzeugende Beitrag des Genres ist Thomas Carters Coach Carter, in dem sich Samuel L. Jackson das Basketball-Team einer Schule im heruntergekommenen Ghetto vornahm. Mit Phil Joanous „Spiel auf Bewährung“ wird nun der Einfluss von Gangs, der in vielen benachteiligten Viertel eigentlich gar nicht mehr zu überschätzen ist, aufs kritische Korn genommen. Aber wo der Film die soziale Seite ungewohnt radikal angeht, läuft es auf der sportlichen doch wieder nur auf die ewig gleichen Genremechanismen hinaus.

    „Momentan tummeln sich über 120.000 Häftlinge in amerikanischen Jugendstrafanstalten. Davon landen mehr als 75 Prozent wieder im Knast oder enden tot auf der Straße.“

    Um diese niederschmetternde Quote zumindest ein wenig zu verbessern, beschließt Aufseher Sean Porter (Dwayne Johnson), ein Häftlings-Footballteam zu gründen. So will er den Jugendlichen Teamgeist, Selbstbewusstsein und Disziplin beibringen, um so gegen den tödlichen Einfluss der Gangs anzukämpfen. Zuerst gilt es natürlich, einiger Probleme Herr zu werden. So sträuben sich die Anstaltsleiter Dexter (Kevin Dunn) und Paul Higa (Leon Rippy) noch, Geld für die neue Ausrüstung locker zu machen. Und auch die Moral der Spieler – und auch des Trainers selbst – macht noch erhebliche Schwierigkeiten. Porter muss gegen Widerstände von allen Seiten ankämpfen, um sein Team in der College-League unterzubringen. Doch seine Mannschaft zahlt ihm seine Opfer mit beherztem Einsatz zurück und zehn Spiele später stehen die Mustangs tatsächlich in den Playoffs. Da kommt es mitten auf dem Spielfeld zu einer tödlich endenden Schießerei – der Traum der Jugendlichen auf ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl scheint für immer geplatzt…

    Der Bereich, in dem „Spiel auf Bewährung“ vor allem punktet, ist die für einen Mainstream-Film äußerst radikale Darstellung der Gang-Gewalt. Ein Drive-By-Shooting, das damit endet, dass ein Jugendlicher brutal über den Haufen gefahren wird, kommt sicherlich an die blutige Darstellungsweise so manchen Gangsterstreifens nicht heran, ist aber für ein solches Sportlerdrama von überraschender Intensität. Auch wenn einer der Jugendlichen – halb in Notwehr – seinen schlagenden Stiefvater erschießt, blendet der Film die harte Gewalt dieser Szene keinesfalls aus. So wird verhindert, dass sowohl die Taten der Häftlinge, aber auch der Druck, der von Seiten der Gangs und ihrer Familien auf sie ausgeübt wird, verharmlost dargestellt werden – ansonsten hätte die Aussage des Films natürlich auch von vorneherein keine Chance gehabt, ernsthaft angehört zu werden. Dass Regisseur Joanou seine Schlagwörter und Schlüsse dabei ohne jede Subtilität, vielleicht sogar ein wenig plakativ dem Zuschauer in den Schädel hämmert, muss man einfach akzeptieren – gerade wenn man bedenkt, dass (zumindest in den USA) vor allem die gefährdeten Jugendschichten mit einem solchen Film als Hauptzielgruppe angesprochen werden sollen.

    Leider entwickelt sich „Spiel auf Bewährung“ in seinem Verlauf aber immer mehr zu einem nahezu reinen Sportfilm – die Probleme der Jugendlichen werden langsam aber sicher von viel zu langen, nicht sonderlich spannend inszenierten Spielszenen verdrängt, bei denen vor allem die aufdringliche Musik – jeder Wurf wird von einem pompösen Orchestereinsatz begleitet – irgendwann anfängt zu nerven. Auch die Auswahl der prominent präsentierten Teammitglieder entspricht gängigen Genremustern – es gibt den verschwitzten Dicken, den lustigen Kleinen, der mehr der Moral als dem Spiel dient, und den eigenbrötlerischen Troublemaker, der sich schließlich zum Star der Mannschaft mausert. Das ist alles sicherlich nicht schlechter als in hundert anderen Filmen auch, nur hat man es eben alles schon in hundert anderen Filmen genau so gesehen. Aber eine kleine Einschränkung muss man bei seiner Kritik an den klischeehaften Figuren doch noch machen – im Abspann sieht man Ausschnitte aus der TV-Dokumentation, auf der „Spiel auf Bewährung“ beruht, und da muss man wohl oder übel zugeben, dass so manches „Klischee“ ganz einfach von der Wirklichkeit so vorgegeben wurde.

    Es ist wohl seiner Wrestling-Herkunft zuzuschreiben, dass Dwayne „The Rock“ Johnson als Schauspieler noch immer regelmäßig unterschätzt wird. Hat er als harter Kerl in Walking Tall oder The Scorpion King noch mit großer Leinwandpräsenz und natürlichem Charisma überzeugt, hat er in Be Cool, wo er sein eigenes Image mit seiner Rolle als schwuler Bodyguard gekonnt auf die Schippe genommen hat, selbst solche Darstellergrößen wie John Travolta oder Uma Thurman in mancher Szene an die Wand gespielt. Auch wenn in „Spiel auf Bewährung“ natürlich in erster Linie wieder seine Starker-Mann-Qualitäten gefragt sind, macht er dennoch einen guten Job, weil man ihm auch sein soziales Engagement und seine Besorgnis konsequent abnimmt. Xzibit (Entgleist) hat eine viel zu simple Rolle, um seine Darstellung ernsthaft zu beurteilen – sowieso war seine Besetzung eher taktischer Natur, um ein echtes Vorbild der farbigen Jugend auf seiner Seite zu präsentieren.

    Wenn die Aussage und das Engagement durch die 08/15-Erzählweise der Sportszenen auch etwas entschärft wurden, ist „Spiel auf Bewährung“ dennoch ein ernstzunehmendes Projekt. Allerdings bleibt zweifelhaft, ob es aufgrund der amerikanischen Thematik und Sportart für deutsche Kinobesucher - außer The-Rock- oder Football-Fans – überhaupt einen Grund gibt, sich ausgerechnet „Spiel auf Bewährung“ anzusehen.


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