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    Grease
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Grease
    Von René Malgo
    Die Produktion gehört zu den erfolgreichsten Filmmusicals aller Zeiten. Die Rede ist von Randal Kleisers erstem Kinofilm „Grease“, nach dem Musical von Warren Casey und Jim Jacobs. Der Film belebte 1978 mit John Travolta und Olivia Newton-John in den Hauptrollen die heile Welt der 50er Jahre wieder und lockte das Publikum scharenweise ins Kino. Folgerichtig wurde das beschwingende, schräge Filmmusical ein Hit.

    Sommerferien 1958. Am Strand verlieben sich Sandy Olsson (Olivia Newton-John) und Danny Zuko (John Travolta) und schwören sich ewige Liebe. Sie scheint nur bis zum Beginn der High School anzuhalten. Als Zugpferd seiner obercoolen Rock’n’Roll-Gang, die „T-Birds“, kann Danny seine Liebe Sandy gegenüber öffentlich nicht eingestehen. Die zugeknöpft wirkende Sandy wird von der Mädchenclique, die „Pink Ladys“, aufgenommen. Besonders die schräge Frenchy (Didi Conn) nimmt sich ihrer an. Die Anführerin der Truppe, Rizzo (Stockard Channing), kann Sandy weniger gut leiden und zeigt dies deutlich. Sie bandelt mit Kenickie (Jeff Conaway) an, der Anführer der „T-Birds“. Während sie eine oberflächlich coole Beziehung zelebrieren, versucht Danny seiner Flamme doch wieder näher zu kommen. Das scheint auch zu gelingen, bis bei einem Schulfest Danny Sandy plötzlich für eine neue Tanzpartnerin austauscht. Sandy ist tief enttäuscht, während auf Danny und Kenickie das nächste Problem wartet. Kenickie hat mittlerweile nicht nur Ärger mit Rizzo bekommen; er muss sich auch einer Herausforderung der wenig freundlichen Scorpions-Gang stellen. Deren Anführer hat Kenickie herausgefordert: In einem nicht ganz ungefährlichen Autorennen soll sich der Bessere beweisen…

    Am 17. Februar 1972 feierte am Broadway im Eden Theatre das Musical „Grease“ von Warren Casey und Jim Jacobs Premiere. Es sollten noch 3387 weitere Vorstellungen innerhalb von gut sieben Jahren folgen. 1978 startete die Verfilmung von Randal Kleiser („Die blaue Lagune“) in den Lichtspielhäusern. Aus dem Musical wurden einige Songs und Musikstücke übernommen. Der Titelsong „Grease“ allerdings stammt vom Australier Barry Gibb und seinen „Gibb Brothers“, besser bekannt als die „Bee Gees“. Schon zuvor, im erfolgreichen Tanzfilm „Saturday Night Fever“, auch mit John Travolta, zeichneten sie für einige der Hits verantwortlich. Von John Farrar kommen die beiden Songs „Hopelessly Devoted To You“ und „You’re The One That I Want“. Zu Hits und Evergreens wurden außer „You’re The One That I Want“ vor allem der erste von Travolta und Newton-John vorgetragene Song, „Summer Lovin´“ oder „Greased Lightning“.



    Übersetzt heißt „Grease“ Schmiere, sinngemäß: Pomade oder Gelatine. Mit dieser Pomade stutzten sich die Schüler in den swinging 50s ihre Elvis-Frisuren zurecht. Die Ironie hinter dieser Titelwahl ist nicht zu übersehen. Der Pomade wird ein ganzer, ausgesprochen witziger Vorspann gewidmet. Die gezeichnete Einführung, musikalisch unterlegt vom ironischen Song „Grease“, zeigt, in welche Richtung das Filmmusical zu gehen gedenkt: Der Film darf als parodistische Hommage an eine vermeintlich idyllische Zeit verstanden werden. Die nachfolgenden Songs und der schräge Humorgehalt verfestigen diesen Eindruck.

    Die meisten erfolgreichen Filmmusicals überzeugen durch die perfekte Mischung von Gesangs- und Tanzeinlagen, Komik, Tragik und Sentimentalität. „Fiddler On The Roof“ oder „West Side Story“ seien in diesem Zusammenhang mal genannt. „Grease“ verzichtet auf Sentimentalität und Tragik. Sandys Schulmädchenromantik wird durch den Kakao gezogen, Zweideutigkeiten sind an der Tagesordnung. Natürlich gibt es sie auch, die großen Gefühle, doch „Grease“ präsentiert sie immer mit einem Augenzwinkern. So richtig dramatisch wird’s im Film nämlich nie, zu keiner Zeit bestehen Zweifel, dass sich Danny und Sandy am Ende in den Armen liegen werden. Das lockere Finale, in dem unsere Helden quasi die Rollen tauschen, bestätigt noch einmal, dass „Grease“ keineswegs eine wirklich seriöse Liebesgeschichte mit allem tragischen und sentimentalen drum und dran erzählt. „Grease“ soll Spaß verbreiten und das macht es auch.

    Am Anfang erzählen Danny (Travolta) und Sandy (Newton-John) singend in der High School ihren jeweiligen Cliquen die Erlebnisse am Strand. Während Danny angibt, das Mädchen verführt zu haben, schwärmt Sandy von unschuldiger Romantik. Sarkasmus im Song und Körpersprache während der Tanzchoreographie beweisen es schon: Allzu unschuldig oder seriös-sentimental wird der Film nicht werden. Die weiblichen und männlichen Interpretationen von Liebe („machen“) und Romantik werden aufs Korn genommen. Auch die Texte weiterer Songs sind alles andere als harmlos oder sentimental gehalten. Ironie steht an der Tagesordnung. Trotzdem, dem Schnulzenliebhaber werden auch die obligatorisch mehr oder weniger sentimentalen Lovesongs geboten, nur die unterschwellige Spöttelei, sie muss stets „in Kauf genommen“ werden.

    „Grease“ spielt mit Stereotypen und Klischees, parodiert sie zwar, ergötzt sich aber auch an selbigen. Da das primäre Ziel der Musicalkomödie Spaß und noch mehr Spaß machen zu sein scheint, kann von einer hintergründigen Satire nicht gesprochen werden. Die Welt der 50s wird in knallbunten Farben geschildert, es wird getanzt und stolziert, was das Zeug hält. Gruppenzwang wird thematisiert, die Geschichte handelt von den typischen High-School-Irrungen- und Wirrungen. Im Vordergrund steht dabei eine humorvolle Herangehensweise, nicht eine kritische. Das ist auch gut so. „Grease“ ist ein lockerflockiger, ziemlich schräger Klamauk, den der Betrachter nicht allzu ernst nehmen muss.

    Das Musical lebt nicht von ausgefallenen und findig choreographierten Song- und Tanzeinlagen allein. Auch die allesamt für Schüler eigentlich viel zu alten Darsteller tragen erheblich zum Gelingen bei. 1977 wurde John Travolta durch „Saturday Night Fever“ ein Star und löste das Disco-Fieber aus. Auch in „Grease“ ist er der unbestrittene Mittelpunkt des Films. Mit einer guten Portion Selbstironie gibt er den eitlen Schüler, der gerne viel und wichtig dreinblickend herumhängt und von Sport nichts wissen will. Gut Tanzen kann er trotzdem. Sein übertriebenes Gehabe, der stolzierende Gang und der ständige Griff zum Kamm sorgen für Lacher. Trotzdem verkommt er nicht zur Witzfigur, weil Travolta es auch schafft, seinen eher dünn gezeichnetern Charakter sympathisch und gefühlvoll anzulegen. Olivia Newton-John ist die Karikatur des blonden, anständigen „All American Girl“. Perfekt passt sie in diese Rolle. Als Gegenstück agiert Stockard Channing in der Funktion einer verruchten „Fast“-Schlampe. Natürlich stellt sich am Ende heraus, dass sie nicht ganz so ein leichtes Mädchen ist, wie sie zu sein vorgibt. Jeff Conaway gibt den obercoolen Kenickie gekonnt, der am Broadway tatsächlich die Rolle von Danny Zuko spielte. Die beiden Geschlechtercliquen sind mit weiteren, charmanten bis witzigen High-School-Stereotypen gefüllt. Eine Freude ist Eve Garden als Schuldirektorin McGee. Leider fällt ihre Rolle vergleichsweise klein aus. Die gut aufgelegten Darsteller tragen die zwar einfallsreiche, aber dünne Story ohne große Müh.

    Die Filmadaption stammt von Allan Carr und wurde von Bronte Woodard in einem Drehbuch umgesetzt. Die Geschichte setzt weniger auf Handlung, sondern mehr auf Posen, Slapstick und humoristische Situationen. Die magere Story existiert auch nur, um Brücken zu den nächsten, ausführlichen Tanz- und Gesangseinlagen zu schlagen und/oder möglichst witzige Situationen herbeizuführen. Darüber hinaus übt sich der Film auch im Zitieren. „Grease“ erinnert an George Lucas’ American Graffiti und bedient sich in einer Szene gleich bei zwei Klassikern: Im Autorennen zwischen den beiden Ganganführern wird gleichermaßen Ben Hur, als auch „… Denn sie wissen nicht, was sie tun“ humoristisch Referenz erwiesen.

    Als Kultfilm und moderner Klassiker wird „Grease“ gefeiert. Ein Must-See ist die Musicalkomödie deswegen nicht, aber ein sehenswerter Streifen allemal. Vielleicht ist das Ganze ein Tick zu belanglos, als dass es zum Klassiker reicht, das Prädikat „Kult“ hat sich der Film aufgrund seines Status aber redlich verdient. Der Film macht Freude und wirkt als Produkt der 70er über die 50er aus heutiger Sicht noch schräger, ergo witziger - nicht in einer Liga mit „American Graffiti“ (50s) oder „West Side Story“ (Musicals), aber noch immer sehr gut.
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