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Tropic Thunder
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Tropic Thunder
Von Carsten Baumgardt
Wer heutzutage in Hollywood als Komiker nach oben will, muss absolut schmerzfrei sein. Für keinen Gag zu schade. Keine Peinlichkeit auslassen. Das ist notwendig. Ungekrönter König dieser verschärften Disziplin des Komiker-Seins ist Ben Stiller. Für die überdrehte Action-Komödie „Tropic Thunder“ geht der New Yorker gleich in die Vollen, übernimmt Regie, Drehbuch und Hauptrolle. Seine erste Arbeit hinter der Kamera seit Zoolander (2001) brilliert als ideenüberbordende Vietnamfilm-Persiflage, die aber immer wieder von ihrem albernen Handlungskonstrukt ausgebremst wird.

Der abgehobene, aber nicht übermäßig helle Superstar Tugg Speedman (Ben Stiller) steckt in der Krise. Sein Behinderten-Drama „Simple Jack“ brachte ihm statt einem Oscar Hohn, Spott und einen Riesenreinfall an der Kinokasse. Nachdem der Wechsel ins ernste Fach katastrophal missglückt ist, will Speedman wieder an alte Erfolge anknüpfen. In Südostasien soll das teuerste Vietnamkriegs-Drama aller Zeiten entstehen. Der heimlich drogensüchtige Comedy-Star Jeff Portnoy (Jack Black) versucht derweil, sein ramponiertes Image aufzupolieren, während der fünffache Oscar-Preisträger Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.) zum ganz großen Schlag ausholen will. Der australische Method-Actor lässt sich für die Dreharbeiten die Haut pigmentieren, um die Rolle als farbiger Amerikaner spielen zu können. An ihrer Seite stehen der schwarze Rapstar Alpha Chino (Brandon T. Jackson) und der Nachwuchsschauspieler Kevin Sandursky (Jay Baruchel). Doch die Produzenten bekommen kalte Füße und wollen das Projekt stoppen. Da entschließt sich Debüt-Regisseur Damien Cockburn (Steve Coogan) zu einer radikalen Maßnahme. Er dreht im Guerillastil mit im Dschungel versteckten Kameras auf eigene Faust weiter. Aber schon nach kurzer Zeit bekommt der Filmemacher ein existenzielles Problem. Die Schauspieler sind nun auf sich allein gestellt. Dumm, dass sie in einen Drogenkrieg geraten und für eine amerikanische Spezialeinheit gehalten werden.

Selten hat ein potenziell so großartiges Projekt wie „Tropic Thunder“ so viele Möglichkeiten und Stärken nicht genutzt, weil das Gesamtpaket Macken aufweist. Der Ideenpool, den das Autorentrio Ben Stiller (Zoolander), Etan Coen („Idiocracy“, nicht zu verwechseln mit Coen-Bruder Ethan) und Schauspieler Justin Theroux (Mulholland Drive) in den Ring schmeißen, ist prall gefüllt mit wahnwitzigen Angriffen auf Hollywood und das Starsystem. Hier bekommt einfach jeder, der genug weit oben steht, sein Fett weg. Superstars, Produzenten, Studiochefs, Regisseure – einfach alles, was in der Traumfabrik Rang und Namen hat. Für sich genommen machen diese farceartigen Gags ungeheuren Spaß, weil Stiller einen scharfen Blick für den alltäglichen Hollywood-Wahnsinn beweist und die realen Hintergründe herrlich spitz überzieht. Allerdings gibt der Regisseur dabei so viel Gas, dass Ansätze intelligenter Kritik am System von dem Humor-Bulldozer „Tropic Thunder“ gnadenlos niedergewalzt werden. Das ist aber noch nicht weiter schlimm. Stiller ist kein Feingeist und hat dies auch niemals von sich behauptet. Er will sein Publikum auf Gedeih und Verderb unterhalten. Und für dieses Vorhaben hat er mit der Verarschung Hollywoods die besten Argumente auf seiner Seite.

Bei der Durchsetzung seiner Gags macht Stiller keine Gefangenen. Seine Hollywood-Kollegen können einen gepflegten Seitenhieb sicher trotz allgemeiner Eitelkeit vertragen, bei verschiedenen Behinderten-Lobbyisten sieht das schon anders aus. Im Vorfeld des US-Kinostarts riefen sie zu einem Boykott des Films auf, da sich über Behinderte lustig gemacht wird. Ironischerweise hat dieses Presseecho dem Film eher genutzt als geschadet. Je mehr Aufmerksamkeit, desto besser. Zugegeben: Stiller geht schon derb zur Sache, wenn er als Tugg Speedman in dem fiktiven Drama „Simple Jack“ einen geistig Zurückgebliebenen spielt. Dafür ist die Szene (Forrest Gump lässt grüßen) in ihrer Überzeichnung aber einfach brüllend komisch. Ansonsten schnappt er sich Versatzstücke des Vietnamkriegsfilms, dreht diese durch den grob eingestellten Parodie-Wolf und spuckt das Ergebnis als völlig überzogene Groteske auf die Leinwand. In keiner Sekunde nimmt sich der Film auch nur halbwegs ernst.

Ausnahmslos großartig sind - neben vielen Camoes - die kleineren Auftritte von zahlreichen Hollywood-Größen. Herrlich: Tom Cruise (Von Löwen und Lämmern, Collateral, Krieg der Welten) gibt dem Affen unter dicker Maske als Studio-Mogul reichlich Zucker, Matthew McConaughey (Ein Schatz zum Verlieben, Contact, Sahara) persifliert sein Beau-Image ohne Rücksicht auf Verluste und Nick Nolte (Kap der Angst, Die Geheimnisse der Spiderwicks) präsentiert sich als abgehalfterter Ex-Soldat, der das Buch geschrieben hat, das nun verfilmt wird, reichlich durchgeknallt.

Doch die Flut toller, krachlederner Witze knallt auf ein gerüttelt Maß an Nervpotenzial, das sich in der dümmlichen Haupthandlung manifestiert. In der Gesamtheit schafft es Regisseur Stiller nicht, seine großartigen Einzelelemente zu einem Guss zu schmieden und hat mit diesem alten Grundproblem von Parodien schwer zu buckeln. Beim Kampf der Drogenhändler gegen die Schauspielertruppe sinkt die Gagquote enorm – einiges geht in die Binsen. Zudem versteigt sich Stiller bei der Illustrierung seiner Farce mit hektischen Schnitten, einem unglaublich tönenden Score und maßlosen Explosionssequenzen in Gigantismus, der parodistisch gedacht ist, aber eben doch gehörig an den Nerven zerrt, wie zum Beispiel die komplette Performance von Jack Black (School Of Rock, Liebe braucht keine Ferien, King Kong). Während Schauspieler Stiller (Meine Braut, ihr Vater und ich, Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich, Reality Bites, Voll auf die Nüsse) noch die Balance hält, ist es wieder einmal Robert Downey Jr. (Iron Man, Zodiac), der alles richtig macht und als überambitionierter Method-Actor die Töne korrekt trifft – zumindest in der englischen Originalfassung, in der deutschen Synchro verliert sein Ghetto-Army-Slang doch deutlich an Witz.

Fazit: Ben Stillers Parodie-Exzess „Tropic Thunder“ ist nicht halb so durchdacht, wie er gern wäre. Intelligente Anflüge von Hollywood-Kritik werden vom eigenen Action-Sperrfeuer teilweise unnötig niedergestreckt. Denn den Witz bezieht die abgedrehte Persiflage fast ausnahmslos aus den Nebengeräuschen, die aber von der lärmenden Handlung zu oft gehemmt werden. Das verhindert nicht, dass „Tropic Thunder“ gut unterhält, aber eben nicht so sehr, wie es das riesige Potenzial der Grundidee erhoffen ließ.
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