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Saw II - Das Spiel geht weiter...
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Saw II - Das Spiel geht weiter...
Von Carsten Baumgardt
Anfang des Jahres 2005 bereicherten Regisseur/Drehbuchautor James Wan und Hauptdarsteller/Co-Autor Leigh Whannell das Horror-Genre um einen hundsgemeinen Bastard namens Saw, der die Fans in Verzückung versetzte. Doch leider ist die Gier der Filmemacher bzw. des Studios zu groß. Der Schnellschuss „Saw 2“ kommt bereits ein Jahr später in die deutschen Kinos. Das Sequel ist nicht halb so nervenaufreibend und einfallsreich wie das Original. „Saw 2“ entpuppt sich nicht als kleine Revolution, sondern lediglich als solide Genrekost mit Splatter- und Sadogarnierung.

Zwei Jahre nachdem der berüchtigte Serienkiller Jigsaw (Tobin Bell) immer noch nicht gefasst ist, bringt ein neuer bizarrer Mordfall Detective Eric Matthews (Donnie Wahlberg) auf die Spur der Bestie. Dem Opfer (Naom Jenkins) wurde der Schlüssel zur Entfernung einer Todesmaske unter Narkose hinter die Augen transplantiert. Doch die Selbstoperation scheitert und die tödliche Apparatur schnappt zu. Am Schauplatz des Verbrechens fordert Jigsaw den Polizisten Matthews per Botschaft zu einem Spiel heraus, was schon bald beginnen soll. Jigsaw kidnappt Matthews Sohn Daniel (Erik Knudsen) sowie eine kleine Gruppe von Kriminellen (Shawnee Smith, Franky G, Glenn Plummer, Emmanuelle Vaugier, Beverly Mitchell, Timothy Burd, Lyriq Bent) und sperrt sie in ein hermetisch abgeriegeltes, monitorüberwachtes Haus ein. Überraschenderweise geling es Matthews und seiner Kollegin Kerry (Dina Meyer) schnell, Jigsaw nach einigen Hinweisen zu schnappen. Doch für den Killer ist dies nur Teil des Spiels...

Saw: eine Erfolgsgeschichte wie aus dem Bilderbuch. Nicht nur, dass der Horror-Reißer mit einem Budget von 1,2 Millionen Dollar weltweit 80 Millionen einspielte - der beinharte Schocker avancierte in Fankreisen auch zum Kult und wurde als bester Horrorfilm der letzten Zeit verehrt. Leider fordern die Gesetze der Branche bei dem Sequel wieder einmal ihren Tribut. Nur ein Jahr nach dem Original kommt der Nachklapp in die Kinos, um die Filmkuh so zügig wie möglich zu melken. Doch anstatt sich auf das bewährte Originalgespann Wan und Whannell zu verlassen, ist nur noch Letzterer als Co-Schreiber am kreativen Prozess beteiligt. Beide treten sonst nur als ausführende Produzenten auf. Was ist passiert? Der Clip-Regisseur Darren Lynn Bousman versuchte vergeblich, seinen Serienkiller-Film „The Desperate“ in Hollywood unterzubringen. Lediglich deutsche Investoren zeigten Interesse und wollten den Film mit einem Budget von einer Million Dollar realisieren. Doch dazu kam es nicht, weil Bousmans Plot zu „Saw 2“ umgearbeitet wurde. Die Grundhandlung blieb bestehen, nur Jigsaw wurde eingefügt und die Details modifiziert - und Bousman war plötzlich Regisseur des heißesten Horror-Produkts des Jahres.

Durch dieses Patchwork-Drehbuch ist „Saw 2“ ein komplett anderer Film als das famose Original, das rein didaktisch aufgebaut war und durch eine sensationell nervenzerrende Atmosphäre glänzte. Härte und viele nette Drehbucheinfälle trugen ihr Übriges zum Erfolg bei. Von dieser Originalität ist in der Fortsetzung viel weniger zu spüren. Vielmehr erweckt der Film den Eindruck eines x-beliebigen, konventionellen Serienkiller-Reißers, der zwar respektable Genrekost bietet, aber nichts Außergewöhnliches auffährt. Ist der Beginn mit dem Mord durch die Todesmaske noch als Reminiszenz an „Saw 1“ inszeniert, verliert der Horror-Thriller im Verlauf durch die Ausweitung der Szenarios von einem Raum auf ein ganzes Haus seine beklemmende Atmosphäre. Die Tötungsarten orientieren sich an der Vorlage und werden die Fans zufrieden stellen, erreichen aber trotz hohem Blutgehalt nicht die brutal-packende Intensität des Originals. Dazu gibt es einen Verweis auf den ersten Teil bezüglich der beiden Kelleropfer.

Bousmans Inszenierung selbst wirkt professioneller als die von Wan und Whannell, lässt aber jene Ecken und Kanten vermissen, die die Anhänger so begeisterte. Ein echtes Problem ist die Zeichnung der Charaktere. Dass sich kein einziger als Sympathieträger erweist, ist zwar nicht unbedingt clever, aber noch zu vertreten. Ärgerlich ist allerdings das teils strunzdumme Verhalten der Figuren, das fern jeder Logik angelegt ist. Beispiel: Im Nacken der Eingeschlossenen sind Nummern eintätowiert, die möglicherweise einen Hinweis auf ein Entkommen aus der Falle geben. Doch anstatt bei den Mitgefangenen einfach mal nachzuschauen und nett zu fragen, schlägt Xavier (Franky G) seinen Leidensgenossen den Schädel ein. Besser noch: Ein besonders ausgeschlafener Filmgenosse schneidet sich lieber das Stück Haut mit der Nummer aus dem Nacken, als jemand anderes zu fragen. Das wirkt dann zwar spektakulär, ist aber so doof, dass es schmerzt.

Den Schauspielern wird genreüblich nicht viel abverlangt. Tobin Bell („Malice“, In The Line Of Fire) erledigt seine Killer-Nummer gut und kann eine gewisse Präsenz aufbieten. Die Entscheidung, Jigsaw diesmal sehr oft im Bild zu zeigen, nimmt ihm jedoch etwas an diabolischer Strahlkraft. Dazu stilisiert Bousman seinen Massenmörder durch die Krebskrankheit zu einem Teil als Opfer - was moralisch ebenso absurd ist, wie die vorgeführte Patchwork-Moral Jigsaws, der sich als gottgleicher Richter über Recht und Unrecht aufspielt. Donnie Wahlberg (The Sixth Sense, Dreamcatcher) ist ebenfalls noch positiv herauszuheben. Die Darsteller der Kellerverliesopfer leiden unter der mäßigen Charakterzeichnung. Recht originell ist dagegen die Besetzung von „Eine himmlische Familie“-Keuschheit Beverly Mitchell als Eingeschlossene - ein herrlich ironischer Gegensatz. Shawnee Smith ist als Hommage an „Saw 1“ mit im Spiel und darf eine Schlüsselrolle im Storykonstrukt einnehmen.

Dass „Saw 2“ kritisch beäugt wird, liegt auch an der sehr hohen Erwartungshaltung aufgrund des tollen Originals, das auf fast allen Ebenen besser funktioniert hat. Bei den Story-Twists hat „Saw 2“ allerdings Gutes zu bieten. Nach einigen kleineren Wendungen im Verlauf des Films überzeugt und überrascht der harte Plot-Twist gegen Ende. Trotz aller Mängel präsentiert sich der Horror-Schocker für Genrefans immer noch als grundsolide Ware. Wer auf wirklich kranken Stoff steht und nachsichtig mit den Unzulänglichkeiten ist, wird seine Dosis Sadohorror von „Saw 2“ zweifelsohne verabreicht bekommen. Und nach dem großen Erfolg und den Gesetzen des Geschäfts stand es außer Frage, dass auch Saw 3 kommen würde. Bleibt nur zu hoffen, dass dann die Vorbereitungen sorgfältiger ausfallen... Link-Tipp: CD-Kritik Soundtrack - „SAW 2“
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