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    Inglourious Basterds
    Durchschnitts-Wertung
    4,1
    3243 Wertungen - 115 Kritiken
    Verteilung von 115 Kritiken per note
    30 Kritiken
    49 Kritiken
    15 Kritiken
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    9 Kritiken
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    115 User-Kritiken

    Kino:
    Anonymer User
    5,0
    Veröffentlicht am 25. Februar 2010
    Es war einmal, in einem von Nazis besetzten Frankreich: ein Trupp in Ungnade gefallener jüdischer US-Soldaten, genannt die Basterds, skalpiert sich durch die deutschen Besatzer. Währenddessen plant die Jüdin Shosanna ihre ganz persönliche Rache am diabolischen SS-Mann Hans Landa, der ihre Familie ermordet hat. Eine große Filmpremiere in ihrem Provinzkino, zu der sämtliche Oberhäupter des Nazi-Regimes erwartet werden, bietet ihr Gelegenheit zur Vergeltung. Doch auch die Basterds bekommen Wind von der Veranstaltung... ----------------------------------------------------------------- Quentin Tarantino hat sich seit 1992 und seinem Debüt „Reservoir Dogs“ ein kurioses filmisches Universum an völliger Subjektivität zusammengezimmert, hat so viele Konventionen über den Haufen geworfen, dass nach Werken wie „Pulp Fiction“ (1994) oder „Kill Bill Vol. 1 & 2“ (2003/04) kein Stein mehr auf dem anderen lag. Tarantinos Bedeutung und Wichtigkeit für das Medium Film, für das Erlebnis Kino ist dabei immer auch messbar an der Bedeutungs’losigkeit‘ vieler seiner im Akkord filmenden Kollegen. Solchen, die ihre Drehbücher anhand von Ratgebern verfassen und Worte wie ‚Dramaturgie‘ und ‚Charakterentwicklung‘ erst in Wörterbüchern nachschlagen oder googeln müssen, um jene Ratgeber überhaupt entschlüsseln zu können. Solchen, die ihre Kamera stets genau dort positionieren, wo es ihnen unzählige Filme vor ihnen als ‚richtig‘ erklärt haben, solchen, die die Trends nicht setzen, sondern sie kopieren und der Massenverträglichkeit wegen ausschlachten. Tarantino ist in diesen Punkten anders, ungezogen, könnte man sagen. Zwar in all seiner Zitierfreude und Ehrerweisung an von ihm geschätzte Werke viel weniger innovativ, als es oft den Anschein hat, denn schließlich kann kaum jemand ausnahmslos alles gesehen haben, an das er sich anlehnt und jeden Wink verstehen. Doch letztlich ist Tarantino immer aufregend und in verdienter Weise diskussionswürdig, ob nun für Hardcorefans, die selbst aus einer Fliege, die im Hintergrund einen Schiss setzt noch eine geniale Remineszenz herauszulesen wissen, oder für jene Dauerbeschuss-Kritiker, die in Tarantino unbedingt einen krankgeistigen Perversen sehen wollen und sich schulterklopfend dazu beglückwunschen, kein Fan von so etwas zu sein. ----------------------------------------------------------------- Tarantino macht indes unbeirrt weiter, sieht sich pro freiem Tag wohl mehr Filme an, als er selbst bisher gedreht hat und bringt nun nach jahrelanger Entwicklungs-, Schreib- und Umschreibphase die heiß ersehnte WWII-Schlachtplatte „Inglourious Basterds“ in die Kinos. Seine Version eines ‚men on a mission‘-Kriegsfilms in Anlehnung an US- und italienische Produktionen der 60er und 70er Jahre (wie „Das dreckige Dutzend“, 1967; oder der titelsgleiche „Inglorious Bastards“, 1978), gemischt mit Zutaten des Spaghetti-Westerns und deutscher Produktionen aus den 20er und 30er Jahren (wie etwa Fritz Langs Klassiker „Metropolis“, 1927), feierte in Cannes Premiere und wurde verhalten bis durchwachsen aufgenommen. Von massiven Kürzungen war im Anschluss die Rede, stattdessen ist die Kinoversion nun sogar um einige zusätzliche Minuten länger ausgefallen – und bietet wieder einmal allen Fraktionen reichlich Gesprächsstoff. Was nach allem Gebrüll über und von „Inglourious Basterds“ übrigbleibt ist in jedem Fall, so viel sei schon einmal verraten, ein sensationeller Film. ----------------------------------------------------------------- Titelgebung und Propagandamaßnahmen (oder auch schlicht Marketing) führen einigermaßen in die Irre, denn weder steht der Werbefrontmann Brad Pitt im Zentrum, noch seine Basterds insgesamt. Die Story ist vielmehr in fünf Kapitel unterteilt, von denen das zweite den Titel des Films trägt. Aber beginnen tut alles ganz anders. Im ersten Kapitel ‚Once upon a time... in Nazi occupied France‘, sucht SS-Standartenführer Hans Landa den Hof des Milchbauern Lapadite auf, um eine Formalität zu erledigen. Und nach wenigen Minuten und einigen Sätzen ist klar, wem „Inglourious Basterds“ gehört: Christoph Waltz. Eine bessere Artikulation und Verkörperung seiner geschliffenen Dialoge hat Tarantino bisher nie präsentieren können. In seiner schneidigen Wort- und Sprachgewandtheit liefert Waltz eine Performance, die den Atem stocken lässt. Landa ist dabei meilenweit davon entfernt, ein stumpfer Schlächter zu sein, mit ihm ist Tarantino in Sachen Charakterisierung und Psychologisierung ein unumstößliches Bravourstück gelungen. Waltz bereitet mit seiner Höflichkeit, die er nur um Nuancen hin zur Bedrohlichkeit verschieben muss, ein so greifbares Unbehagen, dass die eigentlich ruhige und nur aus dem Gespräch des SS-Mannes und des Bauern bestehende Szene enorme Spannung aufbaut, die sich in Landas volle Grausamkeit entlädt. Kaum etwas hat Tarantino bisher besser geschrieben und inszeniert, als dieses erste Kapitel. ----------------------------------------------------------------- Kapitel Zwei, ‚Inglourious Basterds‘, ist das brutalste des Films. Pitt schwört seine Truppe ein und diese kennt keine Gnade, skalpiert die feindlichen Soldaten, was in aller Deutlichkeit gezeigt wird, und verbreitet Angst und Schrecken unter den Nazis. Wie bei Tarantino üblich hält die Gewalt in diesem Abschnitt mit galligem Humor Händchen, dazu gesellt sich mit dem völlig überzogenen Auftritt von Martin Wuttke als Adolf Hitler ein beißender Schuss Satire. Als ob der Taten der Basterds zürnenden Derwisch zeigt er den Führer, dürfte damit wohl die umstrittenste Figur des Films werden, wenngleich dem Wahn(witz) des NS-Regimes ein anderer Zugang in die Parallelwelt von "Inglourious Basterds" möglicherweise gar nicht hätte gelingen können. Mit der Fiktion seiner Figuren legitimisiert Tarantino die Darstellung der realen Personen und geht mit diesem Ansatz vielleicht keinen zwangsläufig richtigen, aber einen möglichen Weg, um auch einer der größten Schattenseiten der Menschheitsgeschichte begegnen zu können. ----------------------------------------------------------------- Die Basterds kommen in Sachen Feinzeichnung gegen Landa zwar nicht an, der harte Haufen macht aber einfach Laune, allein Pitts Unterhaltungswert liegt weit oben, als Baseballschläger schwingender Bärenjude macht „Hostel“-Fragwürdigkeit Eli Roth ebenfalls Eindruck und selbst Til Schweiger, dem sogar ein schmucker Freeze Frame samt Namenseinblendung und kurzer Flashback gegönnt wird, passt mit grimmigem Gesicht. Die kernigen Dialoge zielen in eine ganz andere Richtung, als der hintergründige Beginn, halten das Niveau aber dennoch hoch und „Inglourious Basterds“ gelingt ein toller Einstieg, der bereits reichhaltiger und erlebenswerter ist, als der gesamte bisherige Blockbuster-Sommer 2009 zusammen. ----------------------------------------------------------------- Das dritte Kapitel nennt sich ‚German night in Paris‘ und macht einen Zeitsprung von drei Jahren. Shosanna, die einzige Überlebende des Bauernhof-Massakers, betreibt mittlerweile ein kleines Kino und lernt eines Abends den Deutschen Frederick Zoller kennen, der ihr charmant und leicht unbeholfen den Hof macht. Erst später erfährt Shosanna, dass Zoller ein Kriegsheld ist, der von einem Glockenturm aus in drei Tagen 300 amerikanische Soldaten getötet hat und nun von Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels zum Star des Kinofilms Stolz der Nation gemacht wurde. Aus (unerwiederter) Zuneigung zu Shosanna kann Zoller Goebbels überreden, die Premiere des Films in ihrem Kino stattfinden zu lassen. Zuständig für die Sicherheit der Veranstaltung: Hans Landa. Die erste Hälfte dieses Kapitels büßt zunächst einiges an Tempo ein, das Gebalze des von Daniel Brühl gespielten Zoller ist lapidar, doch mit Landas Auftauchen ist sofort wieder Zug im Geschehen. Mélanie Laurents Spiel, sie beim Unterdrücken von Hass und Wut und Abscheu zu beobachten, setzt einen perfekten Kontrast zu Waltz‘ zuvorkommender Freundlichkeit. ----------------------------------------------------------------- ‚Operation Kino‘, das vierte Kapitel, mutet zunächst wie das unspektakulärste an. Der britische Geheimdienst hat von der Kinopremiere erfahren und entsendet Archie Hicox zu den Basterds, mit deren deutschen Mitgliedern er sich mit der Schauspielerin und Geheimagentin Bridget von Hammersmark treffen soll. Doch der für sicher gehaltene Treffpunkt in einer Kellerbar offenbart ein Problem, denn er ist voll von deutschen Soldaten, die ihren freien Abend genießen. Die Nazis und von Hammersmark spielen zunächst ein Spiel, bei dem es die Person zu erraten gilt, die einem auf einen Zettel geschrieben vorm Kopf klebt. Die Runde ist ausgelassen, einer der Soldaten feiert sein Vaterglück und alle sind begeistert von dem Filmstar in ihrer Mitte. Dann tauchen Hicox und die Basterds auf. Was Tarantino aus dieser Situation konstruiert, ist eine der großartigsten Sequenzen von „Inglorious Basterds“. Von Hammersmark und ihre drei Komplizen wollen gerade den Plan besprechen, als der von August Diehl gespielte SS-Sturmbannführer Hellstrom auftaucht, sich zu ihnen setzt und sich über Hicox seltsame Aussprache wundert. Als er vorschlägt, das Spiel der Soldaten aufzugreifen, leitet Tarantino damit einen Suspense-Moment erster Güte ein, bei dem Diehl und der von Michael Fassbender gespielte Hicox einander auszustechen versuchen, was mit einigen auf Hoden gerichtete Waffen und schließlich in einem radikalen Blutbad endet, welches sämtliche dramaturgischen Regeln austanzt. ----------------------------------------------------------------- Im fünften Kapitel, ‚Revenge of the giant Face‘, finden die Handlungsstränge um die Basterds und Shosanna zusammen. Hier zündet gleich zu Beginn der großartigste Gag des Films, wenn Aldo Raine und seine Männer sich als Italiner ausgeben, dem einwandtfrei auf Italienisch palierenden Landa vorgestellt werden und Pitt mit breitestem Südstaatenakzent nur einige Brocken zustande bringt. Der Schlussakt ist dann auch wahrlich der Höhepunkt von „Inglourious Basterds“. Wie Tarantino den Racheplot um Shosanna und jenen um den Auftrag der Basterds letztlich auflöst, wohin er seine Charaktere letztlich treibt, ist teils bitter, teils verblüffend und stellt die Historie endgültig auf den Kopf, wobei sich der Film ja ohnehin von Beginn an als pures ‚What if‘-Spektakel versteht und dementsprechend weit geht. ----------------------------------------------------------------- Fünf Kapitel, ein Film. "Inglourious Basterds" ist in jedem seiner Teile und als Gesamtstück ein Meisterwerk. So simpel die Story zunächst anmutet, so vielschichtig setzt Tarantino sie besonders über die Charaktere um, auf verwinkelte Erzählmanöver verzichtet er gänzlich und hat sie dank der ausgefeilten Leistungen seines Ensembles auch nicht nötig. Christoph Waltz ragt zwar heraus mit seiner aufsehenerregenden Performance, auf der Stufe unter ihm tummelt sich aber ebenfalls geballte Klasse, aus der nicht mal die zuvor als potenzielle Störfaktoren ausgemachten Schweiger und Diane Kruger herausfallen. Bei letzterer kann man sich zwar nicht ganz sicher sein, was da schauspielerisch tatsächlich gewollt oder einfach nur nicht besser gekonnt ist, aber wirklich schlecht spielt sie nicht. Handwerklich ist der Film in allen Bereichen bestens gelungen, sei es die Ausstattung, Robert Richardsons mal beinahe intime, dann wieder elegante und schwungvolle Kameraführung, oder die standesgemäß passgenaue Songauswahl. „Inglourious Basterds“ ist ein Kino-Größtereignis, dem man so viel mehr abgewinnen kann, als pures Entertainement, obwohl Tarantino ihn näher daran positioniert, als man hätte vermuten können. Keine Minute zu lang, keine Szene zu viel und insgesamt ein Film, der sich vor vielem verbeugt und der selbst am Ende die tiefste Verbeugung verdient. ----------------------------------------------------------------- komplette Review siehe http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=418824324&blogId=506501459
    Dr. Flow
    Dr. Flow

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    0,5
    Veröffentlicht am 2. Oktober 2013
    Dieser Film mag vielleicht den feuchten Träumen pubertierender "wow-wie-sophisticated!"-Jünger Nahrung geben, ansonsten bietet er dem auch nur halbwegs intelligenten Betrachter nichts von Belang. Im Gegenteil: Die sinnlose Gewaltdarstellung ist verletzend, die Dialoge lächerlich, die Charaktere nicht vorhanden und schließlich die Missachtung jeglicher Sensibilität angesichts des geschichtlichen Hintergrunds eine bodenlose Unverschämtheit. Dass der emotionslose Stumpfsinn auch noch mit Millionen aus dem deutschen Filmförderfonds ausgestattet wurde macht schlicht sprachlos. Man könnte meinen Tarantino war sich dessen voll bewusst und wollte absichtlich prüfen, wie sehr dieser Film dennoch hochgelobt werden würde. Chapeau! Es ist wie in der ganzen aktuellen Kunstszene - der Name macht den Preis, nicht das Werk!
    Blinder
    Blinder

    User folgen Lies die 14 Kritiken

    1,5
    Veröffentlicht am 25. Februar 2010
    Der Film hält nicht, was es verspricht. Was sollte das für eine langweilige Angangsszene? Wenn man die Werbung sieht, denkt man, es erwartet einen ein Actiongeladener Film. Dabei gibt es vielleicht 3 oder vier Kampfszenen. Aber das schlimmste ist, was so ein Film aussagt: Man darf Menschen töten, die es verdienen. In diesem Film sind die Bösen die Guten. Wehmachtssoldaten waren nicht alle Nazis (Bin kein Deutscher sondern Türke). Warum wird dann ein deutscher Offizier der wegen Tapferkeitmedailler trägt brutal mit dem Baseballschläger getötet, nur weil er seine Kameraden nicht verrät? Ein ganz gefährlicher Film. Jemand der so einen Film sieht könnte daraus vielleicht lernen, das die Bombardierungen von Afghanistan und Irak gerechtfertigt sind, weil die Menschen Terroristen sind und den Tot verdienen. Tarantino verliert den Boden unter den Füßen.
    JakeGittes93
    JakeGittes93

    User folgen Lies die 4 Kritiken

    0,5
    Veröffentlicht am 3. Dezember 2010
    âžEs war einmal⦠im von Nazis besetzten Frankreichâœ, so beginnt das erste von fünf Kapiteln des neuen Meisterwerks von Kultregisseur Quentin Tarantino (*27. März 1963) aus Knoxville, Tennessee. Und so ähnlich könnte auch sein ganz eigenes Märchen anfangen. Es war einmal⦠ein Filmfanatiker aus Los Angeles der für das Schaffen eines modernen Klassikers, einer Fusion der unkonventionellen Darbietung zu einem der kommerziell erfolgreichsten Streifen der 90er verantwortlich war: Pulp Fiction. Der Rest ist Filmgeschichte. Und nun, am 20. August diesen Jahres, wurde der rote Teppich am Potsdamer Platz ausgerollt, um sein neuestes Werk zu bestaunen. Inglourious Basterds, stand auf den Plakaten in tiefschwarzem Schriftzug und umrahmte eine, wie in jedem Tarantino-Film, beachtliche Schauspielerriege, angeführt von Hollywood-Beau Brad Pitt, welcher neben den Ehemann-Status der âžsexiest woman alive✠als einer der vielseitigsten und aufregendsten Charakterköpfe seiner Generation gilt. Doch ist es ein anderer Darsteller, nicht mal Amerikaner, welcher dem Star des Films die Show bis zur letzten Szene stiehlt. Aber dazu später mehr. Wie gesagt: âžEs war einmal⦠im von Nazis besetzten Frankreichâœ, steht da weiß auf schwarz auf der großen Leinwand. So oder so ähnlich beschreibt sich der erste Kapitelbeginn des genialsten Filmes 2009 und des interessantesten Kriegsfilmes der letzten zehn Jahre. Oberst Hans Landa (Christoph Waltz), der âžJudenbärâœ, wie er wegen seiner Tätigkeit genannt wird, sucht, findet und löscht versteckt gehaltene Juden aus. Der Verdacht der Nazis, ein einfacher Milchbauer bietet einer Judenfamilie ebenfalls Schutz, bestätigt sich in ein Blutbad. Doch die junge Shosanna (Mélanie Laurent), Tochter der jüdischen Familie, überlebt und flieht nach Paris, wo sie ein kleines Kino betreibt. Sie glaubt sich drei Jahre lang in Sicherheit bis das Unerwartete eintritt: Ihre Wege kreuzen sich mit dem Mörder ihrer Familie, denn Landa wird Hauptverantwortlicher für den sicheren Ablauf einer Kinopremiere, die in Shosannas Kino ausgestrahlt werden soll. Und als Gäste im Publikum werden keine geringeren als Goebbels, Göring und Adolf Hitler himself erwartet. Die Titelhelden, die Basterds, eine Gruppe jüdischer, rachelustiger Soldaten unter der Leitung des US-Leutnants Aldo Raine (Brad Pitt) planen in Zusammenarbeit mit dem Leutnant Hicox (Michael Fassbender), vom britischen Geheimdienst, einen Sprengstoffanschlag auf das Regime und rechnen sich somit ernsthafte Chancen auf das Ende eines blutigen Krieges aus. Der damalige (fiktive) deutsche Filmstar Bridget von Hammersmark (Diane Kruger) arbeitet als Undercover für die Basterds und soll drei von ihnen in die Premiere einschleusen. Doch unser alt bewährte Hans Landa ist bemüht den ausgeklügelten Plan zu seinem ganz persönlichen Vorteil umzumünzen. Nachdem beachteten Trailer im Internet, mochte man eine zweieinhalbstündige, erbarmungslose Nazi-Kloppe mit Waffen jeglicher Art erwarten und somit ein ähnlich bluttriefendes Epos wie einst Kill Bill. Doch entpuppt sich Tarantinos neuer Streifen als überraschende Wundertüte. Und dies nicht nur hinsichtlich eines kreativen Waffennutzens (Filmrollen können hier mal als fulminanter Sprengkörper dienen), sondern bereits die Anfangsszene rechtfertigt die Bezahlung der Kinoeintrittskarte. Fast zwanzig Minuten nimmt ein nervenzerreißendes und durch einen latenten Spannungsaufbau kaum zu ertragendes Wortgefecht zwischen Landa und dem französischen Milchbauern in Anspruch und beweist sich zu einer Sternstunde des modernen Kinos. Und auch im gesamten filmischen Kontext fällt âžIB✠blutleerer aus, als vermutet. Was überwiegt sind sorgfältig geschliffene Dialoge von ungeheurer Intensität und Ausdrucksstärke, welche über kurze Jahre zu einem Merkmal Tarantinos avanciert sind. Zynismus und Wortspiele werden mit Kraftausdrücken zu einem künstlerischen und doch authentischen Cocktail der Wortakrobatik gemixt. Bei Brad Pitt sind es die Figuren selbst, die beim Zuschauer hängen bleiben. Auch Aldo Raine ist ein solcher Charakter. Allein mit seinem Südstaatenakzent und der jetzt schon legendären Ansprache während des ersten Aufeinandertreffens der Basterds, hat sich die Rolle wohl auf Immer und Ewig ins kollektive Popkulturgedächtnis eingebrannt. Doch wie, gesagt, es ist ein Nicht-Amerikaner, der sich aufgrund seines analytischen, rationalen Auftretens selbst eine furchteinflößende Aura verleiht, sodass es dem Zuschauer den Atem stockt, wenn dieses fanatische, perfide und höchst intelligente Multi-Sprachtalent Hans Landa den Mund öffnet. Der Österreicher Christoph Waltz dürfte auch unter Filmkennern ein recht ungeschriebenes Blatt sein. Dabei ist seine Kunst, der Figur eine komplexe Faszination des Bösen abzugewinnen und gleichzeitig mit seinem genial-abscheulichen Spiel die Sympathien der Zuschauer für seinen Charakter zu wecken, mehr als beeindruckend. Es ist leinwandflutend. Selten war ein Zuschauer in einer inneren Unruhe zwischen Ablehnung und Anziehung gegenüber einer Filmfigur gefangen. Waltz sah sich glücklicherweise in der Lage, aus einer fantastischen Wortvorlage eine Figur zu kreieren, welche sich auf Messers Schneide zwischen Fiktion und Realität bewegt, bis es kaum noch einer zu trennen vermag und verleiht Oberst Landa einen bösartigen Tiefgang wie einst Anthony Hopkins als Hannibal Lecter. So ist Waltz der Motor und stellt damit eindrucksvoll dar, dass ohne seine Anwesenheit, die Inszenierung des Films beinahe gescheitert wäre, wie auch Tarantino bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes erklärte, als Waltz seinen Preis als bester Darsteller entgegennahm. Nicht zu vergessen sind dennoch die deutschen Mitwirkenden vor der Linse. Michael Fassbender etwa hat die Tür nach Hollywood ein für allemal weit offen reißen können und überzeugt als britischer Kontaktmann. Daniel Brühl und Til Schweiger spielen solide. Einzig und allein Diane Krugers Spiel ist von einer konsequent schlechten Leistung gekennzeichnet und bereitet dem Zuschauer chronische Kopfschmerzen. Tarantino allerdings macht in der Rolle des Strippenziehers alles richtig, gar einwandfrei. Gewaltexzesse ordnen sich schauspielerischer Glanzleistungen und einer klassischen, aber experimentierfreudigen Inszenierung und Bild-Poetik unter und münden in ein Filmerlebnis der besonderen Art, abseits von Mainstream und Popkornkino. Doch kommt es zur Gewalt, dann richtig und gerne extrem, am Rande der Grenzüberschreitung. So ist das âžSkalpieren der Naziskalpsâœ, also die Trennung der Decke vom Schädel oder das Einritzen eines Hakenkreuzes auf die Stirn der Feinde nichts für schwache Nerven und als ein regelrechter Frontalschlag auf die Magengrube zu bezeichnen. Nichts desto trotz ist und bleibt das Verknüpfen von Spaghettiwestern, Kriegsfilm, Actiongroteske und sogar böse Satire üben den Nationalsozialismus und dessen Propaganda eine verblüffend zu sehende Aufhebung klarer Genregrenzen und die Erzeugung eines bunten Genre-Feuerwerkes. Dazu gehört ein Filmdetailwissen ebenso wie ein Mut, den nur Tarantino aufbringen kann. Nahm er sich doch glatt das Recht eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte in ihren Vorkommnissen zu ignorieren und den Tod Hitlers umzuschreiben, gar das Kino als Schuldigen für dessen Mord zu präsentieren - der Beweis einer tiefen, innigen Liebe zum Kino in ganz spezieller Form. Tarantino zauberte sein bislang stärkstes Drehbuch in ein Fantasieepos ohne jegliche Spezialeffekte und Zauberwesen, sondern mit Menschen aus Fleisch und Blut. Menschen, welche Geschichte schrieben und solche, welche Geschichte geschrieben hätten, wären sie existent gewesen. Und doch beweist Tarantino sein gesundes Verständnis für Realismus und weiß auch seine Fiktion zu definieren und klar zu trennen indem er die Geschichte um Aldo Raine und Hans Landa als Märchen beginnt, wie ein Netz webt und enden lässt. Q.T. ist kein Ausnahmetalent, welches sich in eine Schublade des Kapitalismus, Kommerzes und der Profitgier hat stecken lassen. Im Gegenteil. Durch seine Eigenartigkeit Filme auf die große, internationale Leinwand zu bringen, durch seine äußerst mutige und oftmals gewagte Inszenierung von Gewalt im Gleichgewicht zu Wortgefechten und Retroelementen, sowie durch seine charmante Art und Weise die eigene Persönlichkeit in Form von Musik, Worten und Selbstironie durchschimmern zu lassen, ist er zu einem Unikat Hollywoods geworden. Er dreht weniger Filme, er lebt sie. Quentin Tarantino ist die menschgewordene Experimentierfreudigkeit und zugleich der Forscher seiner selbst, ohne auf den Gedanken zu kommen, die filmischen Wurzeln zu verlassen. Christoph Waltz Figur sagt gegen Ende des Films unter Ausbruch der Vorfreude einen Satz, der sich sowohl auf die steile Karriere und das verblüffende Talent Tarantinos, als auch auf dessen Inglourious Basterds übertragen lässt: âžOh, das war ein BINGO!âœ.
    limidario
    limidario

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    0,5
    Veröffentlicht am 8. März 2010
    super wie der deutsche dargestellt wird
    soulface
    soulface

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    5,0
    Veröffentlicht am 25. Februar 2010
    Ich gehöre zu den wenigen Leuten hier auf diesen Planeten die absolut KEIN tarentino Fan sind, aber dieser Film haute mich echt um..Von der ersten bis zur letzten Minute spannend mit genialer musik untermalt..traumhafte Kameraführung mit der excellenten darstellung der Deutschsprachigen darsteller..EIN WAHNSINN!! ALLEINE DIE SZENE WO HITLER UND SEINE MÖRDERHUNDE MASSAKRIERT WERDEN::SCHON ALLEIN WEGEN DIESER SZENE LOHNT ES SICH DIESEN FANTASTISCHEN FILM SICH ANZUSEHEN!! PRÄDIKAT: WERTVOLL.
    Marcel G.
    Marcel G.

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    1,0
    Veröffentlicht am 26. September 2013
    Quentin Tarantino hin oder her, der Film hat mich in fast allem enttäuscht. Lediglich die ersten 15/20min mit Christopher Walz sind es wert das man den Film anschaut, der rest is so dermaßen plump das man ihn sich garnicht anschauen will. spoiler: Das schrecklichste ist das Ende, so lächerlich das die nicht auffliegen, mehr als ein schmunzeln das da welche sind die kein bisschen deutsch sprechen kommt nicht?!, wenn ALLE obersten Ränge der kompletten deutschen Wehrmacht anwesend sind. Der Film gehört in die "schlechte Fantasyfilme" Kategorie
    Duc L.
    Duc L.

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    5,0
    Veröffentlicht am 1. Februar 2013
    Ein Meisterwerk von einem Film. Herauszuheben sind eindeutig die ersten 2 Kapiteln sowie die Szene im "Pub" unten im Keller und die Szene wo Brad Pitt und ein paar von seinen Leuten "italienisch" reden! Über Christoph Waltz ist alles gesagt.. für mich die beste schauspielerische Leistung seit langem die ich gesehen habe!!! Wie er Hans Landa spielt ist schlicht und ergreifend genial!!
    Solefeet
    Solefeet

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    1,0
    Veröffentlicht am 17. August 2010
    Meine Güte! Welch ein Gefasel. Dialoge? Story? Eine Homage gar? Der Film ist eher eine Abschlussarbeit auf TV-Qualitätsniveau. Mein Rat: üben, üben, üben. Aber leider: es ist der "große" Tarantino, der offensichtlich die Kontrolle über seinen Film verliert! Anstatt einen herrlich politisch unkorrekten Splatter-Anti-Nazikriegsfilm zu inszenieren, stoppelt er pubertäre Gewaltfantasien in haarsträubenster Blödheit aneinander. Ohne jegliche Inspiration, Innovation oder auch nur Lust an der Inszenierung. Das immerhin stand bislang für einen Tarantino-Film. Den Kommerz-Oscar für Christoph gibt es für eine Szene wie aus der Creative-Writing-Class entsprungen. Den armen Brad lässt er bräsig wie nie seinen Text aufsagen und der aus Goodbye-Lenin wie-hieß-er-noch-gleich steht etwas verloren in den Kulissen herum und wirkt immer wie ein Streber. Goebbels wirkt wie aus dem kölner Karneval entsprungen und über Hitler braucht man kein Wort zu verlieren (war das wirklich Helge Schneider?). Ach ja: Til! "Til, in diesem Film bist Du der böse, der aber gutes tut. Ok? Dann spiel das mal". Danke dafür, Quentin. Warum gab es dafür keinen Oscar? Also, entweder er musste noch einen (Pflicht-)Vertrag erfüllen oder er sollte sich unbedingt eine unbefristete kreative Auszeit nehmen. So 10 bis 20 Jahre etwa. Orson Welles hat ja für seine filmische Unsterblichkeit nur zwei Filme gebraucht. Es reicht also Quentin ... Du stiehlst mir meine Zeit!
    Sid V.
    Sid V.

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    1,0
    Veröffentlicht am 27. Juli 2013
    Viele ekelhafte Gewaltdarstellungen verderben einem den Spaß gründlich. Tarantino findet das wahrscheinlich witzig, aber es ist einfach nur krank und unnötig, da die Story genug Raum bietet um sich als Regisseur in der Übertreibung auszuleben.
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