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Nach 7 Tagen - Ausgeflittert
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Nach 7 Tagen - Ausgeflittert
Von Björn Helbig
Ein Film, der mit dem selten doofen deutschen Titel „Nach 7 Tagen – Ausgeflittert“ geschlagen ist, hat es an sich schon schwer. Bei einem Blick auf die Regisseure – Peter und Bobby Farrelly – wird die Sache dann aber doch interessant. Schließlich haben die Brüder schon ein paar kultverdächtige Filme im Gepäck. Der Name „Farrelly“ ist (leider) keiner, der per se Qualität garantiert. Gewährleistet ist eigentlich nur, dass das Ergebnis nicht ohne reichlich Zoten und ein paar gepflegte Tabubrüche auskommt. Auch wenn „Nach 7 Tagen – ausgeflittert“ im Vergleich zur 08/15-Hollywoodkomödie hervorsticht, bieten die Farrellys doch nichts, was sie nicht schon mal so ähnlich und vor allem besser gezeigt hätten.

Eddie Cantrow (Ben Stiller) ist mit 40 immer noch unverheiratet. Die ganze Welt scheint aus Pärchen zu bestehen, doch für Eddie war die passende Frau bisher noch nicht dabei. Das ändert sich schlagartig, als er in den Straßen von San Francisco die bezaubernde Lila (Malin Akerman) kennen lernt. Die Liebe schlägt ein wie eine Bombe und ehe sich Eddie versieht, gehört er ebenfalls zum Club der Verheirateten. Ist das alles ein Traum? Wohl eher ein Albtraum, denn in den Flitterwochen in Mexiko zeigt Lila ihr wahres Gesicht. Hinter der schüchternen Wissenschaftlerin steckt eine klammernde, sexhungrige Ex-Kokserin, die Eddie mit ihrem Dauergesang fast um den Verstand bringt. Eine Auszeit vom Flitterhorror stellt sich erst ein, als Lila aufgrund eines starken Sonnenbrands das Zimmer hüten muss. Währenddessen lernt Eddie die sympathische Miranda (Michelle Monaghan) kennen und muss sich sehr bald eingestehen, dass er lieber mit ihr seine Zeit verbringt als mit seiner Angetrauten. Zerrissen zwischen zwei Frauen sucht Eddie nach einem Ausweg aus der Misere.

Das Markenzeichen von Peter und Bobby Farrelly, das Spielen mit und das Brechen von Tabus, zieht sich als roter Faden durch ihr ganzes Filmwerk. Schon in ihrem anarchischen Erstling „Dumm und Dümmer“ ließen sie Jim Carrey und Jeff Daniels durch ein wahres Fest der Peinlichkeiten rauschen; aber erst mit Verrückt nach Mary landeten sie einen richtigen Hit, der Qualität mit Box-Office-Stärke vereinen konnte. Für viele ist dieser Film einer der lustigsten, die je gemacht worden sind. Die nachfolgenden Filme „Kingpin“, „Ich, beide & Sie“, Unzertrennlich und Schwer verliebt, alle mehr oder weniger erfolgreich an den Kassen, enthielten die von den Brüdern bekannten Attacken auf die Zone unterhalb der Gürtellinie, deuteten aber auch schon das beschränkte Repertoire der Regiebrüder an. Künstlerisch konnte keiner der Filme dem Reigen um die schöne Mary das Wasser reichen. Da wirkt es doch eigentlich wie ein gutes Zeichen, dass die Farrellys in ihrem neuen Film wie bei ihrem größten Erfolg endlich wieder mit Ben Stiller zusammen arbeiten. Doch auch wenn die Vorzeichen günstig standen - bei „Nach 7 Tagen - Ausgeflittert“ verfestigt sich der Eindruck, dass der Humor der Brüder seit einiger Zeit auf der Stelle tritt.

Bei „Nach 7 Tagen – ausgeflittert“ handelt es sich um das Remake des Films „Pferdewechsel“ (engl. „The Heartbreak Kid“) aus dem Jahre 1972, der auf einer Kurzgeschichte von Bruce Jay Friedman („A Change Of Plan“) beruht. Die Farrellys, erklärte Fans des Originals, sahen in der Geschichte ein enormes Gagpotenzial und beschlossen, das Projekt durchzuführen. Dass Ben Stiller (Meine Braut, ihr Vater und ich, Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich) mit an Bord kam, darf als genau so ein Glückfall bezeichnet werden, wie dass man seinen leiblichen Vater, den Komiker Jerry Stiller, den viele als Frank Costanza aus der TV-Serie „Seinfeld“ oder als Arthur aus „King Of Queens“ kennen, dafür gewinnen konnte. Zusätzlich schmückt die Besetzungsliste die bezaubernde Michelle Monaghan (Mission: Impossible III), Kiss Kiss Bang Bang, die als Miranda eine sehr gute Figur macht (niemand spielt betrunkene Frauen attraktiver!). Für ihre schmerzfreie Performance muss auch Malin Akerman („The Skrulls“) gelobt werden. Sicherlich hätten berühmtere Schauspielerinnen vor der Rolle gekniffen. Kurzum – es liegt nicht an den gut aufgelegten, sympathischen Darstellern, dass der neue Farrelly nicht der große Wurf geworden ist.

„Nach 7 Tagen – ausgeflittert“ ist in vielerlei Hinsicht nicht der schlechteste Film der Farrelly-Brüder. Die Gagdichte ist recht hoch, die Darsteller sind gut bis wunderbar. Auch die Regiefähigkeiten der Farrellys haben sich, wenn auch nicht weiter-, so doch zumindest nicht zurückentwickelt. Der Humor allerdings, ist noch der gleiche wie eh und je. Und das im negativen Sinne. Überspitzt: Der Film ist die pure Stagnation. Die Überzeugung, dass Peinlichkeit allein schon einen guten Gag garantiert, scheint seit ihrem ersten Film nicht einen Deut verrückt worden zu sein. Weder die Tabubrüche noch die skurrilen Figuren (Carlos Mencia als schmieriger Onkel Tito, Rob Corrdry als der unter der Fuchtel seiner Frau stehende Freund von Eddie) überraschen mehr. Vieles wirkt gewöhnlich und lahm.

Das soll nicht heißen, dass es nicht auch bei „Nach 7 Tagen – ausgeflittert“ viel zum Lachen oder zumindest zum Schmunzeln geben würde. Vor allem Ben Stiller und der souveränen Michelle Monaghan ist es zu verdanken, dass der Film wieder ein paar Sympathiepunkte einspielt. Doch ganz gelingt es ihnen nicht, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Für diese Geschichte wirken derber Witz und Schadenfreude kontraproduktiv. Dass man sich für keinen Gag zu schade sein braucht, trotzdem wert auf die Figuren legen und intelligent unterhalten kann, hat das Kreativteam rund um Judd Apatow mit Jungfrau (40), männlich sucht…, Beim ersten Mal und Superbad eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit ein paar Zwischentönen, hätte man hier sehr viel mehr erreichen können. Zu Gunsten der gewohnt schlüpfrigen Gags werden aber leider die Figuren und die (recht vorhersehbare) Geschichte auf ein unzweckdienliches Maß vereinfacht und überzeichnet, bis genau das passiert, was in einer Komödie nicht passieren sollte: Die Figuren werden dem Zuschauer egal. Infolgedessen langweilt auch die Story. Spätestens nachdem Eddie Miranda kennen gelernt hat, ist im Großen und Ganzen klar, wie es weiter- und schließlich ausgeht. Obwohl: Das recht biedere Happy End nach den ganzen Bösartigkeiten, die sich die Farrellys bis dahin für ihre Figuren ausgedacht haben, wird den einen oder anderen vielleicht doch überraschen.

Fazit: Die Farrellys stagnieren. Ihr Humor ist ganz der alte geblieben und zu dieser Geschichte will er nicht so recht passen. Trotz einer Handvoll denkwürdiger Szenen (Stichwort: portugiesische Galeere) ist das Ergebnis nur als mittelmäßig zu bezeichnen.
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