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    Ghost - Nachricht von Sam
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Ghost - Nachricht von Sam
    Von Björn Helbig
    Bis zu diesem Film war Jerry Zucker (Rat Race) vor allem für seine Drehbücher bekannt, die er zusammen mit seinem Bruder David und seinem Freund Jim Abrahams schrieb. Mit „Ghost – Nachricht von Sam" führte er zum ersten Mal allein Regie und landete gleich einen Superhit. Bis dato spielte der Film über 500 Millionen Dollar ein. Doch die Fantasy-Romanze war nicht nur ein kommerzieller Erfolg, sondern verkörpert Hollywood im besten Sinne: herzzerreißend, traurig, spannend, lustig und magisch. „Ghost – Nachricht von Sam" gewann zwei Oscars, 14 weitere Preise und erhielt insgesamt 20 Nominierungen.

    Ein kurzer Blick auf das Leben des erfolgreichen Bankers Sam Wheat (Patrick Swayze) und seine große Liebe, die Künstlerin Molly (Demi Moore), genügt, um zu sehen – die beiden haben ihr Glück gefunden. Doch dann geschieht etwas Furchtbares: Nach einem Theaterbesuch werden Molly und Sam überfallen. Ein kurzer Kampf, ein Schuss, der Angreifer flieht. Es dauert einen Moment, bis Sam realisiert, dass er getroffen und tödlich verwundet wurde. Als Geist ist er in einer Sphäre zwischen Leben und Tod gefangen. Er nimmt alles um sich herum wahr, kann sich zu seinem Schrecken aber nicht bemerkbar machen. Dies erweist sich als besonders schlimm, da Sam herausfindet, dass sich sein Mörder nun auch an Mollys Fersen geheftet hat. Steckt etwa mehr hinter der Sache als ein einfacher Diebstahl? Zufällig findet Sam heraus, dass die Kleinganovin Oda Mae Brown (Whoopi Goldberg), die sich als Medium ausgibt, in der Lage ist, ihn zu hören. Mit ihrer – nur sehr widerwilligen – Hilfe versucht Sam Molly zu retten.

    „I love you" – „Dito"

    Filme, die es schaffen, verschiedene Emotionen gleichermaßen zu bedienen und so von Anfang bis Ende perfekt unterhalten, sind eine Seltenheit. Im Falle von „Ghost – Nachricht von Sam" ist dieses Kunststück gelungen. Ob man eine Komödie, eine Lovestory oder einen Mystery-Film vor sich hat, ist nicht leicht zu beantworten. Sicher ist aber: Das Ergebnis ist ergreifend und großes Kino. Man kann im Nachhinein sagen, dass der Film für alle Beteiligten ein großer Gewinn war. Für einige war er sogar der Höhepunkt ihrer Karriere. Nicht nur der 1952 in Houston, Texas, geborene Patrick Wayne Swayze, welcher durch seine Rolle als Orry Main in der TV-Mini-Serie „Fackeln im Sturm" bekannt geworden war, konnte sich nach dem Hit Dirty Dancing erfolgreich von seinem Tänzer-Image freispielen. Auch für Demetria Gene Guynesm, besser bekannt als Demi Moore, bedeutete „Ghost – Nachricht von Sam" den Peak und gleichzeitig Point Break ihrer Karriere. Den Tiefpunkt erreichte sie fünf Jahre später mit „Striptease" und ein Jahr später mit „Die Akte Jane". Auch das Spiel von Whoopi Goldberg (Die Farbe Lila, Durchgeknallt - Girl Interrupted) war vielleicht nie besser – auch im Sinne von ausbalancierter – als hier. Das Drehbuch lässt ihr genügend Raum, ihre extrovertierten Qualitäten auszuspielen, verhindert aber, dass sie sich zu sehr in den Vordergrund drängt. Die Rolle als Medium Oda Mae Brown („Why don't you go haunt a house? Rattle some chains or something.") brachte ihr dann sogar den Oscar für die beste Nebenrolle ein. Nicht unerwähnt bleiben soll aber auch Tony Goldwyn (Last Samurai), Sams Freund und Arbeitskollege Carl Bruner, der sich zunächst als Witwentröster und peu á peu als äußerst dubioser Charakter entpuppt. Goldwyn spielt so gut, dass man für seinen Charakter, der hundertprozentig auf Minus gepolt ist zum Schluss Mitleid empfinden muss. Nein, von so höllischen schwarzen Schatten geholt zu werden, hat er ebenso wenig wie sein Scherge Willie (Rick Aviles) verdient.

    Der zweite Oscar ging an das hervorragende Drehbuch aus der Feder von Bruce Joel Rubin, der zuvor lediglich die Story zum nicht üblen Sci-Fi-Thriller „Brainstorm" (1983) und das Script für Wes Cravens „Deadly Friend" (1986) geschrieben hatte. Mit „Ghost – Nachricht von Sam" erweist Rubin sich dann wie aus dem Nichts als Meister des Fachs und legt eine ergreifende Geschichte vor, die Fantasie, Humor, Tragik (Taschentücher bereit halten!), einer Prise Erotik und einer Menge Schmalz zu einem schmackhaften Ganzen zusammen führt. Die Mischung macht's. Die Gags zünden, die Geschichte um den verstorbenen Sam, der als Geist das Leben seiner geliebten Molly retten will fesselt, und die Töpferscheibenszene, die zu einer außerordentlichen Beliebtheitswelle entsprechender VHS-Kurse geführt haben dürfte, wird auf ewig unvergessen bleiben. Den Oscar für den besten Film bekam der hierfür nominierte „Ghost – Nachricht von Sam" trotzdem nicht, dazu war 1990 die Konkurrenz zu stark. Die begehrte Trophäe ging in diesem Jahr an Der mit dem Wolf tanzt. Für „Ghost" erhielten weitere Nominierungen der dreifache Oscargewinner Maurice Jarre (Der Club der toten Dichterfür die Filmmusik und Walter Murch für den Schnitt.

    „It's amazing, Molly. The love inside, you take it with you. See ya."

    „Ghost – Nachricht von Sam" ist ein Film für die ganze Familie. Jede Alterschicht wird ihre eigenen Erfahrungen aus dem Stoff ziehen. Doch unabhängig allen (berechtigten) Lobes sollte man den Film, gerade im Kreise der Familie betrachtet, zum Anlass nehmen, dessen Konzept von Gut und Böse zu thematisieren. Der ab zwölf Jahre freigegebene Film vermittelt ein Bild von der Welt, in der es weder Gnade noch Vergebung gibt und von dem man kaum wollen kann, dass es sich die jüngeren Zuschauer zu eigen machen. Nicht, dass es den eigenen Kindern nach dem Film ergeht wie dem 11-jährigen Sebastian in Marcus Rosenmüllers humorvoller Auseinandersetzung mit einem wörtlich genommenen Katholizismus in Wer früher stirbt, ist länger tot!
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