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Hitman - Jeder stirbt alleine
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Hitman - Jeder stirbt alleine
Von Carsten Baumgardt
Hoppla, is’ denn scho’ wieder Kalter Krieg? In den Achtzigerjahren, einem Jahrzehnt mit einem ganz speziellen Charme lediglich für Anwesende, galt der böse Russe als Vorzeigefeindbild für das amerikanische Testosteron- und Spionage-Kino. Diese Zeiten schienen seit der Öffnung Russlands zum Westen längst vergessen. Doch Präsident Wladimir Putin hat es mit seiner Politik über die Jahre geschafft, wieder ein feines Misstrauen zu schüren, dessen Essenz jetzt in Xavier Gens’ Action-Thriller „Hitman“ potenziert auf der großen Leinwand explodiert. Dabei ist die Verfilmung des vierteiligen Videospiel-Klassikers keineswegs so tumb, wie vielerorts verkündet, lahmt aber dennoch, weil die hehren Absichten nicht konsequent genug umgesetzt werden.

Agent 47 (Timothy Olyphant) ist der gefährlichste, kaltblütigste und präziseste Killer der Welt. Auf sein Konto gehen Dutzende von Auftragsmorden. Genetisch hochgezüchtet und von einer von der Kirche verbannten Bruderschaft aufgezogen, hat er nicht einmal einen richtigen Namen. Lediglich die Nummer 47, die als Strichcode auf seinen kahlrasierten Schädel tätowiert ist, kennzeichnet ihn in seiner einheitlichen Uniform (schwarzer Anzug, rote Krawatte, zwei schallgedämpfte Kanonen) als Individuum. Sein neuester Auftrag bringt den Attentäter plötzlich auf die andere Seite der gezückten Pistolenläufe. Nachdem er den russischen Präsidenten Mikhail Belicoff (Ulrich Thomsen) eliminiert hat, ist nicht nur der russische FSB auf seinen Fersen. Interpol-Agent Whittier (Dougray Scott) sitzt ihm ebenfalls im Nacken und seine Auftraggeber wollen nichts mehr von ihm wissen. Agent 47 zeigt eine ungewohnte Sentimentalität, als er die Augenzeugin Nika (Olga Kurylenko) am Leben lässt. Die Prostituierte war Belicoffs Eigentum und ist nun eine weitere Bedrohung. Verzwickter wird der Fall, als Agent 47 feststellt, dass Belicoff trotz gezieltem Kopfschuss noch lebt. Entweder hatte der Präsident einen nun toten Doppelgänger oder ein Doppelgänger führt das Leben des Staatsoberhaupts weiter. So findet sich der Profikiller plötzlich inmitten eines brisanten politischen Machtspiels wieder...

Das Erfreuliche zuerst: „Hitman“ basiert zwar auf dem gleichnamigen Eidos-Spiel, kommt aber nicht unbedingt wie eine reine Videospielverfilmung daher, sondern versucht vielmehr kühn, in die großen Fußstapfen eines Jason Bourne zu treten. Xavier Gens’ („Frontier(s)“) hochoktaniger Inszenierung ist der Ursprung der Konsole zwar noch anzumerken, wenn beispielsweise die Figuren mit gezogenen Waffen durch die Gänge schleichen, aber für eine Spiel-Adaption wartet „Hitman“ doch im Kern mit einer halbwegs komplexen Story auf. Dass diese guten Ansätze nicht zufriedenstellend ausgespielt werden und am Ende doch die Simplizität siegt, steht derweil auf einem anderen Blatt.

Natürlich ist „Hitman“ hip und stylish. In flottem Tempo wird das Personal in Hochglanzoptik zwischen London, St. Petersburg und Istanbul hin und her gehetzt. Auch hier gibt sich der Film wie der kleine, rotzige Bruder der „Bourne“-Reihe, ohne je deren Brillanz aufzufahren, die in Das Bourne Ultimatum ihren Höhepunkt erreichte. Das erste „Hitman“-Spiel fand sich auf dem Index wieder. Das Spielprinzip, das den Spieler als Agent 47 seine Opfer zunächst ausspähen lässt, um die effektivste Tötungsmethode zu finden, rechtfertigt den heute medial überstrapazierten Begriff des Killerspiels durchaus. Diesen Umstand verschweigt die Kinoverfilmung keinesfalls und macht sich damit moralisch angreifbar. Wer ein Problem mit exzessiver Leinwandgewalt hat, dürfte aufjaulen, denn „Hitman“ macht keine Gefangenen. Da wird auch schon mal eine Kokser-Gesellschaft mittels schweren automatischen Waffen brutal niedergemäht und die Reste der Bagage (inklusive „Lost“-Star Henry Ian Cusick) an der Innendekoration verteilt. Hätte Gens darauf verzichtet, wäre er dem Bodycount der Vorlage aber nicht gerecht geworden, zumal der Film sowieso nur für Genrefans konzipiert ist.

Inmitten der bleihaltigen Dauerhetzjagd sorgen einige interessante Zwischentöne für Abwechslung. Regisseur Gens platziert das bildhübsche ukrainische Model Olga Kurylenko (The Snake) als phänomenales Eye Candy, das dem nur auf sich selbst fixierten Antihelden Agent 47 eine Reaktion abverlangt und eine merkwürdige Asexualität zu Tage fördert, die aber aus Unerfahrenheit rührt und für eine gewisse Komik sorgt. Kurylenkos Szenen sind für amerikanische Verhältnisse und das Genre erstaunlich freizügig, was jedoch seinen Hintergrund hat. Immerhin ist „Hitman“ eine (in Sofia gedrehte) amerikanisch-französische Kooperation, die von Stylepapst Luc Besson (Das fünfte Element, Nikita) produziert wurde. Dieser Einfluss ist stilistisch unverkennbar, zumal sich mit viel Wohlwollen Elemente von Bessons Meisterwerk Leon - Der Profi herauslesen lassen.

Zunächst war eigentlich Vin Diesel für die Hauptrolle des Agent 47 vorgesehen, doch der Wechsel hin zu Timothy Olyphant, der in Stirb langsam 4.0 zumindest Antagonisten-Präsenz gezeigt hat (selbst wenn er von Bruce Willis an die Wand gespielt wurde), macht sich nicht kriegsentscheidend bemerkbar. Mit aufgepumpten Muskeln ähnelt er Diesel gar, strahlt aber eine größere Verletzlichkeit aus, die für den Charakter wichtig ist. Dennoch gelingt es Olyphant nicht, übermäßig Sympathien zu wecken. Dougray Scott (Mission: Impossible 2, Dark Water, Enigma - Das Geheimnis) tritt als einzige wirklich positive Figur auf und wartet mit einer passablen Präsenz auf. Ulrich Thomsen (Das Fest, Brothers, Adams Äpfel) und Robert Knepper (D.O.A. - Bei Ankunft Mord) spielen die Erzbösewichte ohne nennenswerten Ereignischarakter und bleiben austauschbar. Hier sind die Russen in „guter alter“ Kalter-Krieg-Manier fies und böse. Der Franzose Gens nimmt kein Blatt vor den Mund und klagt das Gebaren Russlands mit einer Mischung aus Naivität und Mut unverblümt an – exemplarisch zu beobachten in einer Szene, in der der FSB ein Nervengas einsetzt, um die Massen – und somit den Täter – nach einem Attentat an der Flucht zu hindern. Das weckt unweigerlich Erinnerungen an die desaströse „Geiselbefreiung“ aus einem Moskauer Musical-Theater von 2002, wo 117 Menschen durch ein Kampfgas zu Tode kamen.

Dass die Leinwand-Umsetzung des beliebten Stealth-Shooters letztlich trotz viel versprechender Ansätze nur im Mittelmaß landet, hat weitere Gründe. Zum einen sind die Charaktere insgesamt zu aseptisch, um das Publikum tatsächlich mitreißen zu können. Und zum anderen bringt Regisseur Gens seine Ambitionen, die er an verschiedenen Fronten anmeldet, nicht so homogen zusammen, dass ein durchweg funktionierendes Ganzes daraus wird. Doch von cineastischen Untaten wie Andrzej Bartkowiaks No Brainer Doom ist „Hitman“ weit entfernt. Und für die Amerikaner hat der Film auch noch etwas Intellektuelles zu bieten: In einer Einblendung zu Beginn erfährt der Filmkonsument aus dem Mekka des bewegten Bildes, dass London in England liegt...
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