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    Darkman
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Darkman
    Von Björn Helbig

    Nach dem Horrorfilm „Tanz der Teufel“ und dessen Fortsetzung „Tanz der Teufel II“ sowie der ausufernden Krimi-Komödie „Die Killer-Akademie“ wollte Sam Raimi unbedingt einmal einen Comic verfilmen. Nachdem es ihm nicht gelang, sich die Rechte an „The Shadow“ und Batman zu sichern, beschloss er kurzerhand, sich einen eigenen Comichelden auszudenken. Inspirieren ließ er sich von Werken wie Das Phantom der Oper, „Der Elefanten-Mann“ sowie „Batman“. Und so schuf Raimi „Darkman“, einen tragischen Helden, der sich aufgrund seines entstellten Gesichts nicht frei in der Öffentlichkeit bewegen konnte, der es aber vermochte, künstliche Gesichter herzustellen und so zeitweise in der Lage war, sich als jemand anderes auszugeben. Das Ergebnis braucht sich nicht hinter anderen Superhelden-Verfilmungen zu verstecken.

    Der Wissenschaftler Payton Westlake (Liam Neeson) forscht an der Herstellung künstlicher Haut. Zu seinem Bedauern will es nicht gelingen, diese länger als 99 Minuten stabil zu halten. Gerade als er und sein Mitarbeiter herausfinden, dass die künstliche Haut im Dunkeln stabil ist, wird sein Labor von Robert G. Durant (Larry Drake) und seiner Schlägertruppe überfallen. Sie sind auf der Suche nach einem Memo, das Westlakes Freundin Julie (Frances McDormand) bei ihm gelassen hat. Dieses Dokument beweist, dass der Immobilienhai Strack (Colin Friels) in eine Schmiergeldaffäre verstrickt ist. Nachdem Durant das Memo gefunden hat, sprengt er das Labor in die Luft. Westlake wird schwer verletzt in einen Fluss geschleudert. Obwohl seine Leiche nicht gefunden wird, hält man ihn für tot.

    Auf dem Weg zum Superhelden ist es nicht unüblich, erst einmal zu verschwinden und/oder für tot gehalten zu werden, bis man dann wie ein Phoenix aus der Asche empor steigt und sein zukünftiges Leben der Verbrecherjagd widmet. So wird auch der grausam entstellte Westlake aus dem Fluss gefischt und in eine Spezialklinik gebracht, wo ihm gegen die Schmerzen die Nervenbahnen zum Gehirn durchtrennt werden. Diese neue Behandlungsmethode führt allerdings dazu, dass der Proband aufgrund der fehlenden körperlichen Stimulation Gefühle viel stärker wahrnimmt. Ein weiterer Effekt ist, dass mehr Adrenalin ausgeschüttet wird und so übermenschliche Kräfte verliehen werden. Mit diesen Fähigkeiten gewappnet, flieht Westlake aus der Klinik und beginnt einen Rachefeldzug gegen seine Peiniger. Mit seiner Methode der künstlichen Hautherstellung bastelt er Kopien der Gesichter seiner Feinde.

    Die Produktionsfirma Universal war mit an Bord und es gab einiges hin und her, die Auswahl der Schauspieler betreffend. Raimi wollte – wie so oft – seinen Leib- und Magenschauspieler Bruce Campbell (Armee der Finsternis) für die Hauptrolle des Westlake. Aber die Produzenten waren sich nicht sicher, ob Campbell diesen Part meistern könne. Dann war eine Zeit lang auch Gary Oldman (Léon - Der Profi, Batman Begins) im Gespräch, doch zu guter Letzt wurde Liam Neeson (Schindlers Liste, Kinsey) verpflichtet. Bestimmt keine schlechte Wahl, denn dieser schafft es ausgezeichnet, Westlake einen eigenen Stil der Bewegung zu geben und dessen Stimmungsschwankungen comic-adaäquat wiederzugeben. Außerdem macht es nicht wenig Spaß, Neeson einmal vor seiner großen Karriere zu sehen. Für die weibliche Hauptrolle wollte Raimi von Anfang an Frances McDormand (Fargo), doch zunächst sollte Julia Roberts die Figur der Julie spielen. Auch Demi Moore und Bridget Fonda waren im Gespräch. Schließlich setzte sich aber doch Raimis Erstwahl durch. Als Larry Drake (American Pie 2) dann noch für die Rolle des bösen Durant unterschrieb, war der wild gemixte Cast komplett.

    John A. Nesbit schrieb für toxicuniverse.com „Darkman” habe „...great explosive scenes, surreal dream sequences with lots of reds and yellows, and really gloomy scenes in darkened alleyways” zu bieten. Das stimmt. Allerdings sollten auch die zwiespältigen und negativen Aspekte von „Darkman“ erwähnt werden. Von einem gewissen Standpunkt aus ist Raimis Film zwar top, doch nicht jeder wird sich mit seinem damals noch sehr übertriebenen Stil anfreunden können. Somit ist der Film nicht unbedingt etwas für Otto-Normal-Zuschauer, sondern richtet sich eher an Fans. Zudem gibt es noch einige Defizite, die sich nicht mit dem Comic-Charakter des Films rechtfertigen lassen wie z.B. schlechte Dialoge oder misslungene Action-Sequenzen. Als Beispiel für letztere wäre der Part zu nennen, als die Gangster Darkman in seinem Versteck aufspüren. Generell lässt sich sagen: Immer wenn geschossen wird, ist „Darkman“ gleich etwas schlechter. Aber natürlich bietet der Film Entschädigung en masse: Wenn Westlake auf dem Rummel für seine Freundin einen rosa Elefanten gewinnt und dann mit diesem fliehen muss, weil sich die falsche Haut seines Gesichts auflöst, zeigt sich Raimis tragikomische Ader. Die düstere Note bringt aber nicht nur der Held, sondern auch der brutale Fingersammler Durant in den Film. Und so richtig großartig wird es noch einmal beim Showdown, bei dem Darkman gegen einen durch ein Wolkenkratzergerippe tänzelnden und mit einem Bolzenwerfer bewaffneten Geschäftsmann antritt.

    „Darkman“ ist unverkennbar ein echter Raimi: ideenreich, übertrieben, düster, ironisch, melodramatisch. Auch die Bildmontagen und originellen Kamerafahrten lassen unschwer die Handschrift des Regisseurs erkennen. Während der Szenen, in denen Darkman mit einem Seil an einem Helikopter hängt, zeigt sich schon, wie es Raimi gelang, sich später als Regisseur für Spider-Man ins Spiel bringen zu können. „Effectively Raimi's audition for Spider-Man" meint Luke Y. Thompson sogar in der New Times. Darüber hinaus ist der Film aber auch eine wunderbare eigenständige Quasi-Comicverfilmung, der es gelingt, die bildliche Kraft, den Rhythmus und den Stil von Superhelden-Comics einzufangen.

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