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    Lord of Illusions
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Lord of Illusions
    Von Björn Helbig
    Unter der sonnigen Oberfläche Kaliforniens lauert eine verborgene, dunkle Welt, in der Mitglieder einer teuflischen Sekte ihr Unwesen treiben. Nachdem Clive Baker mit Hellraiser die Tore zur Hölle aufgestoßen hat und den Zuschauer in Cabal – Die Brut der Nacht einen Blick in die letzte Zufluchtstätte für Monster werfen ließ, führt uns der Regisseur und Autor in seinem nächsten Film in die Welt der Illusionisten und Magier. „Lord Of Illusions” ist Barkers dritte und bis dato letzte Regiearbeit.

    1982, irgendwo in der Wüste: Philip Swann (Kevin J. O'Connor) und weitere Ex-Kultisten befreien ein junges Mädchen aus den Händen ihres einstigen Gurus, dem wahnsinnigen Sektenoberhaupt Nix (Daniel von Bargen). Doch der Magier Nix ist zu mächtig, deswegen können sie ihn nicht töten, sondern nur mit Hilfe einer magischen Maske bannen und schließlich lebendig begraben. 13 Jahre später. Privatdetektiv Harry D'Amour (Scott Bakula) fliegt nach Los Angeles. Eigentlich soll er dort einen Fall von Versicherungsbetrug aufklären. Aber es wartet auch noch ein anderes Engagement auf ihn: Er bekommt von Philip Swanns Frau den Auftrag, ihren Mann zu überwachen – ein Job, der sich kurze Zeit später erübrigt, denn Swann stirbt während eines gefährlichen Tricks auf der Bühne. D'Amours Nachforschungen führen ihn zu den Ereignissen vor 13 Jahren. Die Indizien häufen sich, dass Anhänger des alten Kults versuchen, Nix wieder zu erwecken.

    Beruhend auf der Kurzgeschichte „Die letzte Illusion“ aus seiner Storysammlung „Bücher des Blutes“ („The Books of Blood - Volume Six“) mischt Barker in „Lord Of Illusions“ Elemente des Film Noir, klassischer Detektivgeschichten und des Mystery- und Horrorfilms. Wie auch in seinen anderen Filmen, lässt Barker seinem Einfallsreichtum keine Grenzen aufzwingen. Obwohl es, trotz zahlreicher fantastischer Elemente, bodenständiger und weniger abgehoben zur Sache geht als noch in „Hellraiser“ oder auch in „Cabal“. Das Zentrum des Films ist der Privatdetektiv Harry D'Amour. Mit diesem dürften die meisten Barker-Leser bereits mehrfach Bekanntschaft gemacht haben. Der Detektiv für abnormale Fälle tauchte bereits in den Romanen „Jenseits des Bösen („The Great and Secret Show“, 1990) und „Die Stadt des Bösen“ („Everville“, 1995) sowie weiteren Shortstories des britischen Autors auf. Scott Bakula (American Beauty), der seine letzte größere Rolle als Captain Jonathan Archer in der neuen TV-Serie über die alte „Enterprise“ (2001-2005) hatte, überzeugt als etwas heruntergekommener aber trotzdem cooler Detektiv, der immer nur einen Schritt vom Scheitern entfernt ist, sich aber trotzdem bis zum Ziel beharrlich durch seine Fälle beißt. Sehr schade, dass dies bisher der einzige Film über Harry D'Amour geblieben ist.

    „I was born to murder the world.” (Nix)

    Ein oft von Baker verwendetes Thema, das der anderen Welt, die parallel zu oder sogar in unserer Welt existiert, spielt auch in „Lord Of Illusions“ wieder eine Rolle. Hinter dem sonnigen Los Angeles lauern wahrlich Abgründe. Die Tiefe von Barkers „Hellraiser“ erreichen diese freilich nicht, doch auch die Welt des Monsters Nix und seiner Anhänger ist grausam, durchzogen mit Begierde und falschen Versprechungen und letztlich mit dem Glamour der Metropole Los Angeles untrennbar verknüpft. Insofern scheint Barkers „Lord Of Illusions“ fast wie ein thematischer Vorausgriff auf seinen Roman „Coldheart Canyon“, einem bitter-blutigen Hollywood-Abgesang. Optisch präsentiert sich der Film wie man es von Clive Baker gewöhnt ist: fantastisch und düster. Ein schöner Einfall ist z.B. die Dämonenmaske, mit der Nix anfangs bezwungen wird. Man kann diese durchaus als kleine Reminiszenz an Mario Bavas „Die Stunde, wenn Dracula kommt” (1960) verstehen. Schaurig sind vor allem die Szenen am Anfang und am Ende in Nix’ Wüstenressort. Zum einen wegen gelungener Spezialeffekte, zum anderen auch aufgrund von Daniel von Bargen (Basic Instinct), der seinen psychopathischen Sektenanführer wirklich abstoßend spielt. Aber auch während des Films, z.B. in Swanns Theater oder in seinem Haus gibt es immer wieder Momente, in denen die Daumenschrauben angezogen werden. Die Rolle von D’Amours Helferin Dorothea Swann wird übrigens von einer bekannten Akteurin gespielt: Bond-Girl Famke Janssen, zuletzt zu bewundern in der Serie Taken oder der X-Men-Trilogie.

    Clive Barker ist mit seiner dritten Regiearbeit ein dichter, atmosphärischer Horror-Film-Noir gelungen, der, wenn auch im Großen und Ganzen etwas vorhersehbar, positiv aus dem Genre heraus sticht. Die Originalität seines Debüts „Hellraiser“ und den Einfallsreichtum von „Cabal – Die Brut der Nacht“ erreicht Barker hier allerdings nicht. Wenngleich man „Lord Of Illusions“, der von Barkers eigener Firma „Seraphim Films“ produziert wurde, im Gegensatz zum Vorgänger positiv anmerkt, dass er hier die volle künstlerische Kontrolle über sein Projekt hatte. Übrigens – in Barkers demnächst erscheinenden Buch „The Scarlet Gospels“ werden Harry D'Amour und Pinhead aufeinandertreffen. Hoffentlich erleben wir dazu noch den Film.
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