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    The Doors
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    5,0
    Meisterwerk
    The Doors
    Von Carsten Baumgardt
    Is everybody in?
    Is everybody in?
    Is everybody in?
    The ceremony is about to begin.

    WAKE UP!

    The movie will begin in five moments
    the mindless voice announced
    all those unseated will await the next show.

    We filed slowly, languidly into the hall
    the auditorium was vast and silent
    as we seated and were darkened, the
    voice continued.

    The program for this evening is not new
    you've seen this entertainment through and through
    you've seen your birth your life and death
    you might recall all of the rest
    did you have a good world when you died?
    enough to base a movie on? [1]

    20 Jahre lang geisterte das Projekt Doors-Film durch Hollywood, ehe Regie-Bulldozer Oliver Stone die brillante Hommage „The Doors“ im Jahr 1991 als schonungslosen, rasenden Rock-’n’-Roll-Express auf die Leinwand brachte. Den Mittelpunkt des Dramas bildet dabei eindeutig der legendäre Frontman Jim Morrison, mit dessen Tod der Film endet.

    1965 gründen die Studenten Jim Morrison (Val Kilmer) und Ray Manzarek (Kyle MacLachlan) am Strand von Venice Beach die Rockgruppe The Doors. Der Name orientiert sich an Aldous Huxleys Essay „The Doors Of Perception“. Während Huxley wiederum William Blakes „The Marriage Of Heaven And Hell“ zitiert: „If the doors of perception were cleansed every thing would appear to man as it is, infinite.“ Gitarrist Robby Krieger (Frank Whaley) und Drummer John Densmore (Kevin Dillon) stoßen dazu. Morrison singt und steuert einen Großteil der Texte bei, Manzarek spielt Orgel und komponiert mit. Nach Auftritten in kleinen Clubs wie dem London Fog in Los Angeles wechseln sie ins angesagte Whiskey-A-Go-Go und kommen kurze Zeit später bei Elektra Records unter Vertrag. Produzent Paul Rothchild (Michael Wincott) entdeckt The Doors. Der Zeit angemessen experimentieren die Bandmitglieder mit allerlei Drogen herum – allen voran Morrison, der dadurch auch seine Schüchternheit ablegt, was später in explosive, skandalträchtige Bühnenauftritte mündet. Das erste Album „The Doors“ wird 1967 ein Riesenhit, die Single „Light My Fire“ zum Welterfolg. Morrison gleitet immer mehr ab in die Welt der Drogen, nimmt alles, was er kriegen kann. Die Beziehung zu seiner Freundin Pamela Courson (Meg Ryan) ist leidgeprüft. Die Journalistin Patricia Kennealy (Kathleen Quinlan) ist ebenfalls in den Rockstar verliebt und versucht, ihn für sich zu gewinnen. Dazu bringen die Konzertskandale Morrison gerichtliche Anklagen ein...

    Jim Morrison - am 8. Dezember 1943 in Melbourne, Florida, geboren - gehört zu den größten Legenden, die der Rockzirkus zu bieten hat. Er war die schillernde, charismatische Figur, die The Doors letzten Endes so erfolgreich gemacht hat. Er war das Gesicht und die Gestalt der Doors. Sein Leben und sein Tod sind ein Mythos, größer noch als der von Jimi Hendrix oder Janis Joplin, die ebenfalls im Drogensumpf jung untergingen. Vergleichbar mit Kurt Cobain von Nirvana hatte Morrison zeitlebens schwer mit der Bürde des Ruhms und als gottähnliches Rockidol verehrt zu werden, zu kämpfen. Einerseits liebte er den Rummel um seine Person, andererseits wollte er am liebsten als Dichter wahrgenommen werden und in Ruhe leben. Wie James Douglas Morrison am 3. Juli 1971 im Alter von 27 Jahren im Appartement Nr. 17 in der Rue Beautreillis in Paris ums Leben kam, wird nie geklärt werden können. Offiziell starb er an Herzversagen. Denkbar ist auch eine versehentliche Überdosis Heroin, das er geschnupft und mit Kokain verwechselt haben könnte. Fakt ist, dass Jim Morrison tot ist – jedenfalls mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent. Bis zum heutigen Tage halten sich hartnäckige Verschwörungstheorien über einen inszenierten Tod. Morrison träumte schon lange davon, auszusteigen und unerkannt neu anzufangen. Drei Tage vor seinem Tod kündigte er an, sich wie der Dichter Arthur Rimbaud nach Afrika abzusetzen und sich dann im Doors-Büro unter seinem neuen Namen Mr. Mojo Rising (ein Anagramm auf Jim Morrison, das auch schon in dem Song „L.A. Woman“ vom letzten gleichnamigen Album auftauchte) melden.

    Die Aussagen über die Ereignisse der Todesnacht sind so merkwürdig und widersprüchlich, dass seine engsten Vertrauten in der ersten Zeit nach dem Tod nicht daran glaubten. Den toten Jim Morrison haben nur Pamela Courson (sie starb am 25. April 1974 an einer Überdosis Heroin) und der Arzt, der die Todesurkunde ausstellte, gesehen. Alle anderen Freunde und offizielle Beamte, die später eintrafen, fanden nur den geschlossenen Sarg vor. Die Unterschrift des Arztes war unleserlich und er später nicht mehr auffindbar. Eine Autopsie wurde nie durchgeführt. An der schnell angesetzten Beerdigung (7. Juli 1971) auf dem Pariser Père Lachaise nahmen nur fünf enge Freunde teil (u. a. Doors-Manager Bill Siddons). Das Grab hatte Morrison selbst ausgesucht und noch drei Tage vor seinem Tod besucht. In der Todesnacht und auch später wollen zahlreiche Zeugen Morrison gesehen haben. Fakt ist aber auch, dass Morrison durch Alkohol und Drogen in seiner Pariser Zeit körperlich in sehr schlechtem Zustand und aufgedunsen war, was seinen Tod 1971 - trotz aller Theorien - sehr wahrscheinlich macht. Arman Sahisi schrieb in seinem Buch „Jim Morrison. The Scream Of The Butterfly“ treffend: „Symbolisch aber starb Jim Morrison an einer lang geplanten und bewusst gesetzten Überdosis Jim Morrison. Er erstickte, wenn man so will, bewusst und vorsätzlich an dem immensen Überschuss seiner eigenen Kraft.“

    Im Gegensatz zu seinem mitreißenden Polit-Thriller JFK stellt Oliver Stone in „The Doors“ keine eigenen Thesen zum Ableben seiner Hauptperson auf. Der Regisseur hält sich an die offizielle Version (Herztod in der Badewanne). So brav ist er während des Films allerdings nicht. Was Ray Manzarek dazu brachte, das Werk nicht zu mögen. Er warf Stone vor, die Akzente nur auf die Ausschweifungen zu legen. Der biederen, Oliver Stone von Haus aus hassenden amerikanischen Kritik war „The Doors“ auch zu unmoralisch und drogengetränkt – dementsprechend wenig konnten sie damit anfangen. Doch der kompromisslose Regie-Vulkan bleibt sich selbst treu. Er bringt seinen fulminanten, alles niederwalzenden Inszenierungsstil auch bei der Jim-Morrison-Hommage ein. Die optische, durch Farbfilter getragene Brillanz des drogengeschwängerten Bilderrausches begeistert auf formaler Ebene. Die Konzertszenen sind von sensationeller Qualität und waren im Kino wahrscheinlich noch nie besser zu sehen. Im Film wurde übrigens eine Mischung aus Morrisons und Kilmers Stimme verwendet. Bei Nahaufnahmen nahm Stone Kilmers Organ, bei Totalen kam das Original zum Einsatz.

    Eine Biographie steht und fällt natürlich mit der Darstellung des Schauspielers der porträtierten Figur. Val Kilmer liefert in „The Doors“ die beste Leistung seiner Karriere und macht die Symbiose zu Jim Morrison perfekt. Er sieht so aus, er singt so, er bewegt sich so. In „The Doors“ ist er Jim Morrison. Daran besteht kein Zweifel. Es ist ein Segen, dass die im Laufe der Jahre vorgesehenen John Travolta, Tom Cruise oder Jason Patric nicht zum Zuge gekommen sind. Daneben glänzen Meg Ryan in einer ungewohnt ernsthaften Rolle als Morrisons Freundin Pamela Courson und Kathleen Quinlan als Journalistin Patricia Kennealy. Oliver Stone garniert sein Rock-’n’-Roll-Drama mit einer ganzen Reihe von Cameoaufritten (inklusive seiner eigenen Person als Morrisons Filmprofessor). Robby Krieger (Statist vor „London Fog“), John Densmore (Aufnahmeleiter im Studio), Patricia Kennealy (Hexenmeisterin, die Morrison und Kennealy verheiratet) und Paul Rothchild (als Sidekick seines Film-Alter-Egos) sind unter anderem kurz zu sehen. Billy Idols Rolle als Cat wurde nachträglich reduziert, weil sich der Rockstar während der Dreharbeiten bei einem Motorradunfall schwer verletzte und ausfiel.

    Stone stellt die düsteren Seiten Morrisons zwar in den Vordergrund und reizt die dramatische Komponente voll aus, grast aber auch die wichtigsten Stationen der Doors gründlich ab. Es gelingt ihm trotzdem, ein exaktes Porträt des Menschen Jim Morrison zu zeichnen. Ob dabei jedes Detail der Wahrheit entspricht, wie es Manzarek bestreitet, ist nicht weiter wichtig, es geht darum, einen Eindruck von dem Charakter zu vermitteln. Dramaturgisch präsentiert sich Stones Film makellos, trotz der 140 Minuten Spielzeit ist das Tempo auf hohem Niveau. Das Geschehen orientiert sich an der Bandgeschichte, allerdings immer mit dem Fokus auf Morrison.

    „The Doors“ ist ein berauschender, mitreißender Trip, eine aufrichtige, aber liebevolle Hommage an einen Mythos. Die Legende Jim Morrison wird angemessen gewürdigt, ohne sie zu glorifizieren oder zu verurteilen. Jeder muss sich über das Verhalten des genialen, aber selbstzerstörerischen Rockstars und Dichters selbst sein Urteil bilden. Oliver Stone gibt keine Wertung vor, aber seine Sympathie und Verehrung für Morrison ist dennoch unübersehbar. Der Abschied aus dem Film ist traurig.

    Wow, I’m sick of doubt
    live in the light of certain south,
    cruel bindings
    the servants have the power
    dogmen and their mean women
    pulling poor blankets over our assailers.

    I'm sick of dour faces staring at me from the tv tower
    i want roses in my garden bower, dig?
    royal babies, rubies, must now replace
    aborted strangers in the mud
    these mutants blood meal for the plant
    that's ploughed.

    They are waiting to take us into the severed garden
    you know how pale and wanton, thrillful
    comes death in the strange hour
    unannounced, unplanned for
    like a scary over-friendly guest you've
    brought to bed.

    Death makes angels of us all
    and gives us wings
    where we had shoulders smooth as ravens' claws.

    No more money, no more fancy dress
    this other kingdom seems by far the best
    until its other jaw reveals incest
    and loose obedience to a vegetable law

    I will not go prefer a feast of friends to the giant family. [2]

    Aus dem wahren Leben schied Jim Morrison mit dem nicht minder traurigen „Riders On The Storm” - dem letzten Song des letzten Albums („L.A. Woman”, 1971). Eine schlicht geniale melancholische Hymne, die einen würdigen musikalischen Abschied markiert und als das wohl grandioseste Stück Cocktailmusik aller Zeiten in die Geschichte eingehen wird. Oliver Stone setzte Jim Morrison auf der Höhe seines Schaffens ein würdiges Denkmal. Wild, zügellos und im Grunde des Herzens doch poetisch...

    „I am the lizard king. I can do anything.”

    [1] Fragmente aus „Awake Ghost Song” und „The Movie” vom Album „An American Prayer“ (1978).
    [2] „The Severed Garden” vom Album „An American Prayer“ (1978).
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