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Basic Instinct
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
5,0
Meisterwerk
Basic Instinct
Von Carsten Baumgardt
Sharon Stone ist zweifellos ein Weltstar. 1980 begann die Hollywood-Karriere der 1958 in Meadville, Pennsylvania, geborenen Schönheit mit einer kleinen Gastrolle in Woody Allens „Stardust Memories“. Das Erstaunliche an Stones Karriere: Abgesehen von Total Recall, in dem sie eine Nebenrolle spielte, findet sich in ihrer Filmographie nur ein einziger Blockbuster wieder - doch eben dieser machte sie zum Superstar. Paul Verhoevens Erotik-Thriller „Basic Instinct“ zählte zu den größten Hits des Jahres 1992, spielte weltweit 360 Millionen Dollar ein und lockte in Deutschland 4,5 Millionen Besucher vor die Leinwände. Der Film glänzt neben einem perfekten Spannungsbogen und knisternder Atmosphäre mit dem berühmtesten Beinüberschlag der Filmgeschichte.

Das San Francisco Police Department ermittelt in einem besonders brutalen Mordfall. Der ehemalige Rockstar Johnny Boz (Bill Cable) wurde an sein Bett gefesselt bestialisch mit einem Eispickel erstochen. Die ermittelnden Beamten, Detective Nick Curran (Michael Douglas) und sein Partner Gus (George Dzundza), bekommen von ihren Vorgesetzten mächtig Druck, weil der Ermordete ein Freund des Bürgermeisters war. Der Verdacht fällt zunächst auf Boz’ Freundin Catherine Tramell (Sharon Stone). Die Schriftstellerin war in der Nacht vor seinem Tod noch mit ihm zusammen. Zudem handelt ihr letztes Buch auch noch von einem Rockstar, der mit einem Eispickel ermordet wird. Die Multi-Millionärin entzieht sich dem Verhör nicht durch ihre Anwälte und recherchiert stattdessen fleißig für ihren neuen Roman. Als Vorlage für ihre Hauptfigur hat sie Detective Curran auserkoren. Der verkorkste Cop, der sich gerade von einer Alkohol- und Drogenabhängigkeit erholt hat, lässt sich auf das Spiel mit der Verdächtigen ein und ist der undurchsichtigen Schönheit bereits nach kurzer Zeit hoffnungslos verfallen...

Dass Sharon Stone nicht nur ein Star ist, sondern auch eine gute Schauspielerin sein kann, zeigte sie zum Beispiel oscarnominiert und Golden-Globen-prämiert in Martin Scorseses grandiosem Las-Vegas-Epos Casino. Für „Basic Instinct“ wurde sie völlig zurecht für den Golden Globe nominiert und fortan mit der Rolle des eiskalten, männerverschlingenden Vamps identifiziert. Auch für Regisseur Paul Verhoeven („RoboCop“, „Total Recall“, Starship Troopers) und Drehbuchautor Joe Eszterhas („Sliver“, „Ohne Ausweg“) bedeutete der Film den Höhepunkt der Karriere, bevor sich beide wenig später mit „Showgirls“ der Lächerlichkeit Preis gaben. „Basic Instinct“ zählte 1992 zu den filmischen Ereignissen des Jahres. Michael Douglas bekannte sich medienwirksam zur Sexsucht - ein Schelm, wer PR-Gründe dahinter vermutet. Eine Debatte darüber, was in einem Hollywood-Mainstreamfilm an Sex zu sehen sein darf, schadete dem Erfolg sicherlich nicht.

Doch ungeachtet des großen Medien-Ballyhoos ist „Basic Instinct“ ein cleverer, hochspannender Thriller, der sich bereits als moderner Klassiker etabliert hat. Paul Verhoeven schuf einen würdigen Nachfolger der Hitchcock-Filme der 50er und 60er Jahre, der auch stark mit klassischen Posen arbeitet. Sharon Stone ist als bisexuelle Schriftstellerin Catherine Tramell die böse Wiedergeburt von Hitchcocks „kühler Blonden“, die der Meister als weibliches Leitmotiv in seinen Filmen nutzte. Dazu ist der oscarnominierte Score von Jerry Goldsmith eng an Hitchcocks „Vertigo“ angelegt. Die extreme Spannung hält Verhoeven bis zum Ende durch, löst seine ganze Handlungskonstruktion erst in dem letzten Kameraschwenk des Films auf.

Was „Basic Instinct“ so aufregend macht, ist die Charakterisierung der Hauptfiguren und das Beziehungsgeflecht, das sich entwickelt. Interessant ist zunächst einmal die Umkehrung der üblichen Rollenklischees. Sharon Stone ist als klassische Femme Fatale die bestimmende Person. Sie ist Douglas’ Detective in allen Belangen überlegen, sie manipuliert ihn nach Belieben, er ist ihr völlig hilflos ausgeliefert. Die Spannung zwischen Stone und Douglas ist nicht nur in den hervorragenden Sexszenen elektrisierend. Genauso wie jeder sieht, dass sich Curran im Netz der Schriftstellerin verfängt und sich immer tiefer in Schwierigkeiten bringt, wird klar, dass er nicht anders kann. „Sie hat dir mit ihrer Magna-Cum-Laude-Pussy das Gehirn frittiert", stellt Currans Partner Gus an einer Stelle des Films fest. Überhaupt ist Tramells Sprache ebenso deutlich und rüde. Über ihren ermordeten Freund sagt sie: „Ich war nicht mit ihm zusammen. Ich habe mit ihm gefickt." Weil sie allen anderen geistig überlegen ist, ordnet sie sich keinen Regeln unter und stellt stattdessen eigene auf. Diesen höchst ambivalenten Charakter bringt Sharon Stone in Verbindung mit ihrem atemberaubenden Äußeren präzise auf die Leinwand.

Michael Douglas bildet den perfekten Gegenpart zu Stone. Sein Cop Curran weiß, dass er der Situation und Catherine Tramell nicht gewachsen ist, will aber trotzdem den Fall lösen und die Frau bekommen. Er fängt wieder mit dem Trinken und Rauchen an, rebelliert gegen seine Vorgesetzten und ist bereit, alles auf’s Spiel zu setzen. Neben George Dzundza als Douglas’ zynischem Sidekick spielt Jeanne Tripplehorn als Polizei-Psychiaterin eine Schlüsselrolle. Sie war kurze Zeit mit Cop Curran zusammen, liebt ihn aber immer noch und ist bereit, alles für ihn zu tun. Tripplehorn, die ebenfalls vollen Körpereinsatz zeigen muss, spielt solide, steht aber im Schatten von Sharon Stone.

Optisch und produktionstechnisch ist der 49 Millionen Dollar teure „Basic Instinct“ ein Leckerbissen. Das edle Set-Design unterstützt hervorragend die Atmosphäre des in San Francisco spielenden Films, der von Jan DeBont exzellent photographiert wurde. Der Ort ist sicherlich nicht unbewusst gewählt worden. Die Stadt gilt als die freizügigste der USA. Sharon Stone lebt als Catherine Tramell ihre (Bi)-Sexualität in vollen Zügen aus (,,Haben sie schon mal auf Koks gefickt, Nick?"). Auffallend ist dabei das stete Zusammentreffen von Sex und Gewalt.

So hat „Basic Instinct“ seinen Platz in der Historie nicht nur wegen der bestimmten, vielleicht zu den aufregendsten Szenen der Filmgeschichte zählenden Einstellung verdient - dem Beaver Shot, in dem Sharon Stone beim Verhör ihre Beine übereinander schlägt, sodass Filmkontrahenten wie Zuschauer ihr zwischen die entblößten Beine schauen können. In dieser Aufnahme fiel nicht nur Wayne Knight als Staatsanwalt die Kinnlade herunter...
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