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    The Player
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    5,0
    Meisterwerk
    The Player
    Von Robert Cherkowski
    Das Haifischbecken Hollywood ist kein Platz für Idealisten und Überzeugungstäter, sondern ein Tummelplatz für Opportunisten, Wadenbeißer und Größenwahnsinnige, die bereit sind, sich mit Skrupellosigkeit durchzuschlagen. Der einzige Weg, sich dort zu behaupten und trotzdem integer zu bleiben, ist, den verlogenen Sitten der Scheinwelt mit kühler Verachtung zu begegnen und ein künstlerisches Eigenbrötler-Dasein zu fristen. Robert Altman war einer jener Außenseiter, die dem Big Business à la Hollywood den Mittelfinger zeigten. Schon früh wusste er, dass er mit dem strikt durchstrukturierten Studiosystem nicht warm würde, aber er fand einflussreiche Gönner, die ihm halfen, seine Visionen auf die Leinwand zu bringen. Seine erfolgreichste Zeit hatte Altman mit Filmen wie „M*A*S*H" oder „Nashville" in den 70er Jahren, damals galt er als hipper Outsider und seine kauzige Verweigerungshaltung ließ ihn zum Stammgast bei Preisverleihungen und zum Liebling der zeitgenössischen Kritik werden. Nach seiner desaströsen „Popeye"-Verfilmung von 1980 folgte ein Jahrzehnt voller Ärger, Flops und misslungener filmischer Experimente. Erst mit seinem 26. Spielfilm – der brillanten Hollywood-Satire „The Player" von 1992 - gelang dem damals 67-jährigen Altman ein Comeback, das ihm Rückenwind für anschließende Projekte wie „Short Cuts" gab.

    Griffin Mill (Tim Robbins) hat alles im Griff. Er ist einer der Top-Produzenten der Traumfabrik und sein Wort ist Gesetz in Hollywood. Jede anspruchsvolle oder ungewöhnliche Idee verwässern er und seine Kompagnons solange, bis sie in sein marktgetestetes Erfolgsschema passen. Die Einspielergebnisse geben ihm Recht und er fühlt sich wie der König der Stadt. Doch dann erhält er eine Reihe anonymer Droh- und Schmähbriefe. Griffin glaubt zu wissen, wer dahinter steckt und sucht den geschassten Autor David Kahane (Vincent D'Onofrio) zwischen zwei Meetings auf, um ihn zur Rede zu stellen. Die Situation eskaliert, Griffin schlägt seinen vermeintlichen Widersacher mit einem Stein nieder und ertränkt ihn in einer Pfütze. Von Schuldgefühlen geplagt, stürzt der Produzent sich in eine Affäre mit Kahanes Freundin June (Greta Scacchi). Als er weiterhin anonyme Briefe erhält, kommt Griffin erst richtig in Schwierigkeiten, denn der unbekannte Schreiber erpresst ihn nun auch mit dem Mord an Kahane, den er beobachtet zu haben scheint.

    Altman ignoriert natürlich die gängige Hollywood-Dramaturgie, über die er sich in „The Player" lustig macht. Es gibt keine kathartische Erkenntnis und keine Wende zum Guten. Griffin bleibt bis zum Ende der eiskalte Fiesling, der er von Anfang an war und wenn er im Verlauf von „The Player" irgendetwas lernt, dann dass Gewissensbisse mit der Zeit nachlassen und dass man als reicher Hollywood-Bonze auch mit einem Mord davonkommen kann. Die moralische Korruption Griffins steht stellvertretend für die Mentalität des Business und des Studiosystems – letztlich lässt sich Altmans ätzender Befund sogar auf die gesamte Gesellschaft der späten 80er und frühen 90er übertragen: Im Grunde seines Herzens ist nämlich auch Griffin eigentlich ein materialistischer Yuppie und potentieller „American Psycho", der nach dem Ende des Kalten Krieges denkt, es könne ewig so weiter gehen. Ob so ein „Held" überführt wird oder entkommt, ist in der Welt von „The Player" vollkommen gleichgültig – Altman unterläuft nicht nur die aus dem amerikanischen Kino gewohnten Erzählmuster, sondern verweigert dem Publikum auch jede Identifikationsmöglichkeit mit den Figuren. So ist hier selbst das Mordopfer wenig beweinenswert, seine Freundin gefällt sich als Luxus-Püppchen und alle anderen sind willfährige Erfüllungsgehilfen des Systems.

    Robert Altman zeigt uns eine verdorbene und verdummte Welt. Wer dem ständigen Geplapper einmal genau zuhört, stellt fest, dass hier permanent nur Unsinn geredet wird. Tatsächliche Gespräche finden nicht statt, alle reden nur auf frustrierend niedrigem Niveau aneinander vorbei. Niemand hört dem anderen jemals zu oder hat auch nur das geringste wirkliche Interesse an seinem Gegenüber. Bei der bitterbösen Konsequenz, mit der uns Altman diese Marionetten vorführt, liegt die Versuchung nahe, „The Player" als verbiestertes misanthropisches Pamphlet zu betrachten, aber das wird dem erlesen ausgestatteten und von Meisterhand in Szene gesetzten Film nicht gerecht. Altman akzentuiert die Oberflächenreize, schlägt einen lockeren Rhythmus an und verwandelt sein Werk in so etwas wie eine realistische Farce. Der größte Coup ist dabei das unglaubliche Starensemble, das er aufbietet: Von Susan Sarandon und Burt Reynolds, über Nick Nolte und Cher bis zu Jeff Goldblum und Patrick Swayze machten zahlreiche Stars der Zeit Altman in Gastauftritten oder in kleinen Rollen ihre Aufwartung.

    Einige der größten Stars Hollywoods für die Entlarvung des eigenen Geschäfts einzuspannen, das ist die bemerkenswerteste Pointe in Altmans ironisch-selbstreflexiver Abrechnung. Das zeigt sich am schönsten in einer Nebenhandlung über eins von Griffins Filmprojekten. Der Produzent und seine Truppe verwandeln ein böses Todesstrafen-Drama in eine reichlich doofe romantische Schmonzette mit Bruce Willis und Julia Roberts, die sich natürlich selbst spielen. Hier bringt Altman die Verachtung, die in diesem Hollywood jedem Kunstanspruch gilt, auf den Punkt, an anderer Stelle zelebriert er selbst ganz große Filmkunst und zeigt den Banausen wie man's macht: Seine Einstiegsszene – eine Plansequenz aus einer neunminütigen, ununterbrochenen Kamerafahrt über ein Studiogelände – ist als geniales Virtuosenstück längst in die Filmgeschichte eingegangen. Und wenn er Walter Stuckel (Fred Ward), eine der in dieser Sequenz eingeführten Figuren, im weiteren Verlauf des Films immer wieder in Gespräche über vergleichbare berühmte Szenen von Orson Welles oder Bernardo Bertolucci verwickelt, reiht sich Robert Altman damit selbstbewusst in die Riege der Großen des Weltkinos ein. Und genau dort gehört er auch hin.

    Fazit: Robert Altman hält Hollywood mit seiner bitterbösen und hochvergnüglichen Satire „The Player" den Spiegel vor – ein Klassiker des subversiven Humors.
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