Ein fliehendes Pferd
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      3 - Nicht schlecht

    Die Story um gelangweilte Ehefrauen und spießige Ehemänner ist so neu ja nicht. Trotzdem gelingt es den Darstellern, die Verfilmung des Bestsellers nicht vollends zu versauen. Teilweise gute Dialoge und teilweise auch platter Klamauk halten sich bis zum abrupten Ende des Films die Waage. Lichtblick ist Katja Riemann, die endlich mal zeigt, dass sie auch schauspielern kann. Chapeau! Fazit: Lockere Komödie mit Tiefgang. Kein Meisterwerk, aber gute Unterhaltung

    Hinzugefügt am 27.04.2009 um 22:15 Uhr
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      3 - Nicht schlecht

    Schopenhauer als Lebensform. Nicht nur dass es, frei nach Adorno, das richtige Leben im Falschen nicht gibt, nein, ohne Umschweife lebt Helmut (Ulrich Noethen) gleich das Falsche, aus tiefster Überzeugung, ohne noch einen Gedanken zu verschwenden, ob es denn ein richtiges Leben geben könnte. Er will einfach nur in Ruhe verbittert sein. Obwohl – seine Antennen sind immerzu und überall hin ausgefahren. Ihm entgeht nichts. Nicht noch so kleine Lebensäußerungen, aber nur um sie dann umso erbitterter zu bepöbeln. Zufrieden mit sich selbst ist er im Schilf, wenn er dem Gezwitscher seltener Vögel lauscht. In der Natur kann er seinen Voyerismus ausleben, ohne Verdacht zu erregen. Wieder zu Hause frisst das Ressentiment, der Neid; ist er ganz und gar nicht zu Hause: mag er, genau genommen, nicht einmal sich selbst. Ja, er zelebriert Verbitterung zwanghaft bis zum Überdruss, den er hinter der allesverstehenden Fassade des Deutsch- und Geschichtslehrers verbirgt. Unerträglich, diese Leichenbittermine. Und das im Urlaub, ja gerade im Urlaub. In den Ferien gibt’s schön viel Zeit und Muße, zirkelschlüssig immer wieder den Beweis vor sich hin zu murmeln, dass alles ohnehin keinen Sinn hat, selbst wenn Säfte rufen und es was – einfach nur so – zu tun gäbe. Stöhn. Seine Frau Sabine (Katja Riemann) besorgt sich’s auch nur selbst, bis – ja bis Helmuts alter Schulfreund Klaus (Ulrich Tukur) wie zufällig aus dem Nichts auftaucht, unbeschwert, lebenslustig, mit seiner viel jüngeren, nicht weniger lebendigen Freundin Helene (Petra Schmidt-Schaller). Wau, ganz schön knackig, überdies nicht auf den Mund gefallen. Synchron, wie abgesprochen, bringen sie das klebrige Leben des misanthropischen Lehrers und das seiner zu lebenshungrigen Frau gehörig durcheinander. Ein Sadismus, der sich hinter Lebensfreude versteckt, dafür umso wirksamer. Bedürftigkeit, wenn sie denn bis zum Halse steht, hat kein Bock auf Details. Etwas ist sehr erfreulich: Katja Riemann (“Ein Mann für jede Tonart”, “Ich bin die Andere”) nervt viel weniger als sonst. Das Älterwerden scheint ihr gut zu bekommen. Und der Film ist auch insgesamt gut gelungen, auch wenn er ein wenig aufdringlich nur unterhalten will. Wie auch anders einer Welt – die konsumiert, um zu konsumieren – nahe bringen, dass es Fragen gibt, die es wert sind, dass man sie fragt? Eine Welt, die nicht mehr fragt. Wozu?, wenn man Antworten hat. nachzulesen in: www.film-und-politik.de

    Hinzugefügt am 28.06.2008 um 09:56 Uhr
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      0.5 - Null

    Was hat dieser Film mit Walsers Novelle zu tun? Gar nichts insofern, als das Ende der Novelle ganz und gar verhunzt wurde. Man kann nicht sagen,die Auflösung nach Art der Novelle wurde ins Gegenteil verkehrt. Nein, es macht überhaupt keinen Sinn, dass der Hanswurst und Versager Klaus am Ende triumphiert.Deutsche Regisseure verdienen äußerstes Mißtrauen, wenn sie Literatur verfilmen.Meistens fehlt es ihnen an Gewissen.

    Hinzugefügt am 04.12.2007 um 22:54 Uhr
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      3 - Nicht schlecht

    Entbehrt nicht einer gewissen Komik, wie sich hier Leute in ellenlangen Abhandlungen abgemüht haben, immer fein das Original, die Novelle, im Blick! Nun, ich kenne die Novelle nicht. Und das war wohl auch gut so. Offenkundig trübt das zu sehr die Filmkonsumtion. Gleichwohl hat mir der Film Appetit auf die Lektüre gemacht. So rum scheint es also zu gehen. Und einen so fetzigen Tukur und eine derart attraktiv-erotische Riemann hat man noch nicht gesehen. Das war einfach nur Klasse und hat den Film für mich sehenswert gemacht. Auch für mich völlig verkorkst war leider das Ende. Das war ja wohl gar nix. Hat den Film, der ansonsten durchaus guten Unterhaltungswert besaß, annähernd kaputt gemacht. Ähnliches gilt für diese absonderliche Szene im Sturm (Mann über Bord), wo es (und woraufhin es) mit dem Strickmuster >Zerrissenheit- Schuld- Schuldgefühle- Reue Teils also ein dufter Film. Aber Teils eben auch nicht. Die 6 Punkte dürften passen.

    Hinzugefügt am 19.10.2007 um 20:51 Uhr
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      0.5 - Null

    ich kann mich hier nur der Kritik von Didi Mehrens anschließen, nur finde ich den Film, im gegensatz zu ihm, auch noch richtig schlecht. Warum? Ganz einfach. Es fehlen die wichtigsten Schluesselszenen aus der Vorlage. Statt dessen wird der Zuschauer mit belanglosen Sexszenen konfrontiert. Es fehlen Klaus der flieht als Hel sich ans Klavier setzt weil er es nicht ertragen kann das sie sich entfalten möchte (fliehendes Pferd), Hel mit ihrem Monolog am Ende der Geschichte und Helmut wie er sich gegenüber Sabine endlich öffnet. Ohne diese Sequenzen macht die Geschichte einfach keinen Sinn. Im Film geht Klaus quasi als Sieger hervor, den er lebt sein Leben wie er möchte und nimmt sich einfach alles was er will und Helmut ist der Versager auf der ganzen Linie. Im Buch scheint es nur so und ist dann am Ende aber beinahe umgekehrt. Letzten endes hat Helmut nähmlich alles das was Klaus sich wünscht: Geld, Verstand, ein schönes Leben und ein gleichberechtigte Frau. Bei Klaus gibt es nur Lügen, Eifersucht und Minderwertigkeitskomplexe. Dazu eine panische Angst das seine Frau ihm über den Kopf wächst. Sein Leben ist reine Fassade und für das Paar die Hölle. Die Schauspielerische Leistung kann den Film nicht retten und die dazu gesetzte Partnertauschgeschichte ist in meinen Augen einfach nur peinlich und bringt die Geschichte nicht weiter. Am schlimmsten finde ich die Szene wo Helmut, Sabine und Hel in einem Bett liegen und Hel erzählt was für ein toller Mensch Klaus ist, dann diese "pseudo Big Lebowskie-Bestattung" und die Freude als Klaus wieder da ist. Spätestens hier hab ich mir gewünscht diesen Film nie gesehen zu haben.

    Hinzugefügt am 06.10.2007 um 18:17 Uhr
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      1 - Sehr schlecht

    Hätten sie nur die Finger davon gelassen, sie wären Philosophen geblieben, die Macher der bereits zweiten Verfilmung von Martin Walsers Buch „Ein fliehendes Pferd“ von 1978. Die Novelle gilt Literaturkritikern als das stimmigste und gelungenste Werk des Dichters, dessen große Stärke die literarische Aufarbeitung seiner eigenen Eheprobleme ist (Einblicke gibt Reinhard Baumgarts Biografie „Damals“). Freilich spielt sich in Walsers Büchern das meiste in inneren Monologen und erlebter Rede ab. Es muss sich doch irgendwie auswirken, dass Walser zu jener literarischen Avantgarde gehört, die ihr progressives Anderssein durch völligen Verzicht auf Anführungszeichen unter Beweis stellt. An äußerer Handlung ist die Novelle arm. War das nicht Grund genug, auf eine Verfilmung zu verzichten, so hätten die Produzenten sich wenigstens von dem lahmen Film abschrecken lassen können, den Peter Beauvais Mitte der achtziger Jahre mit Vadim Glowna in der Hauptrolle auf die Fernsehzuschauer losließ und der wirkte wie die Wiederbelebung des Siebziger-Jahre-Autorenfilms mittels Fernseh-Budgets. Worum also geht es in Buch und Film? Zwei Paare in den mittleren Jahren begegnen sich per Zufall im Urlaub. Am Bodensee. Der hyperaktiv-sportive Klaus, der redet wie ein Buch und deswegen auch so heißt, mit seiner blutjungen Lebensabschnittsgefährtin Helene, kurz „Hel“ genannt, und der schwermütige Studienrat Halm nebst Gattin Sabine. Klaus Buch erkennt in Helmut Halm einen ehemaligen Schulkameraden wieder, enthüllt pikante Details aus der gemeinsamen Jugend und geht dem introvertierten Lehrer gehörig auf den Geist. Den möchte Halm eigentlich nur in Ruhe an Kierkegaard schärfen. (Der dänische Philosoph gilt mit seinem tiefgründigen Nachdenken über Gott gläubigen Grüblern als Galionsfigur; der Film ersetzte ihn durch Schopenhauer.) Doch mit der Ruhe ist es nun vorbei. Nach einem gemeinsamen Segelausflug und einem Anflug von Wahlverwandtschaften, die sich zwischen den Paaren abzeichnen, kommt es dann zu jener unerhörten Begebenheit, die eine gute Novelle ausmacht, zunächst allerdings noch verzögert durch ihr symbolisches Vorspiel: Die zwei Männer und zwei Frauen verirren sich – natürlich ist Helmut schuld – auf einer spontan anberaumten Wanderung. Unterwegs kommt es zur Begegnung mit einem durchgegangenen Pferd, die Klaus, allzeit Herr der Lage und Meister aller Klassen, Gelegenheit gibt, sich als Pferdeflüsterer zu beweisen. Als Klaus und Helmut kurz darauf ohne Frauen segeln gehen, werden beide von einem Gewittersturm überrascht. Das Boot droht zu kentern. Klaus brüstet sich mit seinem Mut, Wind und Wellen zu trotzen – und geht über Bord... Wie gesagt, mit diesem Minimum an Handlung eignet sich „Ein fliehendes Pferd“ nicht als Vorlage für einen Spielfilm. Von vornherein war klar, dass Dialoge und Drama-Elemente dazuerfunden werden müssten, um dem Film die nötige Substanz zu verleihen. Die Frage war nur, wie gut Rainer Kaufmann, mit den Ingrid-Noll-Verfilmungen „Die Apothekerin“ und, besonders gelungen, „Kalt ist der Abendhauch“ immerhin ausgewiesener Experte für Adaptionen literarischer Vorlagen, und seinen Drehbuchautoren dies gelingen würde. Dass ihnen nichts Besseres einfiel, als die komplexe Beziehungsproblematik von Helmut und Sabine auf sexuelle Frustration zu reduzieren und selbige dann auch noch obszön ins Bild zu setzen, ist der Hauptgrund für das Scheitern des Films. Genauer betrachtet ist es freilich eine ganze Reihe von Fehlgriffen, die den Film ruiniert: Helmut Halms Minderwertigkeitskomplex, sein Eskapismus, sein freiwilliges inneres Exil, seine widersprüchliche Liebe zu Sabine – im Film merkt man nichts davon. Denn der Regisseur vergröbert Walsers nuancierte Charakterzeichnung und lässt in seiner Filmhandlung nur vordergründige Motive erkennen. Was Walser in Gedanken und erlebter Rede in der Schwebe lässt, die sexuelle Anziehungskraft, die Hel auf Helmut ausübt, die Schürzenjägerqualitäten von Klaus, die auf Sabine wirken, Hels Hang zur Nymphomanie: Kaufmann setzt es um als unglaubwürdige Entgleisungen; stellenweise gleitet sein Werk ab in die filmästhetischen Untiefen einer Sex-Posse, auch wenn wahrscheinlich eher ein Abendhauch des Desillusionspotentials von „American Beauty“ bezweckt war. Klaus, den der Autor der Novelle in einem verblüffenden Schlussakkord als gehemmten Hanswurst entlarvt, ist am Ende des Films immer noch, was er, auf der Oberfläche, von Anfang an war: eine viril-vitale Sexmaschine, ein geckenhafter Gustav Gans, dessen Glücksstern niemals sinkt, eine Comicfigur. Sogar die Schlüsselszene um das fliehende Pferd vergeigt Kaufmann, indem er sie zur austauschbaren Action-Sequenz umgestaltet, die jegliche Symbolik verschleiert. Besonders unverzeihlich wird der Kenner der Vorlage schließlich und endlich das Fehlen von Halms Hund Otto finden. Hätten sie uns den doch wenigstens gelassen! Doch Kaufmann degradiert den Gag-Garanten zum Nachbarshund auf Abwegen. Seit wann verschenkt ein Spielfilm solche Steilvorlagen für Situationskomik? Was dem Streifen an Qualität verbleibt, verdankt er dem optisch aufregend inszenierten Höhepunkt, dem Unwetter über dem Bodensee, vor allem aber dem hervorragenden Ensemble: Ulrich Noethen (Helmut) als genervter Gratwanderer, Katja Riemann (Sabine) als ausgehungerte Amazone, Ulrich Tukur (Klaus) als notorische Nervensäge und die weniger bekannte Petra Schmidt-Schaller, die mit Julie-Delpy-Charme manches Fragezeichen verblassen lässt, das Hels Verhalten im Kopf des Zuschauers entstehen lässt. Retten können deren Darstellerqualitäten Kaufmanns misslungene Martin-Walser-Adaption jedoch nicht. Seine Inszenierung lässt dem Zuschauer keine Chance, dem, was die Figuren umtreibt, wirklich auf den Grund zu kommen. „Wenn ich die Geschichte, die diese Schauspieler spielen, nacherzählen würde, käme eine andere Geschichte heraus", kommentierte der Autor selbst die Umsetzung seiner Novelle. Abgesehen davon fand er den Film gelungen. Und mancher mag seiner Argumentation folgen, dass es eben nicht mehr seine, Walsers, Figuren sind, die hier agieren; es sind Walsers Figuren in der Interpretation von Kaufmann. Die Mehrheit aber, die dürfte wohl eher zu dem Schluss gelangen, dass das Ergebnis von Kaufmanns Anstrengungen ein mittelmäßiger und langatmiger Fernseh-Einteiler ist, und sich fragen: Warum soll man dafür ins Kino gehen, läuft ja doch bald als Fernsehspiel im ZDF-Nachtprogramm (wo der Film auch hingehört). Das film-o-meter blieb jedenfalls selten so kalt wie heute, ein fliehendes film-o-meter sozusagen. Eine Gastkritik der film-o-meter-Redaktion (www.film-o-meter.de)

    Hinzugefügt am 24.09.2007 um 16:29 Uhr
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    Ehemaliger User
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      3 - Nicht schlecht

    Vielleicht hätte ich Martin Walsers Novelle nicht wiederlesen sollen. Denn der Film konterkariert besonders am Ende die Aussage der Literaturvorlage. Schade! Ansonsten stimmte alles. Das Lehrerehepaar Helmut (Ulrich Noethen) und Sabine Halm (Katja Riemann) verbringt seinen Urlaub am Bodensee - zum nunmehr zwölften mal. Diesmal platzt jedoch mit Klaus Buch (Ulrich Tukur) ein längst vergessener Kumpel aus Schul- und Universitätstagen in die gelangweilte Routine der Halms. Klaus demonstriert unübersehbar sein Tat- und Lustmenschentum. Begleitet wird er von seiner jungen Lebensgefährtin Helene (Petra Schmidt-Schaller), die mindestens ebensoviel Lebenslust vor sich her trägt wie Klaus. Klaus und Helene drängen sich Sabine und Helmut immer mehr auf, wobei sich Sabine Klaus' Annäherungsversuchen immer zugänglicher zeigt. Als Klaus und Helmut auf einem Segeltörn von einem Gewitter überrascht werden, kommt es zur Katastrophe... Was für ein toller Film! Und ach, welch vergebene Chance zur gleichen Zeit! Die Randbedingungen stimmen: das Bodensee-Urlaubs-Setting, ein plüschiges Paradies, so recht geschaffen für deutsche Biederleute, die nichts mehr ausstehen möchten. Gute Kameraführung. Und ein Schauspielerquartett voller Spielfreude. Ulrich Noethen verkörpert den introvertierten Helmut Halm, der sich am wohlsten fühlt, wenn nichts mehr mit ihm geschieht. Ulrich Tukur ist das ganze Gegenteil: sein Klaus Buch poltert mit seiner penetranten Jovialität immer dazwischen. Katja Riemann zeigt als frustrierte Sabine, die sich mit der Eheroutine schon abgefunden hatte, nun aber Morgenluft für verdrängte Wünsche wittert, eine überzeugende Leistung. Bislang hielt ich sie für überschätzt (als Doro im "Bewegten Mann" eine krasse Fehlbesetzung, als "Apothekerin" farblos, in "Rosenstraße" unklar, ob der gute Eindruck an Katja oder am Drehbuch liegt, wenig einpägsame Nebenrollen in "Nur über meine Leiche" und "Agnes und seine Brüder", ihre beste Rolle bislang als Barbara Blocksberg in den "Bibi Blocksberg"-Filmen), aber die Sabine Halm ist ihr auf den Leib geschneidert. Auch Jungschaupsielerin Petra Schmidt-Schaller lässt sich mitreißen und verkörpert eine naiv-verspielte Helene, die mit ihrem Spät-Lolita-Charme Helmuts verschüttete Triebe zu neuem Leben erweckt. Einfach klasse, wie unbedarft sie Doppeldeutiges absondert ("Lust auf 'ne Latte?", "Du kennst dich gut aus mit Vögeln."). Der Spaß, den die Schauspieler an ihrem eigenen Spiel und an der Interaktion untereinander entwickeln, überträgt sich zwanglos auf den Zuschauer. Die Detailänderungen gegenüber der Walser-Vorlage erscheinen zunächst als zeitgemäße Adaptionen, die an der Grundkonstellation wenig ändern. Helmuts Vorliebe für Ornithologie ist sogar eine echte Verbesserung gegenüber seiner eher farblosen Wanderleidenschaft aus der Novelle. Jedenfalls schafft der Ausflug ins Schilf nebst Suche nach der Rohrdommel wesentlich mehr Anlässe für Mißverständnisse und Reinfälle als die Walsersche Wanderung auf den Höchsten. Auch Helenes Beruf als Pilates-Trainerin ist akzeptabel. Wie gesagt: die Details sind andere, die Kleeblatt-Konstellation der Buchvorlage bleibt erhalten und erfährt über zwei Drittel des Filmes sogar überraschende, belebende Impulse. Glänzend Sabines mißglückte morgendliche Masturbation und der handgreifliche Ehestreit zwischen den Halms, der den unterdrückten sexuellen Bedürfnissen der beiden zum Durchbruch verhilft. Doch mit fortschreitender Filmdauer zeigen sich immer deutlicher die Unterschiede in der Charakterisierung des Klaus Buch. In der Novelle zeigt er durchaus zwanghafte Tendenzen (die dogmatische Ernährungsweise) und offenbart Minderwertigkeitsgefühle (das "Hast du mich noch lieb?"-Ritual mit Helene). Beides fehlt im Film. Um so schwerer fällt es dem Zuschauer, das einzige Rudiment - seine Angst vor Hundeberührungen - richtig einzuschätzen. Auf der Leinwand bleibt Klaus Buch ungebrochen der genialische Kraftmensch, der sich vom Leben einfach nimmt, was er will. Deshalb ist für den Kinozuschauer wohl kaum zu verstehen, weshalb solch ein Lebemann überhaupt die Nähe solch uninteressanter Leute wie den Halms sucht, ja, mit Helmut sogar in Mittelamerika ein neues Leben anfangen will. Der Film-Klaus hat doch alles, und ihm fehlt nichts. Verfälschend auch der Ablauf des Segelunfalls. In der Novelle kommt er zustande durch eine Panikreaktion Helmuts, wonach Klaus unauffindbar ist. Im Film ist Helmuts Verstrickung wesentlich schuldbeladener, was das Weiß-Schwarz-Schema zwischen Klaus und Helmut noch verstärkt. Total enttäuschend stellt sich für den Freund der Novelle aber der Schluss des Films dar. Helene trauert um ihren Klaus, den sie posthum weiter vergöttert. Gewiss, das Seebegräbnis mit Weizenkleie schenkt dem Film eine nette Lachszene. Aber der Clou der Novelle geht verloren. Zumal auch Klaus Buchs "Wiederauferstehung" im Film wesentlich triumphaler gerät als im Buch. Gerade die Demontage bzw. Demaskierung von Klaus Buchs grandioser Fassade - was pikanter Weise durch Helene geschieht - macht den Reiz der Novelle aus. Und lässt die innere Wandlung Helmut Halms viel verständlicher erscheinen. Die scheindramatische Zuspitzung in der letzten Szene wirkt hingegen aufgesetzt und bemüht pathetisch. Schade! Der Film hätte ein Meisterwerk werden können, wenn er sich etwas näher an die Literaturvorlage von Martin Walser gehalten hätte. Fazit: Ein glänzend aufgelegtes Schauspieler-Quartett kann sich letztlich nicht gegen Drehbuchmängel durchsetzen. Leider entfernt sich der Film am Ende zu stark von der Walser-Vorlage und konterkariert sogar ihre Aussage. Bewertung: 6 von 10 Turgenjew-Rezitationen auf dem Segeldeck Hätte sich der Film enger an die Vorlage gehalten, wären locker 9 Punkte möglich gewesen.

    Hinzugefügt am 20.09.2007 um 15:07 Uhr
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      0.5 - Null

    Und noch ein deutscher Film nach typischem Langweil-Rezept: 1. Man nehme ein Pärchen. Der Kerl muss dabei ein übertrieben-langweiliger Spießer sein, schließlich muss sich seine Freundin/Freau nachher vom abenteuerlustigen Konkurrenten vögeln lassen. 2. Man bringe einen weiteren Kerl (den "Konkurrenten") ins Spiel, der ein komplettes Kontrastbild des übertrieben-langweiligen Spießers ist. 3. Man lässt die Freundin/Frau den "Konkurrenten" bewundern, weil er ja ach-so-abenteuerlustig und quicklebendig und praktisch überhaupt alles ist, was der Feund/Mann NICHT ist. -> Sex. 4. Erbitterter Kampf des Langweilers wahlweise mit dem Konkurrenten und dann mit sich selbst, Reihenfolge alternierend. Langweiler stellt fest, dass er weniger langweilig und spießig sein sollte, alle sind glücklich, Freundin hat wieder mit ihm Sex, Friede-Freude-Eierkuchen-> HFF/FFF München, Berlin, deutsche Kinos->Fertig. Drei deutsche Filme gab es in letzter Zeit. ALLE nach ebendiesem Fertigrezept. -> Fata Morgana. ->Reine Geschmacksache (hier übernimmt der Sohn die Rolle der Freau/Freundin, der aber ebenso Sex mit dem "Konkurrenten" haben will, ansonsten alles identisch nach Schema F) -> Ein fliehendes Pferd. Ich weiß nicht, kommen diese Filme zur gleichen Zeit in Deutschland raus, um die vermeintliche Spießernatur der deutschen ein wenig durchzurütteln? Unglaublich, dass es tatsächlich Leute gibt, die dieses Schema noch spannend finden... Da retten leider auch die besten Schauspieler nichts an der Situation. Mannmannmann, wenn "Vier Minuten" dieses Jahr nicht gewesen wäre, würd' ich sagen, seit "Erbsen auf halb sechs" und "Die Fetten Jahre sind vorbei" anno 2004 gab es nun wirklich nichts sehenswertes im deutschen Kino... Schade. Frankreich zeigt wie's geht.

    Hinzugefügt am 11.09.2007 um 15:16 Uhr
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      5 - Spitzenklasse

    Den Vieren bei Ihrem munteren Treiben zuzuschauen ist wirklich ein Genuss. Einerseits äusserst witzig aber auch dramatisch. Sehr sehenswert!

    Hinzugefügt am 01.09.2007 um 15:41 Uhr
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      0.5 - Null

    Also ich habe heute den Film (leider) im Kino gesehn und ich muss sagen der war fast noch schlechter wie Fata Morgana... Vor allem das plötzliche Ende fand ich doch sehr einfallslos, wie die beiden dann halt eben einfach verschwunden waren und des päärchen halt schwimmen gegangen ist... Naja ich will denen, die da rein gehen net zu viel vorweg nehemen. Das ist alles nur meine Meinung...

    Hinzugefügt am 28.08.2007 um 00:39 Uhr
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