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Batmans Rückkehr
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Batmans Rückkehr
Von Martin Soyka
Der erste halbwegs ernst zu nehmende Batman-Film aus dem Jahr 1989 war ein monströser Erfolg gewesen, weshalb die Frage nach einem Sequel eigentlich nur eine Formsache war. Regisseur Tim Burton sah den ersten Film dem Vernehmen nach allerdings als künstlerischen Fehlschlag an und hatte sich die größtmögliche Kontrolle über den Nachfolger ausbedungen. Und Warner ließ sich für die Comic-Verfilmung nicht lumpen: mehr Geld für die Ausstattung und die Darsteller, mehr Schurken, mehr von allem. Und Schluss mit dem Pop-Gedudel à la Prince. Doch den direkten Vergleich muss der Erstlingsfilm dann doch für sich entscheiden, denn ein wirklich guter Film ist „Batmans Rückkehr“ nicht.

Winter in Gotham. Alles friert und bibbert, der Schnee rieselt leise aber beständig. Natürlich schläft das Unrecht nicht und Nacht für Nacht streift Batman (Michael Keaton) in seinem Batmobil durch die Straßen, immer auf der Suche nach dem Verbrechen, das gerade begangen wird. Bald soll er es mit einer ganzen Reihe von neuen Widersachern zu tun bekommen. Da ist zum Beispiel der größenwahnsinnige Industrielle Max Shreck (Christopher Walken), der die Stadt mit einem Bauprojekt für ein Kraftwerk übers Ohr hauen will. Als dessen Sekretärin/Assistentin Selina Kyle (Michelle Pfeiffer) davon Wind bekommt, wirft der Schurke sie glatt aus dem Fenster. Aber Selina steht wieder auf, merkwürdig verändert und mit einer plötzlichen Vorliebe für Milch. Aus ihr wird Catwoman, ein weiblicher Outlaw, irgendwo zwischen schlichter Krimineller und Vigilantin. Zu ihnen gesellt sich Oswald Cobblepot (Danny DeVito in grotesker Aufmachung), von seinen Eltern als kleines Kind wegen seines bereits damals schwierigen Wesens kurzerhand in die Kanalisation entsorgt und von dort lebenden Pinguinen (!) aufgezogen und nun zu einem ausgesprochenen Widerling herangewachsen. Die beiden männlichen Bösewichte bilden eine unheilige Allianz, um Gotham zu unterwerfen. Das kann der Dunkle Ritter selbstverständlich nicht zulassen. Die Lage verkompliziert sich, als sich Batman und Catwoman einerseits und Bruce Wayne und Selina Kyle andererseits näher kommen…

An optischen Schauwerten mangelt es der Produktion nicht. Um den Winter in der künstlichen Phantasie-Stadt Gotham plausibel darzustellen, ließ Tim Burton das gesamte Set so weit herunterkühlen, dass man den Atem der Schauspieler sehen konnte. Man mag sich gar nicht vorstellen, was es gekostet haben mag, eine ganze gigantische Halle der legendären Pinewood-Studios in einen Kühlschrank zu verwandeln. Das Batsuit wurde einer Generalüberholung unterzogen (dunkelblau statt schwarz und mit mehr Kanten am Sixpack) und auch das Batmobil darf sich zwischendurch zu einer Bat-Rakete auf Rädern verschlanken. Das Fatsuit des Pinguins muss dem Schauspieler DeVito trotz der Kälte am Set diverse Schweißtropfen gekostet haben. Optischer Leckerbissen bleibt allerdings – zumindest für den geneigten männlichen Zuschauer – das Outfit der Catwoman, das buchstäblich wenig Platz für Phantasie lässt. Nur der in den Comics nicht auftretende Max Shrek (der Name ist vom deutschen Nosferatu-Darsteller Max Schreck geliehen) ist in optischer Hinsicht nicht wirklich gelungen, sondern wirkt etwas zerzaust.

Immer noch gern berichtet wird, wie sich diverse Darstellerinnen um die Rolle der Catwoman gerissen hatten, Eartha Kitts sexy Präsenz in der 1960er-Serie mit Adam West und Burt Ward war ihnen noch in bester Erinnerung und keine wollte sich die Chance entgehen lassen, wie sie ein Sexsymbol zu werden. Insbesondere Sean Young hatte sich durch Fernsehauftritte im entsprechenden Outfit im Vorwege unsterblich zum Narren gemacht. Zunächst fiel die Wahl auf Annette Benning, als die aber plötzlich ein Kind erwartete, castete man Michelle Pfeiffer, die sich angeblich schon vor dem ersten Film interessiert gezeigt hatte, obwohl die Figur dort gar nicht vorgesehen gewesen war. Eine ausgezeichnete Wahl, denn ihre Rolle ist die beste und wirkt, als wäre sie der fragilen Schauspielerin wie auf den Leib geschrieben. Halle Berry hatte in dem missratenen Quasi-Spin-Off-Remake Catwoman viel weniger Glück, obwohl beide Versionen mit der Original-Figur kaum etwas gemein haben. Pfeiffers Performance ist die einzige, die halbwegs überzeugen kann, was aber in erster Linie am Drehbuch liegt, das nicht zu vernünftigen darstellerischen Leistungen einlädt.

Insbesondere Danny DeVito muss sich darauf beschränken, wild zu chargieren. Sein Bösewicht ist ebenfalls weit von der Vorlage entfernt, denn dort ist der Pinguin ein leicht untersetzter Gentleman-Gangster mit vorzüglichem Outfit, Monokel, Zigarettenspitze und einer Vorliebe für Trickschirme. Hier muss er ein körperlich und seelisch deformiertes Monster geben. Dreidimensional ist sein Charakter ebenso wenig wie der des für die Geschichte eigentlich überflüssigen Max Shrek.
Wieder die zweite Geige muss Michael Keaton in der Titelrolle spielen. Mehr noch als im ersten Teil ist er in den Hintergrund gedrängt und grübelt in der Bathöhle vor sich hin. Er ist und bleibt fehlbesetzt und man muss bis heute rätseln, was Burton dazu gebracht haben mag, sich auf ihn zu versteifen. Batmans Charakter, seine Zerrissenheit zwischen Rach- und Gerechtigkeitssucht, ist faszinierend und der Grund, warum sich diese Figur seit Ende der 1930er Jahre beständig und erfolgreich hält. Erst Batman Begins beschäftigt sich in angemessener Weise mit ihm. Es ist unfassbar, dass Warner vier Filme brauchte, um sich dieser Erkenntnis zu stellen.

Die erlesene Schar von Darstellern müht sich mit einem Drehbuch voller Längen und Löcher herum, das ihnen wie ein Korsett keine Möglichkeit zur Entfaltung bietet. Ausstattung und expressionistisches Flair haben dem ehemaligen Trickfilmzeichner Burton wohl mehr bedeutet, als eine packende Handlung. Woher kommen die Pinguine in der Kanalisation? Wie können sie ein Kind aufziehen? Wie soll der angebliche Betrug mit dem Kraftwerk funktionieren? Wieso hat Selina so viele Leben? Und warum wird sie jenseits jeder Rache kriminell? Wir wissen es nicht, der Film behält dieses und vieles mehr für sich. Verglichen mit der übermächtigen Präsenz des Jokers aus dem ersten Teil wird auch klar, warum sich die Drehbuchautoren gleich dreier Schurken bedienten, um Spannung zu erzeugen: Einer alleine hätte zu wenig Potential gehabt, um es mit Batman aufnehmen zu können. Dies wird im Showdown deutlich, der wie ein merkwürdiger Antiklimax wirkt. Wird die Reihe der Schurken aufgebrochen, töten sie sich entweder gegenseitig oder fallen einfach tot um. Batman hat da eigentlich nicht viel zu tun. Unfassbar (das Drehbuch des Films wird übrigens in einem Fachbuch über das Drehbuchschreiben als Paradebeispiel geführt, wie man es NICHT machen sollte).
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