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Universal Soldier
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Universal Soldier
Von Björn Becher
Wer von Europa nach Hollywood will, darf in der Traumfabrik nur selten mit einem Herzensprojekt loslegen. Am Anfang steht meist eine Auftragsarbeit. Diese Erfahrung machte auch Roland Emmerich, der später Box-Office-Hits wie die Katastrophenthriller Independence Day und The Day After Tomorrow inszenierte. Die US-Karriere starten musste er aber mit einem B-Actioner: „Universal Soldier“ ist ein Vehikel für die muskelbepackten B-Helden Dolph Lundgren und Jean-Claude Van Damme. Auch wenn „Universal Soldier“ nie mehr als trashige Unterhaltung ohne Hirn ist, macht der Zweikampf zweier Kampfmaschinen auch heute noch Spaß. Und Emmerichs gute Inszenierung hat einen großen Anteil daran.

Vietnam, 1969: Während der Soldat Luc Deveraux (Jean-Claude Van Damme) davon träumt, endlich nach Hause zu dürfen, läuft Sergeant Andrew Scott (Dolph Lundgren) Amok. Er tötet im Wahn, von Verrätern umgeben zu sein, zahlreiche Kameraden und unschuldige Zivilisten. Deverauxs Versuch, Scott zu stoppen, kostet beiden Kämpfern das Leben.

23 Jahre später: Colonel Perry (Ed O'Ross) hat basierend auf den Forschungen des Wissenschaftlers Dr. Christopher George (Jerry Orbach) das „Universal Soldier“-Programm gestartet. Verstorbene Soldaten werden reanimiert und als tödliche Kampfmaschinen mit übermenschlichen Kräften im Kampf gegen Terroristen eingesetzt. Unter den Universal Soldiers befinden sich auch Deveraux und Scott. Dann löst ein Einsatz bei Deveraux Erinnerungen an Vietnam aus. Als kurz darauf die neugierige Journalistin Veronica Roberts (Ally Walker) versucht, hinter die Geheimnisse der Universal Soldiers zu kommen und dabei beinahe von Scott getötet wird, schreitet Deveraux ein und flieht mit der Reporterin. Während Deveraux langsam lernt, wieder ein Mensch zu sein, nehmen Perry und seine Supersoldaten - allen voran der immer gefährlicher werdende Scott - die Verfolgung auf…

Regisseur Roland Emmerich wollte schon immer unbedingt nach Hollywood. Von Anfang an waren seine Filme darauf ausgerichtet, ihn irgendwann in die Traumfabrik zu befördern. Der 1990 in Deutschland in englischer Sprache gedrehte Science-Fiction-Actioner „Moon 44“ war Emmerichs endgültige Hollywood-Bewerbung. Und wenn man diesem Duktus treu bleiben will, dann war „Universal Soldier“ sein Einstellungstest. Als Emmerich die Chance bekam, den eigentlich vorgesehenen Regisseur Andrew Davis (Auf der Flucht, Alarmstufe: Rot) zu ersetzen, waren die Anforderungen, die Produzent Mario Kassar und sein Studio Carolco an Emmerich stellten, klar: schnell und kostengünstig arbeiten, keine Sperenzien und Kasse machen. Das Drehbuch, das Emmerich zur Verfügung gestellt wurde, geht daher auch auf Nummer sicher. Ein paar Elemente bekannter und erfolgreicher Actioner wie Rambo, Terminator und RoboCop werden mit den typischen Genreversatzstücken kombiniert. Emmerichs Aufgabe war es nun, daraus ein unterhaltsames Ganzes mit ordentlich Krachwumm zu machen. Und das ist ihm weitestgehend gelungen.

Obwohl Emmerich nur ein moderates Budget von etwas mehr als 20 Millionen Dollar zur Verfügung stand, gelingt es ihm, die Actionszenen nach mehr aussehen zu lassen. Hier liegt der Fokus der Produktion und hier kann der deutsche Regisseur seine Stärken ausspielen. Die rasante Verfolgungsjagd von einem Gefängnisbus und dem Truck der Universal Soldiers ist mitreißend und fulminant inszeniert, die finale Konfrontation zwischen Deveraux und Scott – zumindest in der ungekürzten Fassung – ein brutaler Zweikampf, bei dem die Fetzen fliegen. Gefangene werden hier keine gemacht, auch nicht auf dem Weg dahin, der mit kurzweiligen und harten Actionszenen gepflastert ist. Die übrigen Szenen sind eher sekundär. Die wissenschaftlichen Grundlagen, die hinter den Universal Soldiers stehen, werden lapidar mit einem einzigen Satz abgehandelt. Die Beziehung zwischen den Flüchtenden Deveraux und Roberts wird alibihaft hier und da vertieft, ohne dass das Drehbuch dabei über Allgemeinplätze hinausgeht.

Neben der Action wurde nur dem Humor noch etwas Aufmerksamkeit geschenkt. Ein Barbesuch, bei dem Van Dammes Charakter erst das Essen lernt, sich dann mit den übrigen Besuchern anlegt und zwischendrin die Jukebox anwirft, ist eine augenzwinkernde Reminiszenz an eine ähnliche Szene aus Kickboxer. Und dann darf Van Damme auch noch splitterfasernackt vor einem Motel im Sand stehen und seine mit Babyöl eingecremten Pobacken prominent in die Kamera halten. Da lässt das immer leicht homoerotisch angehauchte Actionkino der Achtziger grüßen. Diese ironischen Brechungen, die auch Van Dammes Art, immer mal wieder mit dem eigenen Image zu brechen (siehe aktuell auch: JCVD), geschuldet sind, tun dem Film gut. Die Szenen, die die Anpassungsprobleme des „Wiederbelebten“ an seine Umwelt thematisieren, funktionieren als Auflockerung zwischen den harten Actionszenen. Auch wenn dies in Terminator 2 ein Jahr zuvor deutlich besser (und auch kohärenter) umgesetzt wurde.

Mit Van Damme (Bloodsport, Until Death) und Lundgren (The Defender, Missionary Man) stehen zwei Darsteller im Fokus, die sich vor allem aufgrund ihrer physischen Voraussetzungen für ihre Rollen qualifizierten. Schauspielerisch wird von ihnen nicht viel verlangt, aber selbst die Darstellung der stoischen Fast-Maschinen klappt nicht immer zufriedenstellend. Dennoch haben beide eine ungeheure körperliche Präsenz. Für Van Damme und Lundgren gehört der Film auch heute noch zu den wichtigsten Werken ihrer Karrieren. Lundgren, dem als Antagonist in Rocky IV der Durchbruch gelang, konnte später nie mehr an den Erfolg von „Universal Soldier“ anknüpfen. Für Van Damme war es der bis dato größte Erfolg an der Kinokasse, den er nur mit „Timecop“ noch einmal toppen konnte. Als sich seine Kinokarriere mit einigen Flops gen Ende neigte, versuchte er, 1999 mit dem Sequel „Universal Soldier - Die Rückkehr“ eine Kehrtwende einzuleiten. Doch die Fortsetzung war ein katastrophaler Flop und Van Dammes bis heute letzter Leinwandaufritt in Amerika. Seit Jahren halten sich Gerüchte, Van Damme und Lundgren würden mit einem weiteren Sequel (1998 entstanden auch noch zwei für das amerikanische Fernsehen - zwar mit den bekannten Charakteren, aber mit anderen Darstellern) den Sprung vom DVD-Geschäft zurück in die Kinos wagen. Trotz mehrfacher Ankündigungen ist daraus bisher aber nichts geworden.

Ex-Soap-Darstellerin Ally Walker (Singles) macht als obligatorische Quotenfrau an der Seite der Muskelmänner eine überraschend gute Figur und reißt als toughe Reporterin ein paar kecke Sprüche. Mit Ed O’Ross („Six Feet Under“, Red Heat) und Jerry Orbach (Dirty Dancing, Deadly Revenge, Der Mann im Hintergrund) liefern noch zwei Veteranen des Action- und Thriller-Kinos in Nebenrollen gewohnt solide Kost ab. Dass bei der Besetzung der Universal Soldiers mehr auf die physischen als auf die schauspielerischen Fähigkeiten geachtet wurde, zeigt auch die Besetzung zweier weiterer Nebendarsteller: Ralf Moeller (Gladiator, Far Cry, Postal) in seinem zweiten Hollywoodauftritt und Ex-Wrestler Tommy „Tiny“ Lister (Dark Knight, The Grand) mimen zwei der Kampfmaschinen.

Fazit: „Universal Soldier“ ist Testosteron-getränktes Haudraufkino, das seine B-Movie-Herkunft nie ablegen kann/will, das aber trotz aller Schwächen großen Spaß bereitet. Und darauf kommt es in diesem Genre nun einmal in erster Linie an. Für Regisseur Roland Emmerich hat sich der Film sowieso gelohnt: Den Einstellungstest hat er bestanden, die Hollywoodkarriere dauert – trotz des 10.000 B.C.-Debakels - bis heute an.
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