Kritik:
Ein ägyptischstämmiger US-Bürger, der Ingenieur El-Ibrahimi, gerät ins Visier von CIA-Agenten. Der Geheimdienst ist nach einem teuflischen Terroranschlag besonders, vielleicht etwas zu hellhörig. El-Ibrahimi wird in die Folterkammer eines nordafrikanischen Staates verschleppt, der mit den USA zusammenarbeitet. Zu Hause kommt seine hochschwangere Frau fast um vor Sorge. Resolut setzt sie alle Hebel in Bewegung, um zu erfahren, wo ihr Mann steckt. Reese Witherspoon, die für ihre Rolle als Ehefrau des christlichen Countrysängers Johnny Cash den Oscar gewann, erweist sich auch in diesem brisanten Politkrimi als hervorragende Charaktermimin. „Machtlos gehört zu der Art Filmen, die politische Praktiken und ihre Moral aufarbeiten“, erklärte die blonde Südstaaten-Schönheit im Interview. „Einerseits scheint diese Praxis ja durch das allgemeine Klima erzwungen zu sein, in dem wir leben; andererseits ist sie aber auch vollkommen inakzeptabel mit ihren Auswirkungen und Methoden.“ Die moralischen Fragen, die der Film aufwirft, liegen auf der Hand: Was ist erlaubt im Kampf gegen den weltweiten Terror? Dürfen Irrtümer billigend in Kauf genommen werden? Sind alle Gebote Gottes und die Rechte des Einzelnen automatisch außer Kraft gesetzt, wenn nur ausreichend Menschenleben auf dem Spiel stehen? Witherspoons Widerpart im Film ist Meryl Streep als Geheimdienst-Chefin, die eiskalt ihre Fäden spinnt. Witherspoon sieht in dieser Konstellation das Bemühen um Ausgewogenheit und bemühte sich auch selbst darum, nicht einseitig Stellung zu beziehen: „Die Sachlage ist kompliziert. Ich bin Schauspielerin, keine Politikerin. Ich kann mir nicht im Entferntesten vorstellen, was es bedeuten würde, diese Art von Verantwortung zu tragen, die nationale Sicherheit aufrechtzuerhalten. Natürlich gibt es immer zwei Seiten der Medaille, und ich hoffe dieser Film zeigt beide!“ Trotz insgesamt eher einseitig verteilter Sympathien ist es dem Film des Südafrikaners Gavin Hood in der Tat hoch anzurechnen, dass er die Argumente der Realpolitiker nicht außer Acht lässt: „7000 Menschen in London sind heute noch am Leben", sagt Meryl Streep im Film, „wegen Informationen, die auf genau diese Weise beschafft wurden!“ Und mal Hand aufs Herz: Wer würde noch gegen Guantanamo auf die Straße gehen, wenn nachgewiesen wäre, dass ein durch Folter erpresstes Geständnis ihm bei einem Kaufhausbummel in London das Leben gerettet hat?
Einen Ausweg aus dem Dilemma kann und will Hood, der die einzelnen Erzählstränge raffiniert miteinander verwoben hat, nicht zeigen. Das ist schmerzhaft und gerade deshalb sehenswert. „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“ Wer Christus diesen Satz nicht abnimmt, der wird sich auf dieser Welt letztlich immer fühlen wie so viele in diesem Film: machtlos.
(Eine Gastkritik von www.film-o-meter.de)