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Batman hält die Welt in Atem
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Batman hält die Welt in Atem
Von René Malgo
Zurzeit scheint die Superhelden- und Comicwelle im Kino nicht abzuflachen. Mit Die Unglaublichen und Sky High gab es schon die ersten Parodien auf Hollywoods neu entdeckte Goldader. Doch bereits Jahre vor dem modernen Super-Hero-Hype suchte 1966 ein Trash-Fest die Kinos heim, welches mittlerweile als gelungene Persiflage auf die moderne Superheldenverfilmung gesehen werden kann: "Batman hält die Welt in Atem"...

Die vereinigte Unterwelt hat den Erfinder einer Dehydrierungsmaschine entführt, eine Maschine, mit der Menschen entmaterialisiert werden können. Doch Batman (Adam West) und Robin (Burt Ward) sind der Unterwelt, bestehend aus dem Joker (Cesar Romero), Pinguin (Burgess Meredith), Riddler (Frank Gorshin) und Catwoman (Lee Meriwether) bald auf der Spur. Das Schicksal der ganzen Welt liegt nun in ihren überaus fähigen Händen. Batmans und Robins Mission beginnt auf See. Sie suchen ein Schiff und plötzlich verschwindet es vor der Nase ihres Bat-Helikopters. Ein Hai beißt sich in Batmans Bein fest, nur das Super-Anti-Haifisch-Spray kann helfen. Der Hai fällt ins Wasser zurück und explodiert dort. Danach kommen Batman, Robin, Commissioner Gordon und Chief O’Hara in einem Gespräch, das von beispielloser, analytischer Verstandesschärfe zeugt, dahinter, wer die Täter sind:

Commissoner Gordon: It could be any one of them... But which one? Which ones?

Batman: Pretty fishy what happened to me on that ladder...

Commissoner Gordon: You mean where there's a fish there could be a penguin?

Robin: But wait! It happened at sea... Sea. C for Catwoman!

Batman: Yet, an exploding shark was pulling my leg...

Commissoner Gordon: The Joker!

Chief O’Hara: All adds up to a sinister riddle... Riddle-R. Riddler!

Commissoner Gordon: A thought strikes me... So dreadful I scarcely dare give it utterance...

Batman: The four of them... Their forces combined...

Robin: Holy nightmare!

Dieses sinnentleerte Kombinationsquasseln zeigt deutlich, in welche Richtung „Batman hält die Welt in Atem” geht. Die Comic-Persiflage muss genauso wenig ernst genommen werden, wie sie ihre comicliterarischen Vorlagen nimmt. „Batman hält die Welt in Atem“ parodiert so ziemlich alles und jeden. Nicht nur die damals noch nicht ganz so angesagten Superheldenverfilmungen werden schon (vorab) durch den Kakao gezogen, sondern auch die typischen Mechanismen von actionbetonten Verschwörungsthrillern und so genannten Whodunits. Denn Batman und sein treuer Robin brauchen gar keine richtigen Hinweise, um aus nichts ihre Ergebnisse zusammenzurätseln. Sie sind den Bösewichten hoffnungslos überlegen, tappen aber trotzdem voller Einsatz in jede erdenkliche Falle.

Batman: What has yellow skin and writes?

Robin: A ballpoint banana!

Batman: What people are always in a hurry?

Robin: Rushing people... Russians!

Batman: So this means...

Robin: Someone Russian is going to slip on a banana and break their neck!

Batman: Precisely, Robin!

Mit snobistischer Gelassenheit gibt ein untrainierter Batman mit Bäuchlein in einem lachhaften Kostüm und den „heißesten“ Leggins der Filmgeschichte seine zusammenkombinierten Weisheiten zum Besten und wirkt wie die amerikanische Variante eines britischen Klischeelords, allerdings im Faschingkostüm. Adam West erweist sich in so einer parodistischen Rolle als Idealbesetzung, gleichermaßen wie Burt Ward, der als Robin typisch jugendlich und jungenhaft wirkende Ausdrücke herrlich überspitzt von sich gibt und als an sich cleverer Naivling (kein Widerspruch) die richtige Karikatur eines Robin darstellt.

Robin: When you think, Batman, with those 4 supercrooks hangin' around, it's amazing somebody hasn't already reported this place to the police!

Batman: It's a low neighborhood, full of rumpots. They're used to curious sights, which they attribute to alcoholic delusions.

Robin: Gosh, drink is sure a filthy thing, isn't it? I'd rather be dead than unable to trust my own eyes!

„Batman hält die Welt in Atem” macht definitiv keinen Sinn. Parodistischer Unsinn ist das Stilmittel und tatsächlich bemüht sich der Film, so beschränkt daher zu kommen, wie nur irgend möglich. Der Film ist ein Zusammenschnitt aus der überaus erfolgreichen TV-Serie „Batman und Robin“. „Batman hält die Welt in Atem“ versprüht dieses typische Sixties-Flair, bonbonfarben und von einem schrägen Charme profitierend. Aber der Film ist auch trashig, zwar gewollt und klar berechnend, aber doch trashig. So wird die Komödie nicht jedermanns Sache sein und der sinnentleerte Humor, die schwachsinnigen Dialoge und die etwas andersartige Situationskomik mögen zweifellos nicht jeden Geschmack treffen.

Batman, ein Rätsel lesend: What goes up white and comes down yellow and white?

Robin: An egg!

Batman, ein weiteres Rätsel lesend: How do you divide seventeen apples among sixteen people?

Robin: Make apple sauce!

Batman, laut denkend: Apples into applesauce - A unification into one smooth mixture. An egg - nature's perfect container. The container of all our hopes for the future.

Robin: A unification and a container of hope? United World Organization!

Batman: Precisely, Robin! And there's a special meeting of the Security Council today. If what I fear is true...

Robin: Wow! Let's commandeer a taxi!

Batman: No, Robin. Not at this time of day. Luckily, we're in tip-top condition. It'll be faster if we run. Let's go!

„Batman hält die Welt in Atem“ macht Spaß. Es ist wundervoll anzusehen, wie Batman beispielsweise mit einer ewig tickenden Bombe durch ein Hafenviertel rennt und es nicht schafft, diese zu entsorgen; oder wenn bei einer Schlägerei im Bild die comichaften „Pows“, „Bangs“ und „Splashs“ aufpoppen. Wer sich auf den Film einlässt, darf sich prächtig unterhalten sehen, einige andere hingegen werden mit dem bewusst albernen (und zwar in absolut allen Belangen) „Batman hält die Welt in Atem“ nichts anfangen können. Aber gerade im Zuge der momentanen, modernen Superhelden-Hysterie ist dieser Film wieder sehr sehenswert und hat an etwas Aktualität noch mal dazu gewonnen. Wer dem trashigen Humor nicht abgeneigt ist, kann mit „Batman hält die Welt in Atem“ jedenfalls nicht viel falsch machen. Wer sich beim Lesen der Kritik und eingeflochtenen Zitate aber eher verwirrt an den Kopf kratzt, der sei besser damit beraten, einen Bogen um die Trash-Komödie zu machen.
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