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3.5 - Gut
Lehrer Josef(Zdenek Sverak)ist nicht mehr gewillt, die pubertären Provokationen und das eher locker-ungehobelte Verhältnis Prager Schüler zu seiner geliebten Literatur zu ertragen. Er entleert deshalb über dem Scheitel des Haupt-Rüpels den triefenden Schwamm und verlässt die Schule.
In der heimatliche Wohnung, deren Diagonale eine hochgradig phlegmatische Schildkröte als gymnastische Auflockerung in kürzester Zeit durchschlurfen würde, entfalten sich dann sanfte Diskrepanzen zwischen Josef und seiner Frau Eliska bei der Bewältigung alltäglicher Mühen im Rentnerstil.Er flieht bald vor der heimischen Staubbeseitigung und schmerzhaften Scharnier-Ölungen,verdingt sich als Rad fahrender Postbote, zerstört radelnd einen Zaun, bricht sich das Bein und regelt danach wohlgelaunt und mit hoher Kommunikationsbereitschaft die Leergut-Annahme in einem Supermarkt.
Überschaubare Konflikte mit den unterschiedlichen Generationen seiner Familie, mit ehemaligen und aktuellen Kollegen, Notlagen durch seine befriedigend pulsierenden Testosterone und existentielle Zwischenfälle in einem Heißluftballon haben sich zu einem cineastischen Füllhorn geformt, aus dem Ironie ohne Verletzungen und ein luftiger Humor herausfunkeln. Hysterisch lärmende Schenkelklopfer, die auch schon einmal ihren Platznachbarn die Kniescheibe zerlegen können, dürften diesen Film von Jan Sverak als weitgehend penetranten Langweiler ablehnen.
Denn fein dosiert werden mit gedrosselter Lautstärke die Zwischentöne zelebriert. Ohne Aufdringlichkeit schildert der Film gleich-und zwischengeschlechtliche Mechanismen und fädelt halb-skurrile Figuren in die Handlung, die zwischen Zuversicht und Zweifel ihren gedämpften Lebensrhythmus suchen. Die Eigenwilligkeit des heiter gestimmten Biertrinkers mit der Leber im Dauerstress, die alten Damen auf Schnäppchenjagd bzw.auf dem Weg in die Debilität und der eisene Endlosschweiger erhalten eine Wahrhaftigkeit, die Verhöhnung oder flapsige Clownerien meidet.
Eine pointierte Sprache ohne bleiern vorgetragenen Tiefsinn und ohne Mitleid hechelnde Sonderakzente, doch mit der Hinwendung zu intelligent reduzierten Sprachbildern und launigen Frivolitäten vollenden einen Film, der ein mögliches Leben auf der Zielgerade anbietet, an deren Ende schon der Sarg gezimmert wird. Vielleicht gelegentlich etwas zu bieder, hätten einige schräge Nebenklänge den Film noch näher zur Makellosigkeit geführt. Doch bleibt der Glaube, dass Vater und Sohn Sverak schon an einem neuen Streifen werkeln. Und dann.....
Hinzugefügt am 02.02.2008 um 10:51 Uhr
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