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3.5 - Gut
Anfang 2008 kam Anton Curbijns Film „Control“ über das Leben von Ian Curtis – dem Sänger der englischen Band Joy Division – in die Kinos. Fast genau ein Jahr später, im März 2009, kommt Grant Gees Dokumentarfilm „Joy Division“ zur legendären Punkband. Musikfilme erfreuen sich aber nicht nur im Moment einer großen Beliebtheit. Man denke nur an Oliver Stones „The Doors“, an James Mangolds „Walk the Line“, Taylor Hackfords „Ray“ oder beispielsweise an Cameron Crows „Almost Famous“.
Bei so zahlreichen Filmen über die Musikgeschichte bzw. über herausragende Gestalten dieser, vor allem der Musikgeschichte der Sechziger und Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts, ist es fast schon verwunderlich, dass noch kein Regisseur nur ein paar Jahre weiter zurück in die Vergangenheit geblickt hat.
Dies hat Darnell Martin mit seinem 99 Minuten langen Film „Cadillac Records“, den er dem legendären Plattenlabel der Fünfziger und frühen Sechziger, Chess Records, gewidmet hat, nun nachgeholt.
„Cadillac Records“ ist ein Film über die amerikanische Musikszene dieser Zeit, der den Aufstieg und Fall des RnB-Labels Chess Records zeigt. Im Chicago der 1950er Jahre ist Leonard Chess Besitzer eines kleinen Blues-Clubs in der rauhen South Side der Stadt. Bei der Suche nach einer Bluesband für seinen Club engagiert er einige talentierte aber auch gleichzeitig chaotische Musiker. Er ist sofort begeistert vom Gitarristen Muddy Waters, der sich als Straßenmusiker durchschlägt und vom impulsiven Mundharmonikaspieler Little Walter. Kaum haben sie im Studio zusammen Aufnahmen für Chess gemacht, landen sie schon in den RnB-Charts. Kurz darauf gründet Chess seine eigene Plattenfirma. Jeder seiner Musiker, der es in die Charts schafft, wird von Chess mit einem Cadillac belohnt. Little Walter ist der zweite, der sich einen brandneuen Cadillay abstaubt, nach Muddy Waters, der den Frauen nicht widerstehen kann.
Die Plattenfirma boomt und Künstler wie Howlin Wolf, Willie Dixon stoßen dazu. Martin lässt es sich auch nicht nehmen die von Muddy Waters wesentlich beeinflussten Rolling Stones in Chess’ Aufnahmestudio vorbeischauen zu lassen und dort sie dort ein wenig zusammen mit Muddy jammen zu lassen.
Als Chess den Ausnahmegitarristen Chuck Berry für sein Label gewinnen kann, der mit seinem legendären Duckwalk und völlig neuem Rocknroll-Sound, die Mengen begeistert, ist der Höhepunkt des Erfolgs erreicht. Doch schon kurze Zeit später landet sein Star im Gefängnis und Chess muss sich nach einem Ersatz umsehen. Mit der Soulsängerin Etta James gelingt ihm der erneute Durchbruch. Der vorher so treue Ehemann Leonard ist so von Etta bzaubert, dass er eine Affäre mit ihr beginnt, die ihn in einige Problem verwickelt.
„Cadillac Records“ ist nicht im Stil einer Biographie konzipiert wie viele andere Musikfilme. Es ist kein Film bloß über den Labelmanager Chess oder über einen seiner Musiker. Natürlich spielen Chess oder Muddy Waters eine zentrale Rolle für die Handlung, aber keine Figur steht wirklich im absoluten Mittelpunkt des Films. Dortt steht ganz allein die Musik. Aber auch ohne eine eindeutige Hauptfigur schafft Martin es, eine spannende Story zu erzählen.
Der Film von Darnell Martin kann auch mit seiner hochkarätigen Besetzung trumpfen. Leonard Chess wird gespielt von Adrian Brody, Muddy Waters von Jeffrey Wright. In der Rolle von Little Walter ist Columbus Short zu sehen. Mos Def kann als Chuck Berry überzeugen und Beyoncé Knowles tritt als Etta James auf. Dass der Film in der englischen Original-Sprache daherkommt, lässt ihn sehr authentisch erscheinen.
Insgesamt ist „Cadillac“ Records ein guter Film, der allerdings für das nicht musik-interessierte, breite Publikum weniger ansprechend ist. Für Fans von guter alter Rocknroll- und Bluesmusik ist Cadillac jedoch sehr zu empfehlen.
Hinzugefügt am 27.03.2009 um 11:10 Uhr
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