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Aristocats
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Aristocats
Von Franziska Felber
Lange mussten Katzenliebhaber warten, bis im Hause Walt Disney nach Mäusen, Rehkitzen, Elefanten und vor allem vielen Hunden endlich einmal Katzen einen ganzen Film tragen durften. "Aristocats" aus dem Jahr 1970 ist der 20. Animationsfilm aus Disneys "Meisterwerke"-Reihe. Regisseur Wolfgang Reitherman, ein gebürtiger Münchner, zählte zu den "Nine Old Men", dem engsten Kreis an Mitarbeitern um Walt Disney höchstpersönlich. Beim Vorgänger aus der ursprünglich einfach nur abendfüllende Animationsfilme kennzeichnenden Reihe "Meisterwerke", "Das Dschungelbuch", hatte Reitherman ebenfalls Regie geführt – doch trotz einer gewaltigen Steigerung im späteren Verlauf erreicht "Aristocats", der etwas zäh beginnt, nicht ganz die Perfektion dieses legendären Vorgängers.

Im Paris zu Anfang des 20. Jahrhunderts lebt die wohlerzogene Katze Duchesse (Stimme: Brigitte Grothum) mit ihren drei Kindern Marie (Angelika Pawlowski), Berlioz (Steffen Müller) und Toulouse (Ralf Richardt) in gutem Hause. Sie gehören der steinreichen, alternden Dame Adelaide Bonfamille (Gisela Reißmann), die geradezu vernarrt ist in Duchesse und ihre Kätzchen. So vernarrt, dass sie die Katzen in ihrem Testament zuerst bedenkt – vor ihrem treuen Butler Edgar (Klaus W. Krause). Als dieser das mitbekommt, fasst er einen Plan: Er betäubt die vier Katzen und setzt sie weit außerhalb der Stadt unter einer Brücke ab. Nach ihrem Erwachen erhalten sie jedoch Hilfe von Straßenkater Thomas O'Malley (Edgar Ott, der auch Balu den Bär in "Das Dschungelbuch" und König Triton in "Arielle, die Meerjungfrau" seine Stimme lieh). Mit ihm treten sie den Rückweg nach Paris an.

"Aristocats" ist der erste Film, der nicht mehr vom 1966 verstorbenen Walt Disney mitproduziert wurde. An der Konzeption des Films allerdings war er noch beteiligt. Gänzlich gelungen ist der Einstieg in die Geschichte allerdings nicht: Es gibt einige etwas überdehnte Slapstick-Szenen zu sehen, und die kleinen Hauptdarsteller präsentieren sich zwar süß, aber zugleich auch etwas bieder. Der mögliche Konflikt zwischen Straßenkater Thomas O'Malley und den aristokratischen Katzen wird leider gänzlich ausgespart, dabei hätte es doch hier interessante Reibungspunkte gegeben.

Dennoch tut O'Malley den "Aristocats" sehr gut: Er bringt Schwung in den Plot, bald nach der Einführung seiner Figur erreicht der Film die gewohnt hohe Disney-Qualität an Ideen und Lachern. Besonders O'Malleys Gang aus Straßenkatern belebt die Handlung spürbar. Auch in der Begegnung der Katzentruppe mit den watschelnden Gänseschwestern Abigail und Amelia leuchtet die liebevolle Beobachtungsgabe und zeichnerische Verspieltheit der Disney-Studios auf. Und auch eine bunte, psychedelische Musical-Sequenz kommt noch zum Einsatz, wie man sie zum Beispiel aus "Dumbo" kennt. Mit den Eskapaden von Kater O'Malley und seiner Straßengang, von der man sich noch viel mehr kecke Szenen und freche Sprüche erhofft hätte, macht "Aristocats" seinen Hang zur bisweilen arg zuckersüßen Inszenierung der Kätzchen aus noblem Hause mehr als wett.

Fazit: "Aristocats" ist etwas für Disney-Fans, die für das gelungene Finale über den zähen Anfang hinwegsehen. Die Charaktere sind interessant angelegt, das zeichnerische Niveau wie bei allen Produktionen aus diesem Hause über alle Zweifel erhaben.
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