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Seine 1 Kritik ansehen
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4 - Sehr gut
-Der Titel bezieht sich auf die ersten Worte die ich nach dem Filmende hörte, ausgesprochen von einem älteren Herren als eine Art Zusammenfassung des Gesehenen-
Wie Shakespeare einst das Leben englischer Könige in seinen Stücken in Szene setzte, scheint Oliver Stone ebenfalls das Leben von Regenten zu seinem Hauptthema gemacht zu haben. „W.“ ist der Stones dritter Film über einen amerikanischen Präsidenten nach „Nixon“ und „JFK“. Weitere Filme über Anführer sind „Alexander“ und „Comandante“. Ob diese Besessenheit mit dem Thema Macht psychologische Hintergründe hat oder Stone sich einen Namen als Biograph machen will ist fraglich, sicher ist aber dass Stones Porträts oft radikal verschieden aufgefasst werden: „JFK“ wird von einigen als konfuse Verschwörungstheorie abgestempelt, andere nennen den Film einen Klassiker. Auch „Nixon“ und eigentlich die meisten anderen Filme von Stone teilen dasselbe Schicksal und machen Stone zu einem der kontroversesten Regisseure unserer Zeit.
Auch „W.“ schließt sich den vorherigen Filmen von Stone an, in der Thematik ebenso wie in den unterschiedlichen Meinungen von Kritikern: einige, wie Roger Ebert, nennen den Film meisterhaft, andere bezeichnen ihn als verwirrend und langweilig. Fakt ist – Stones Film ist keine Biographie im herkömmlichen Sinne. Es ist auch in erster Linie kein Film über das Leben von George W. Bush. Es ist ein Porträt. Ein Porträt im wahrsten Sinne des Wortes.
Stone zeichnet sein Bild von Bush Jr. (Josh Brolin). Er wechselt Geschickt zwischen Szenen aus Bushs Präsidentschaft und Szenen aus seinem Leben vor der politischen Laufbahn. Da gibt es Bush, den frisch gebackenen Präsidenten, der gemeinsam mit seinem Team einen angebrachten Namen für Irak, Nordkorea und Co. austüftelt, der seine Ansprachen in der naiven Redeweise eines texanischen Hillbillys führt. Und Bush den Säufer und Pokerspieler, der versucht sich mit kurzfristigen Jobs über Wasser zu halten, Daddys wachsames (und enttäuschtes Auge) stets auf ihn gerichtet. Teilweise visualisiert Stone das Bild das die meisten Zuschauer schon von Bush. hatten, ergänzt es aber auch geschickt mit symbolischen Szenen (Baseball-Feld), untermalt sie mit ironisch eingesetzter Musik (wie „What a wonderful World“) und lässt die Dialoge wunderbar sarkastisch wirken, da der Zuschauer sich immer des Ausgangs der jeweiligen Situation bewusst ist. Szene für Szene, Pinselstrich für Pinselstrich zeichnet sich im Bild des Zuschauers ein Bild über den 42. Präsidenten der USA. Anspruch auf hundertprozentige Realitätstreue erhebt Stone nicht, natürlich kann man die Diskussionen zwischen Vater und Sohn Bush nicht vollständig wahrheitsgemäß rekonstruieren. Das muss man aber auch gar nicht, Stone spiegelt die Essenz der Geschehnisse in diesen Dialogen wieder – er erzählt sich nicht unbedingt wie sie waren, sondern wie sie gewirkt haben. Auf Bush ebenso wie im Endeffekt auf den durchschnittlichen Nachrichtenschauer. Die familiären Streitigkeiten passen perfekt ins Gesamtbild, man stört sich nicht an ihrer offensichtlichen Fiktivität.
Nach und nach vermschelzen die beiden Handlungsstränge ineinander und die eigentliche Farce der Geschehnisse wird immer deutlicher. Am Ende, als ein verzweifelter Bush versucht die Frage eines Reporters unvorbereitet zu beantworten versucht, weiß man nicht ob man lachen, den Kopf schütteln oder sogar Mitleid mit dem unfähigen Tölpel vom Lande haben soll, der über Nacht zum mächtigsten Mann der Welt wurde. Vielleicht hätte man hier die eine oder andere Szene anders gestalten sollen, wie die etwas übertrieben wirkende Traumsequenz oder die Verwendung der dramatischen Klaviermusik, die im Kontrast zum Sarkasmus des Films verwirrt, da man manchmal nicht weiß ob es der Regisseur nun ernst meint oder nicht.
Jedoch stellt Stone Bush nicht an den Pranger, seine Wut, falls er sie hat, verbirgt er geschickt. Er zwingt dem Zuschauer nicht seine Meinung auf und er klagt den Präsidenten (fast) nicht offenkundig an. Objektiv ist sein Film keineswegs, jedoch statt wütend anzuklagen hebt Stone bloß kopfschüttelnd die Augenbrauen und zwinkert dem Zuschauer, verschmilzt lächelnd zu.
Brolin spielt wahrhaft außergewöhnlich: authentisch, ohne zu Übertreiben verkörpert jede Seite des Präsidenten, treibt den Film voran und glättet sogar Schwächen des Films durch seine meisterhafte Schauspielerei aus. Die restlichen Schauspieler machen ihre Sache sehr gut, mit Ausnahme von Thandie Newton, deren Condoleeza Rice wie ein hölzerne Marionette mit ständig nach unten gerichteten Mundwinkeln wirkt, wozu noch eine puppenartige Gestik und eine grässlich verstellte Stimme kommt. Dies verdirbt fast schon jede Szene, in der Rice eine größere Rolle spielt und Newtons Gesichtsausdruck wirkt ungewollt lächerlich im Vergleich zur Authentizität von Rove, Rumsfeld und Cheney. Der emotionale Effekt des Films wird neben der starken Schauspielerleistung noch durch den dynamischen Schnitt verstärkt, der oft schwindelerregend wirkt, diese Wirkung aber niemals ausreizt.
Insgesamt gelingt es Stone definitiv ein starkes Porträt zu inszenieren, das von der sehr guten Regie, Kameraarbeit und Musik. lebt. Wahrlich hervorragend sind aber vor allem Hauptdarsteller Josh Brolin und das von Stanley Weiser verfasste Drehbuch, welches intelligenten Sarkasmus detailreicher Faktentreue vorzieht und den Film dadurch wunderbar originell macht.
Hinzugefügt am 13.12.2008 um 02:59 Uhr
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