Berlinale: Bärenlaune bis zum Ende
Kino
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| Von FILMSTARTS.de
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Dienstag, 21. Februar 2006
von Deike Stagge
Schluss, aus und vorbei. Die Preise der 56. Berlinale sind vergeben, die Kinos gehen nach dem Publikumstag wieder zum normalen Betrieb über, die Stars sind zur intensiven Vorbereitung der Oscar-Gala wieder abgereist. Was bleibt nach elf Tagen Bärenjagd?
Da ist zunächst die große Publikumsresonanz. Mehr Besucher als in den Jahren zuvor wollten die rund 360 gezeigten Filme exklusiv auf der Berlinale sehen. Über 150.000 Menschen waren es insgesamt. Die Schlangen vor den Verkaufsstellen und Kinokassen waren schon um halb neun Uhr morgens ewig lang. Nicht nur der Wettbewerb lag in der Gunst der Zuschauer vorn, auch vor den Filmen der Sektionen Panorama, Forum und die Perspektive Deutsches Kino bildeten sich stattliche Zuschauerschlangen. Und jeden Abend bot sich vor den Kinos am Potsdamer Platz das gleiche Bild: Die vielen „Suche Karte“-Schilder der Passanten, die unbedingt noch einen Sitzplatz im Saal bekommen wollten.
Im Wettbewerb setzte sich der Film „Grbavica“ von Jasmila Zbanic gegen die Konkurrenz durch und gewann den Goldenen Bären. Das Werk der Regisseurin aus Bosnien-Herzegowina handelt von einem jungen Mädchen, das eine Entdeckung über ihren als tapferer Soldaten angesehenen Vater macht. Die Silbernen Bären gingen an die dänische Produktion „A Soap“ und „Offside“ von Jafar Panahi. Als bester Regisseur wurde Michael Winterbottom für sein Dokudrama „The Road To Guantanamo“ ausgezeichnet. In Sachen Schauspieler triumphierten die Deutschen: Sandra Hüller für „Requiem“ und Moritz Bleibtreu für „Elementarteilchen“ durften die Bären mit nach Hause nehmen. Über die Auszeichnung für die beste Künstlerische Leistung freute sich Jürgen Vogel, der im Drama „Der freie Wille“ neben der Hauptrolle auch als Co-Autor und Co-Produzent in Erscheinung trat. Die beste Filmmusik schickte nach Meinung der Jury um Charlotte Rampling Peter Kam für „Isabella“ ins Rennen. Alles in allem barg die Preisverleihung wenige große Überraschungen. Die Hollywoodfilme mit großer Starbesetzung, die für ihre Projekte auch in Berlin in Interviews und auf dem Roten Teppich Präsenz zeigte, liefen wie „Capote“ oder „V wie Vendetta“ nur außer Konkurrenz. So konnten die Filme zwar laufen und das Festival mit der großen Prominenz werben, aber den Underdogs wurden die Siegchancen nicht genommen.
Nur Robert Altmans Werk „A Prairie Home Companion“ ging trotz der hervorragenden Darsteller und der ansehnlichen Inszenierung überraschenderweise leer aus. Dafür konnte der deutsche Film ordentlich Punkte sammeln - nicht nur durch die Preise für seine Schauspieler Mit mehr Beiträgen als jemals zuvor war Deutschland im Wettbewerb vertreten und auch in den Augen der Kritiker und des Publikums gab der deutsche Film eine sehr gute Figur ab. Die Preise wirkten eher wie eine Bestätigung als ein Auslöser. Auf dem Europäischen Filmmarkt, der im Martin-Gropius-Bau stattfand, wurden die internationalen Rechte für den Beitrag „Elementarteilchen“ von Oskar Röhler besonders heiß gehandelt. Über 650 Filme suchten hier ein neues internationales Zuhause, zumeist hinter verschlossenen Türen wurden hier die großen Deals gemacht. Die Kinogänger können sich da noch auf einige interessante Titel freuen, die da auf uns zukommen.
Berlin hat sich auch in diesem Jahr über die Aufmerksamkeit, die die Internationalen Filmfestspiele mit sich bringen. Viele Stars, Filmtouristen, das internationale Fachpublikum mit ungefähr 19.000 Besuchern und auch eine rekordverdächtige Anzahl exklusiver Partys und „Get togethers“ rund um die Berlinale hielten die Stadt bis Anfang dieser Woche auf Trab. Auch wenn bei der Preisvergabe eher politisch korrekte Vergabekriterien im Mittelpunkt zu stehen schienen als filmische Besonderheiten, freut sich die Stadt sicher auf das nächste Jahr und auf die Überraschungen, die Festivalleiter Dieter Kosslick aus dem Hut zaubern wird.
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