Tagebuch eines Filmkritikers: Folge 4: Endlich schwul-lesbisch...
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| Von FILMSTARTS.de
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Samstag, 20. Oktober 2007
Hamburg, den 20.10.2007
Hallo FILMSTARTS.de,
nun haben Ihr und ich drei Tage lang mir Dr. Uwe Boll unseren Spaß gehabt, es ist also allerhöchste Eisenbahn, sich endlich mal wieder mit dem Ernst des Lebens auseinanderzusetzen. Allerdings werde ich in den nächsten zwei bis drei Wochen unsere Boll-Retro mit „Amoklauf“ (habe ich noch nicht gesehen) und „House of the Dead“ (1 Punkt) vervollständigen, dann sicherlich auch hier mehr zu dem ergiebigen Thema.
Heute morgen gab´s zur Fortsetzung meiner Paris-Hilton-Retrospektive erst einmal die College-Comedy Paris Hilton: Die Party Animals sind zurück! auf DVD. Auch wenn Paris als arrogant-zickige, blond-pinke Barbie eine überraschend gute Figur macht, ist der Film trotzdem ziemlicher Müll – der übliche Teenie-Quatsch, mit ein paar anzüglichen und/oder fäkalen Zoten versetzt. Eine ausführliche 3-Punkte-Rese von mir wird Morgen auf FILMSTARTS.de veröffentlicht.
Bisher gab es nun schon drei Einträge in dieses Tagebuch – und trotzdem war ich in dieser Zeit erst ein einziges Mal im Kino. Auch heute wäre eigentlich kein guter Tag dafür gewesen, immerhin hat der HSV heute Nachmittag gegen den amtierenden deutschen Meister VFB Stuttgart gespielt – das Ergebnis konnte ich mir bis jetzt noch vom Hals halten, und ich hoffe, dies auch zumindest noch bis zum aktuellen Sportstudio durchzuhalten.
Heute war also eigentlich Fußballtag. Und es gibt nur wenige Regisseure, für deren Werke ich ein HSV-Spiel in den Wind schießen würde. Allerdings steht der französische Filmemacher André Téchiné ganz sicher auf dieser kleinen, aber pikfeinen Liste. Und so trieb es mich heute für zwei Filme endlich zu den „18. Schwul Lesbischen Filmtagen Hamburg“, nachdem ich bisher nur die Eröffnungsveranstaltung am Dienstag mitgenommen hatte.
Zur Einstimmung gab es die kanadische Produktion Finn´s Girl des lesbischen Regisseurinnen-Gespanns Dominique Cardona und Laurie Colbert: Eine lesbische Abtreibungsärztin muss mit der rebellischen Teenager-Tochter ihrer verstorbenen Lebensgefährtin klarkommen. Außerdem machen ihr christliche Abtreibungsgegner, die auch vor Attentaten nicht zurückschrecken, das Leben schwer. Maya Ritter, die Darstellerin der elfjährigen Tochter Zelly, ist eine Offenbarung. Das Drama selbst ist recht bodenständig inszeniert, dazu kontrovers, sympathisch und sehr unterhaltsam. Auch wenn die hanebüchene Schlusswendung dann jenseits von Gut und Böse ist, bleibt der Film auf jeden Fall empfehlenswert.
Dann kam endlich der Film des Festivals: André Téchinés Aids-Drama Les Témoins – Die Zeugen. Die Handlung spielt in den frühen 1980er-Jahren, eine Zeit, in der eine bis dato unbekannte Krankheit namens Aids erste Schlagzeilen machte. Die Schriftstellerin Sarah (Emmanuelle Béart in einer gewohnt freizügige Rolle) und ihr Polizisten-Ehemann Mehdi führen eine offene Beziehung. Nebenbei hat Mehdi eine Affäre mit dem jungen Schwulen Manu. Doch dann erkrankt Manu an Aids. Auf typisch französische Art leichtfüßig und dahinfließend erzählt, dabei auch noch zutiefst berührend, grundehrlich (kein einziger Funken verlogene Betroffenheitsscheiße glimmt hier auf) und in den passenden Momenten frech und urkomisch – das erwartete Meisterwerk!
Beim Schreiben dieses Textes sehe ich übrigens gerade die Dieter-Bohlen-Show „Das Supertalent“ auf RTL. Totaler Schrott! Allerdings muss ich demnächst eine Kritik zu der Trash-TV-Satire Free Rainer von Die fetten Jahre sind vorbei-Regisseur Hans Weingartner verfassen. Also schreibe ich diese nervigen zwei Stunden TV-Qual einfach mal unter dem Stichwort „Recherche“ ab.
Bis zum nächsten Mal,
Euer Christoph Petersen
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