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Berlinale 2008 - Tag 1: Forum – ein gelungener Auftakt
Freitag, 08.02.2008 | 08:48 Uhr

von Björn Helbig

Die Sektion Forum gilt als das Experimentierfeld der Berlinale. Es ist die Anlaufstelle für oft junge, unkonventionelle Filmemacher. „Wir zeigen ja Filme von unangepassten Regisseuren und das sind erfahrungsgemäß eher die jüngeren“, sagt Christoph Terhechte, Leiter des Forums. Als Trend in seiner Sektion in diesem Jahr sieht er das Thema Perspektiven von Kindern und Jugendlichen – in einer Welt, in der es keine Kindheit mehr gibt.

Die ersten vier Stichproben konnten dies noch nicht so ganz bestätigen. Allenfalls Regarde-moi, der Debütfilm von Audrey Estrougo, der zweimal dieselbe Geschichte in der Pariser Vorstadt Colombes erst aus der Sicht einer Gruppe von Jungen, danach aus dem Blickwinkel der Mädchen erzählt und so dem Zuschauer nach und nach die ganze Wahrheit offenbart. Allerdings wirkt dieses filmische Experiment in Umsetzung und Aussage noch recht unausgereift. – 4/10 Punkten

Vereinnahmend fiel hingegen der Eröffnungsfilm des diesjährigen Forums aus. Guy Maddin s lyrisch-ironische Zeitreise in seine kanadische Heimatstadt Winnipeg, in grobkörnigem Schwarzweiß erzählt, lässt sich tatsächlich als Experiment verbuchen. Geschickt mischt der Regisseur in seinem Film My Winnipeg Archivaufnahmen mit nachgestellten Szenen, Gegenwart mit Vergangenheit, Traum mit Realität – und schafft so ein äußerst eigenwilliges Kunstprodukt. „Winnipeg, Winnipeg, Winnipeg.“ – 8/10 Punkten

Als Vorfilm von Maddins subjektiver Heimatstudie überrascht Isabella Rossellinis und Jody Shapiros Green Porno. Dabei handelt es sich um einen dreiteiligen Kurzfilm aus der Liebeswelt der Insekten. Fliege, Glühwürmchen und Spinne – alle Rollen gespielt von der Rossellini. Ein schräges, fünfminütiges, kurzweiliges Vergnügen. – 7/10 Punkten

Aditya Assarats Drama Wonderful Town spielt vor einem realen Hintergrund. Ein junger Architekt aus Bangkok, soll beim Wiederaufbau einer vom Tsunami zerstörten Ferienanlage im Süden Thailands helfen. Im Ort mietet er sich in ein Hotel ein und verliebt sich in die dort arbeitende Putzfrau. Die sozialen Spannungen des traumatisierten Ortes unterschätzend, steuern die Verliebten in eine Katastrophe. Assarats bittere Liebesgeschichte trifft – vor allem musikalisch – nicht immer den richtigen Ton, kann aber stellvertretend für das aufstrebende junge asiatische Kino gesehen werden, dass auch im Forum dieser Berlinale wieder stark vertreten sein wird. – 5/10 Punkten

Die FILMSTARTS.de-Autoren Christoph Petersen und Björn Helbig berichten täglich von der Berlinale 2008.

Zum FILMSTARTS.de Berlinale-Special.
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